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Rückgabe der Marienburg : Familienstreit der Welfen geht vor Gericht

Steine des Anstoßes: Die Marienburg in Pattensen Bild: Daniel Pilar

Ernst August Prinz von Hannover wird nach Informationen der F.A.Z. seinen Sohn auf Rückgabe der welfischen Liegenschaften in Deutschland verklagen. Doch im Streit um die Marienburg geht es auch um Besitztümer in Österreich.

          Das Familienoberhaupt der Welfen, Ernst August Prinz von Hannover, will seinen Sohn Ernst August Erbprinz von Hannover verklagen, um von ihm die deutschen Besitztümer der Welfen zurückzuerhalten. Die Klage soll in zwei bis vier Wochen eingereicht werden, wie die F.A.Z. aus dem Umfeld des Vaters erfahren hat. Die Klageschrift wird in der Berliner Kanzlei des Münchener Rechtsanwalts Wolf Rüdiger-Bub erstellt.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Anlass für diesen Schritt des Vaters sind die Pläne des Landes Niedersachsen für die südlich von Hannover gelegene Marienburg. Das Land hat sich mit Erbprinz Ernst August darauf geeinigt, das dieser das dringend sanierungsbedürftige Schloss zum Beginn des Jahres 2020 für den symbolischen Preis von einem Euro in eine gemeinnützige Stiftung überführt. Den Plan, die Marienburg direkt ins Eigentum der öffentlichen Hand zu übernehmen, hatte das Land Niedersachsen zuvor fallengelassen. Der Vater hatte in einem Brief an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Widerstand gegen diesen Vorhaben angekündigt.

          Nun wendet sich das Familienoberhaupt auch gegen das neue Stiftungsmodell, das Kulturminister Björn Thümler (CDU) nach dem Scheitern des ersten Plans mit dem Erbprinzen ausgehandelt hat. Neben der Marienburg wird es dem Vater vor Gericht aber auch um die anderen deutschen Liegenschaften der Welfen gehen, die er 2004 auf seinen erstgeborenen Sohn übertragen hatte.

          Verlässlicher Ansprechpartner?

          Der Erbprinz erklärt, der Vater habe kein Recht auf eine Rückabwicklung der damaligen Schenkung. „Das ist erledigt. Das Thema ist für mich abgeschlossen“, sagte der Erbprinz der F.A.Z. zum Widerstand seines Vaters. Auch das Land betrachtet die Einwände des Vaters als gegenstandslos. Um die Übereignung der Marienburg in eine Stiftung rechtlich abzusichern, wurde nach Informationen der F.A.Z. vor einigen Monaten auch ein Wertgutachten erstellt. Demnach ist die Marienburg trotz aller touristischen Nutzung in ihrem gegenwärtigen Zustand vollkommen wertlos.

          Aus dem Umfeld des Vaters verlautet hingegen, die geplante Klage sei geeignet, die Übertragung der Marienburg auf eine Stiftung „hinfällig“ zu machen. Zumindest werde das Projekt „weiter verzögert“. Der Vater beklagt sich auch darüber, dass weder sein Sohn noch das Land Niedersachsen über die Pläne für die Marienburg informiert habe. Allerdings gilt der Vater in der Landespolitik im Unterschied zu seinem Sohn nicht als verlässlicher Ansprechpartner.

          Mit den Vorgängen vertraute Personen weisen darauf hin, dass es im Hintergrund des Streits um die deutschen Liegenschaften der Welfen um deren Besitztümer in Österreich gehe, aus deren Verwaltung der Vater im Jahr 2012 herausgedrängt wurde.

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