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Weltreisender Bürgermeister : Dehääm in de Palz

  • -Aktualisiert am

In Steinfeld ist Marc Steinbrecher der King, nämlich der Bürgermeister. Trotzdem treibt es ihn in die Welt. Bild: Kaufhold, Marcus

Er traf Husni Mubarak, klingelte bei Margot Honecker und lief schon als Junge mit Helmut Kohl durch die Nachrichten: Marc Steinbrecher, Bürgermeister von Steinfeld, ist noch nicht am Ende seiner Reise.

          7 Min.

          Marc Steinbrecher ist seit einem halben Jahr Bürgermeister der südpfälzischen Gemeinde Steinfeld. Auf den ersten Blick ist das durch und durch unspektakulär: Die Südpfalz ist konservativ - und der CDU-Politiker Steinbrecher ist es mindestens genauso.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          In Steinfeld sind die Leute heimatverbunden - und auch für Steinbrecher gibt es keinen Ort auf der Welt, an dem er lieber leben würde. So sieht er auch aus, denkt man unwillkürlich: Wohlfühlfigur, keine Experimente mit dem Haupthaar, eine Brille, die nicht mehr sein will als Sehhilfe. Alles irgendwie zu alt für einen Zweiund dreißigjährigen. Und dann redet er auch noch Pälzisch.

          Wie man sich doch täuschen kann. Es fängt schon damit an, dass Steinfeld nicht irgendein Dorf ist, sondern das Dorf von Kurt Beck. Der frühere SPD-Ministerpräsident war hier von 1989 bis 1994 selbst Bürgermeister. Er hat die Gemeinde so nachhaltig geprägt, dass die CDU den ehrenamtlichen Rathausposten lange Zeit vergessen konnte. Bis eben der promovierte Historiker Marc Steinbrecher kam. Steinbrecher ist ein Tarnkappenbomber. Ein Anarchist im Geiste Franz Josef Strauß’. Ein Forrest Gump, nur in sehr intelligent.

          Eine Prophezeiung von Nelson Mandela

          Das deutete sich schon 1994 an, als er mit Mutter und Vater, beide Steuerberater, auf Rügen im Urlaub war. Die Eltern hielten gerade ihren Mittagsschlaf, als sich der Junge, schon damals Hardcore-Fan des 1. FC Kaiserslautern, im Trikot des Vereins davonschlich. Er hatte mitbekommen, dass Helmut Kohl zum Wahlkampf auf der Insel war, das wollte er sich aus irgendeinem Grund nicht entgehen lassen. Als die Eltern die Abwesenheit des Juniors bemerkten, waren sie natürlich in heller Aufregung - bis sie am Abend mit einem Auge die „Heute“-Nachrichten sahen: Da war Kohl auf Rügen, umgeben von Wahlkampfhelfern und Schaulustigen, den Arm väterlich um einen Jungen im FCK-Trikot gelegt.

          Für Parteifreundin Julia Klöckner der ödeste Ort in Rheinland-Pfalz: Steinfeld

          Der nächste große Steinbrecher-Moment kam im Jahr 1999. Als Spätfolge des Helmut-Kohl-Coups hatte er sich neben dem FCK noch ein anderes skurriles Hobby zugelegt: Autogramme von Staatspräsidenten und Regierungschefs zu sammeln. Da traf es sich, dass Nelson Mandela in Baden-Baden den Deutschen Medienpreis bekam. Ebenfalls an Ort und Stelle: Steinbrecher. Vor dem Kongresshaus fing er den Jahrhundertmenschen ab, wechselte ein paar Worte mit ihm und bekam eine Widmung in sein mitgebrachtes Buch, die den Südafrikaner ebenso ins Recht setzt wie den Steinfelder: „Best wishes to one of our future leaders. Mandela, 28.1.99“.

          Als Gäste von Mubarak nach Ägypten

          Aber es kam noch besser. Im Juli 2001 war der ägyptische Staatspräsident Mubarak in einem Nobelhotel in Baden-Baden. Zusammen mit einem Schulkameraden fuhr Steinbrecher hin. Und wen sahen sie im gelben Freizeithemd im Garten des Hotels sitzen? Ihn. Ein Gärtner war gerade mit einer Schubkarre zugange und ließ für einen Augenblick die Tür zur Anlage offen. Die beiden „Hanseln“, wie Steinbrecher sich und seinen Kumpel in der Rückschau bezeichnet, nutzten ihre Chance.

          Noch ehe das Sicherheitspersonal reagieren konnte - Steinbrecher schätzt die Entourage auf 60 Leute -, standen sie vor Mubarak. Der Präsident pfiff seine heranstürzenden Leibwächter zurück, vermutlich wegen der offensichtlichen Harmlosigkeit der beiden Besucher. Das lockere Gespräch mündete in der Frage, ob sie schon mal in Ägypten gewesen seien. Als sie verneinten, stellte Mubarak sie seinem Privatsekretär vor. Sie sollten ihm ihre Adressen und Telefonnummern hinterlassen. Als die beiden Pfälzer wenig später das Hotelareal verließen, lief ihnen Joschka Fischer über den Weg: Der damalige Außenminister hatte den Anschlusstermin beim Präsidenten.

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