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Kurioser Name für Schule : „Frau Furtwängler erfüllt alle geforderten Punkte“

  • -Aktualisiert am

Stifte raus: Maria Furtwängler, hier 1996 in der Fernsehserie „Hallo, Onkel Doc!“ Bild: Imago

Schulen sind meist benannt nach historischen Persönlichkeiten, die lange tot sind. Jetzt aber gibt es im Schwarzwald eine Maria-Furtwängler-Schule. Warum das? Ein Anruf bei der Schulleitung.

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          Frau Hunn-Zimny, haben Sie schon einen neuen Briefkopf erstellt?

          Nein, das haben wir noch nicht.

          Aber der dafür maßgebliche Ausschuss des Kreistags hat doch beschlossen, dass Ihre Schule fortan „Maria-Furtwängler-Schule, Hauswirtschaft – Ernährung – Gesundheit – Pflege – Soziales“ heißen darf.

          Die Sitzung kam überraschend. Wir konnten vorher noch nichts richten, weil wir noch nicht wussten, ob unserem Vorschlag zugestimmt wird. Aber wir haben schon mehrere Entwürfe für ein Logo.

          Wird Maria Furtwängler auf dem Logo abgebildet sein?

          Nein. Köpfe auf dem Logo abzubilden ist nicht mehr so üblich.

          Bislang lautete der Name: „Berufliche Schule im Mauerfeld Lahr“. Das hat Ihnen nicht mehr gefallen?

          Bis 1989 hieß die Schule Haus- und Landwirtschaftliche Schule Lahr. Dann ist unter meinem Vorgänger dieser Name gewählt worden. „Mauerfeld“ ist die Flurbezeichnung. Drei Straßen weiter gibt es aber auch das Sportzentrum Mauerfeld. Unsere Gäste sind immer dort gelandet, weil das missverständlich ist. Außerdem haben wir in Lahr noch weitere berufliche Schulen. Die Presse hat immer das „im Mauerfeld“ in unserem Namen weggelassen, so dass nie klar war, welche Schule eigentlich gemeint ist.

          Jetzt sind Sie die einzige Maria-Furtwängler-Schule, die es gibt.

          Wir sind schon seit drei Jahren in diesem Prozess und haben zunächst keinen geeigneten Namengeber gefunden. Vor über einem Jahr hat dann meine Stellvertreterin, die selbst Ärztin ist, mit dem Management von Frau Furtwängler Kontakt aufgenommen. Nach einiger Zeit haben ihre Mitarbeiter sich gemeldet und gesagt, Frau Furtwängler könne sich das vorstellen. Seitdem stehen wir mit ihr in Kontakt. Sie ist mit der Namensgebung einverstanden und empfindet es als eine große Ehre.

          Rosalinde Hunn-Zimny, Schulleiterin der Maria-Furtwängler-Schule in Lahr
          Rosalinde Hunn-Zimny, Schulleiterin der Maria-Furtwängler-Schule in Lahr : Bild: privat

          Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

          Frau Furtwängler hat als Ärztin einen Bezug zu Gesundheit und Pflege. Unsere Schule bietet ein vielfältiges Bildungsangebot, vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur. Wir haben unter anderem eine Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Ernährung, mehrere Berufskollegs, Klassen für lernbehinderte Schüler, aber auch ein gesundheitswissenschaftliches Gymnasium.

          Maria Furtwängler ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch promovierte Medizinerin.

          Das war der Ansatzpunkt, aber vor allem auch ihr soziales Engagement. Sie setzt sich gegen Kindesmissbrauch ein, beschäftigt sich mit Umweltverwüstungen und engagiert sich bei den „German Doctors“. Wir haben wiederum eine Partnerschule in Togo, die wir jährlich mit einem Spendenlauf unterstützen. Da können wir uns zum Beispiel auch eine Zusammenarbeit mit Frau Furtwängler vorstellen. Es ging uns nicht vorrangig darum, dass sie Schauspielerin ist.

          Furtwänglers Ehemann, der Verleger Hubert Burda, stammt aus Offenburg. Das ist in Ihrer Nähe. Hat das eine Rolle gespielt?

          Der Schulträger fordert, dass der Namensträger einen Bezug zum Profil der Schule haben soll. Frau Furtwängler hat diesen als Ärztin. Durch ihr Engagement hat sie ebenfalls einen Bezug zum sozialen Profil der Schule. Die Zeitschrift „Burda Style“ wiederum hat Bezug zur Textilarbeit, also besteht darüber auch eine Verbindung zur Hauswirtschaft und Ernährung. Außerdem soll der Namensträger einen regionalen Bezug haben. Den hat sie über ihren Ehemann. Prominent ist sie als „Tatort“-Kommissarin sowieso. Alle geforderten Punkte erfüllt Frau Furtwängler.

          Schaut man sich die Namen der Schulen in Deutschland an, könnte man meinen, eine Voraussetzung wäre auch, dass der Namensträger tot ist.

          Wir haben herausgefunden, dass es auch eine Udo-Lindenberg-Schule in Bayern gibt. Dazu gab es schon zu Lebzeiten Astrid Lindgrens einige Grundschulen mit ihrem Namen.

          Normalerweise sind Schulen nach Dichtern wie Johann Wolfgang von Goethe, Widerstandshelden wie Sophie Scholl oder Wissenschaftlern wie Albert Einstein benannt. Passt Maria Furtwängler da rein?

          Wir sind kein humanistisches Gymnasium oder eine allgemeinbildende Schule. Es war schwierig, jemanden zu finden, der einen Bezug zu unserem Profil hat. Unsere Schüler kommen größtenteils aus einfach strukturierten Familien. Ich weiß nicht, ob die mit den klassischen Namensgebern etwas anfangen könnten.

          Hildegard von Bingen etwa würde bei Ihren Schülern nicht so gut ankommen?

          Nein, das würde nicht so gut passen.

          Kennen Ihre Schüler denn Maria Furtwängler? Gucken sie „Tatort“?

          Die Schüler in der Schulkonferenz kannten Maria Furtwängler nicht. Unsere Aufgabe ist jetzt, über das Leben der Frau Furtwängler und ihr Engagement und das ihrer Stiftung zu informieren. Mit ihr werden sich unsere Schüler dann identifizieren können.

          Gibt es schon einen Besuchstermin?

          Nein. Frau Furtwängler ist eine vielbeschäftigte Persönlichkeit. Aber wir sind da dran. Sie freut sich, ihre Schule persönlich kennenzulernen. Geplant sind gemeinsame Projekte und Aktionen für ihre Stiftung Malisa Home.

          Die Fragen stellte Jörn Wenge.

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