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Oscar-Anwärter Mettelsiefen : „Hollywood muss man mit Humor nehmen“

Regisseur Marcel Mettelsiefen mit dem Deutschen Fernsehpreis: Gewinnt er auch bei den Oscars? Bild: dpa

Der Regisseur Marcel Mettelsiefen spricht im Interview über seine Flüchtlings-Doku über eine syrische Familie und seine Oscar-Chancen. Zum Schluss hat er noch einen Rat im Umgang mit Donald Trump.

          Herr Mettelsiefen, Sie sind für einen Oscar nominiert. Schon aufgeregt?

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ja, auch wenn ich kaum Zeit habe, um aufgeregt zu sein. Die vergangenen Wochen waren immens stressig. Vor viereinhalb Monaten hatte es mein Film als einer von zehn Filmen auf die Shortlist geschafft. Seither mache ich PR für den Film, um seine Chancen zu erhöhen. Das war für mich, da ich fast alles selbst produziert habe und auch die Gelder selbst besorgt habe, nicht einfach, weil ich mit Produktionsfirmen und Online-Plattformen wie Netflix und HBO konkurrieren muss, die über ein großes Netzwerk und große finanzielle Mittel verfügen. Umso erfreulicher ist es, wenn man nun trotzdem zu den letzten fünf gehört. Das macht mir Mut. Mein Film kann nicht so schlecht sein.

          Kann man sich denn in der Kategorie „Bester Dokumentar-Kurzfilm“ einfach bei den Oscars bewerben?

          Das kann man. Die Academy gibt allerdings einige Bedingungen vor. Der Film muss zum Beispiel in einem Kino in Manhattan und Los Angeles gelaufen sein, bevor er im Fernsehen zu sehen ist. Zudem muss in der „Los Angeles Times“ oder der „New York Times“ eine Anzeige geschaltet worden sein. Es gibt eine Reihe von Sachen, die man abarbeiten muss.

          Jetzt müssen Sie noch die Academy-Mitglieder für Ihren Film gewinnen.

          Genau. Denn sie sind die Juroren. Viele der mehr als 7000 Filmschaffenden haben genug mit sich zu tun. Darum greifen sie auf Nominierte zurück, die sie kennen. Oder ihnen wird ein Zettel zugesteckt, auf dem steht: Wähl’ den mal, der ist gut.

          Das klingt ernüchternd.

          Bei der Academy steckt viel Politik dahinter. Es ist ein interessanter Zirkus, den man mit Humor nehmen muss. Ich bin froh, wenn das alles vorüber ist.

          Sie waren gerade erst in Los Angeles und mit all den anderen Nominierten zum traditionellen Mittagessen eingeladen. Wer saß an Ihrem Tisch?

          An meinem Tisch saß niemand Bekanntes, aber zum Beispiel der Präsident der Gilde der Schnittmeister, Alan Heim. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat für jede Kategorie, in der Oscars vergeben werden, eine eigene Gilde. An meinem Nachbartisch mir schräg gegenüber saß immerhin Ryan Gosling, Nicole Kidman nur ein Stück weiter.

          Kommt man ins Gespräch?

          Das Nette an dem Nominees Luncheon ist, dass man sich ganz entspannt in einer illustren Runde geben kann. Und besser wird’s nicht, hat man mir versichert. Nur bei dieser Veranstaltung finden überhaupt Gespräche statt, bei der Oscar-Verleihung ist es vor allem anstrengend. Da wird viel gestanden und gewartet. Beim Essen hingegen konnte ich mit Matt Damon und Steven Spielberg reden.

          Kannte Spielberg Ihren Film?

          Szene aus Mettelsiefens Dokumentation „Watani: My Homeland“: Die Tochter von Hauptdarstellerin Hala sitzt auf einem Häuserdach. Im Hintergrund ist Aleppo zu sehen. (Foto: Marcel Mettelsiefen) Bilderstrecke

          Er hatte ihn noch nicht gesehen, und ich habe ihn gebeten, ihn mal anzuschauen. Er meinte, er versuche immer, sich alle Filme anzuschauen. Egal mit wem ich gesprochen habe, sobald die Worte „travel ban“ und „Syria“ fielen, hörte mir jeder aufmerksam zu. Das Thema ist sehr aktuell. In Hollywood gibt es ein großes politisches Bewusstsein für die Flüchtlingskrise. Das ging so weit, dass die Präsidentin der Academy, Cheryl Boone Isaacs, mir ihre Hilfe anbot. Denn die Hauptdarstellerin meines Films, Hala, hätte womöglich wegen Donald Trumps Einreiseverbot nicht zur Oscar-Verleihung kommen können.

          Hala ist Syrerin?

          Ja. Und sie kann jetzt doch kommen, weil das Verbot aufgehoben wurde.

          Worum geht es in Ihrem Film „Watani: My Homeland“?

          Er handelt von einer muslimischen Mutter und ihren Kindern, die ich über drei Jahre begleitet habe. Hala traf ich erstmals 2013, da war sie mit dem Rebellenführer Abu Ali verheiratet, der später vom „Islamischen Staat“ verschleppt und wahrscheinlich ermordet wurde. Die Mutter blieb alleine mit ihren vier Kindern Sara, Farah, Helen and Mohammed in einer Stadt zurück, die über Monate bombardiert wurde. Nach einem Jahr traf sie dann die harte Entscheidung, ihr Vaterland zu opfern, darum der Titel, und Aleppo und Syrien zu verlassen. Sie bekam politisches Asyl in Deutschland. Die Familie habe ich dann noch ein Jahr in Goslar begleitet.

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