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Schauspielerin Maria Dragus : Es wird nie gesagt: Du bist okay!

„Dadurch, dass ich viele Sprachen ohne Akzent spreche, blende ich mich ziemlich einfach in verschiedene Länder ein. Das ist zuträglich für meinen Beruf.“ Gern erzählt sie davon, wie sie in Paris und New York, in London, Bukarest oder Berlin in Cafés herumsitzt, schreibend ihre Erfahrungen verarbeitet, liest oder sich freut, wenn sie mit Leuten ins Gespräch kommt. Dragus, die Nomadin: Als sie kürzlich ihre Steuererklärung gemacht habe – „mach ich voll gerne, entspannt mich“ –, sei ihr aufgefallen, dass sie im vergangenen Jahr nie länger als drei Wochen am selben Ort gewesen sei. Üblicher seien fünf Tage.

Die internationale Karriere geht vor

Diesen Winter nun hatte Maria Dragus eigentlich mit der Schauspielschule beginnen wollen. Im zweiten Anlauf war sie an der renommierten „Ernst Busch“ in Berlin genommen werden. Nach wenigen Wochen kündigte sie. „Also, ich hab das einfach nicht...“, sie macht eine kurze Pause. „Gefühlt.“ Zum ersten Mal stochert Dragus nach Worten. Dann erzählt sie von der schmerzhaften Einsicht, einen langgehegten Traum aufgeben zu müssen, weil man feststellt, dass die Wirklichkeit ihn überholt hat. Seit ihrer Bewerbung für die Hochschule vor zwei Jahren hat sie angefangen, international zu arbeiten. Erst die preisgekrönte Zusammenarbeit mit dem Rumänen Cristian Mungiu, jüngst eine britisch-amerikanische Produktion über Maria Stuart. Wenn sich daraus neue Projekte ergeben, wäre es ungünstig, in Berlin festzusitzen und um sich selbst zu kreisen. Was eine Grundlage für die Zukunft hätte werden sollen, entpuppte sich als Hindernis in der Gegenwart. „In unserer Branche redet man leider auch immer viel über das Momentum“, sagt Dragus. „Das ist wie bei ,Licht‘.“

Es gibt diese Szene in dem Barbara-Albert-Film über die blinde Pianistin, in der Dragus sagt: „Wer nicht sehen kann, der wird nicht gesehen. Wer nicht gesehen wird, wird auch nicht gehört. Der lebt nicht.“ Das Drama der historischen Figur Maria Theresia Paradis ist es, dass sie durch einen umstrittenen Arzt (Devid Striesow) ihre Sehkraft zurückgewinnen könnte, darüber aber ihre Begabung zu verlieren droht. Das Leben jeder jungen Schauspielerin kreist um die Notwendigkeit, sichtbar zu sein.

Das Beste aus einem Moment machen

„Du musst gesehen werden“, sagt Dragus. „Das ist alles, worum es geht.“ Die Gunst des Augenblicks beinhalte zugleich den Fluch, etwaige Chancen zu nutzen. Immer sei da der Druck, das Beste aus einem Moment zu machen. Wie flüchtig Aufmerksamkeit in ihrer schnelllebigen Branche sein kann, hat die Schauspielerin am eigenen Leib erfahren. Aber Sehen und Gesehenwerden, sagt sie, „das ist überall ein Thema“, und man hätte Lust, noch länger mit ihr darüber zu reden, was das im „Zeitalter von Snapchat und Instagram, in dem die Kardashians Popukultur sind“ eigentlich alles heißt.

Aber die Zeit ist um. Ein Stückchen Schokokuchen bleibt zurück. Maria Dragus hat zum Abschied eine zweite Gabel geholt. Boah. Wirklich lecker.

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