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Deutscher Kolonialismus : Hamburgs dunkle Vergangenheit

Spuren der Geschichte: Vor dem Afrikahaus im Kontorviertel steht noch heute die Statue eines afrikanischen Kriegers in Lendenschurz. Bild: archiv-klar

Die Hansestadt hatte in der Geschichte des deutschen Kolonialismus eine besondere Rolle. Und spielt sie nun auch bei der Aufarbeitung.

          Die dunkle Vergangenheit ist im Hamburger Rathaus angekommen, ausgestellt auf schwarz-weißen Bildern. Der Künstler geht zwischen den Säulen des mächtigen Baus herum und erklärt seine Werke. „Unser Afrika“ heißt die Ausstellung, Marc Erwin Babej heißt der Künstler. Die Bilder hat er in Namibia aufgenommen. Sie beschäftigen sich mit dem deutschen Kolonialismus und mit seinen Verbrechen. Die Wüste eine Bühne, schöne Frauen in verwirrenden Posen, jedes Detail ein Verweis. Ein Bild zeigt, wie eine schwarze Frau eine weiße vermisst, der Blick leicht angeekelt. „Es geht mir um Irritation“, sagt Babej. „Wir beginnen erst nachzudenken, wenn etwas irritiert.“ Während der Künstler die Aufstellung erklärt, sprechen ihn Besucher des Rathauses an. Sie sagen, wie toll sie seine Bilder finden. Und wie schlimm es sei, was damals passiert ist, „das kann ja keiner leugnen“. Babej sagt, er versuche „historisch fundierte politische Kunst“ zu machen. Da sei es ihm wichtig, dass der Ort der Ausstellung einen Bezug zu dem Thema habe. Authentisch und symbolisch zugleich: das Hamburger Rathaus.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Tatsächlich hat Hamburg in der Geschichte des deutschen Kolonialismus eine ganz besondere Rolle eingenommen – und die Stadt tut es nun auch in der Beschäftigung damit. Schon 2014 hat der Senat beschlossen, das koloniale Erbe der Hansestadt aufzuarbeiten, die Forderung kam einstimmig aus der Bürgerschaft. Es sollte ein „Neustart in der Erinnerungskultur“ werden. Dieser macht sich nun langsam bemerkbar, die Fotoausstellung im Rathaus ist nur ein kleines Puzzleteil. Doch nicht immer geht alles ganz reibungslos voran.

          „Wir sind auf verschiedenen Ebenen auf dem Weg“, sagt Kultursenator Carsten Brosda von der SPD, „auch wenn noch nicht klar ist, wo wir ankommen werden.“ Brosda ist mit seiner Behörde federführend verantwortlich für die Aufarbeitung. Er sagt: „Es hätte aber keinen Sinn gehabt, weiter stehen zu bleiben, bis wir das wissen.“ Und: „Mit dem jetzt begonnenen offenen Prozess haben wir schon viel mehr erreicht, als an anderen Orten passiert.“

          „Es geht um Irritation“, sagt Künstler Marc Erwin Babej zu seinen Fotos für die Ausstellung „Unser Afrika“ in Hamburg.

          Man muss nicht lange suchen, um Spuren des Kolonialismus in der Hansestadt zu finden. Man muss sie nur erkennen. Ob bei Straßennamen, die an Männer aus der Zeit erinnern, Denkmälern oder auch Häuser und Museen, deren Entstehung kaum zu trennen sind von den gut drei Jahrzehnten des deutschen Kolonialismus in Afrika: das Hauptgebäude der Universität etwa, in dem einst auch das Kolonialinstitut saß, oder das Afrikahaus mitten im Kontorhausviertel, das noch immer von der Figur eines afrikanischen Kriegers in Lendenschurz bewacht wird.

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