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Sanitäter aus Eppstein : „Beschimpfungen sind im Rettungsdienst Alltag“

Der Sanitäter befand sich im Rettungswagen, als ein Passant sein Notarzteinsatzfahrzeug kurzerhand umparkte (Symbolbild). Bild: dpa

In Eppstein hat ein Mann einen Notarztwagen umgeparkt – weil dieser sein eigenes Auto zuparkte. Als Sanitäter Florian Peiberg ihn ansprach, wurde er aggressiv. Beschimpft zu werden ist für ihn inzwischen normal, erzählt Peiberg im Interview.

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          Herr Peiberg, am Freitagabend hat ein Mann in Eppstein Ihren Rettungswagen umgeparkt. Was ist da genau passiert?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Das war kein Rettungswagen, sondern das Notarzteinsatzfahrzeug, NEF. Wir wurden vom Rettungswagen als Verstärkung dazu gerufen und kamen gegen 18.30 Uhr an der Einsatzstelle an. Wir haben unser Auto vor dem Rettungswagen geparkt, dadurch haben wir zwei Pkws zugeparkt. Und da kam dann auch der Passant, der ausfällig wurde.

          Was genau hat der Passant gemacht?

          Ich war im Rettungswagen und habe beim Behandeln geholfen. Dann habe ich durchs Fenster gesehen, dass sich draußen irgendwas tut, die Lichtverhältnisse haben sich geändert. Ich hab dann die Tür aufgemacht und gesehen, wie der Mann erst unseren Wagen umgeparkt hat und dann mit seinem Auto rückwärts ausgeparkt ist.

          Dann haben Sie ihn angesprochen?

          Genau, ich bin raus aus dem Rettungswagen und habe den Mann angesprochen. Der ist sofort aus seinem Auto gesprungen und ist sofort ganz wild und tobend geworden. Er ist ganz dicht an mich ran, hat mich provoziert. Ich habe ihm dreimal sagen müssen, dass er das bitte sein lassen soll, aber er hat das überhaupt nicht verstanden. Ich bin dann zum Auto und habe die Polizei verständigt. Zu keiner Zeit habe ich mich aber verschanzen müssen, wie viele Medien geschrieben haben. Ich war vorher im Rettungswagen, weil ich geholfen habe.

          Und hat die Polizei ihn dann erwischt?

          Ja, nicht sofort. Er ist abgehauen, während ich die Polizei rief. Aber ich hatte das Kennzeichen notiert, und die Polizei hat ihn dann zu Hause angetroffen. Es gab auch eine Zeugin, die die Auseinandersetzung mitbekommen hat.

          Warum war der Mann so aggressiv?

          Also betrunken war er nicht. Er war so um die 45 Jahre alt, würde ich sagen. Ich weiß es nicht. Der ist so einen Rover gefahren, so eine Limousine. Vielleicht war er einfach auf Streit aus. Er war grundlos aggressiv.

          Ist das üblich, dass man in so einer Situation den Schlüssel stecken lässt?

          Genau, das Fahrzeug hat leider keine Motorweiterlaufschaltung. Und ich habe ja unmittelbar neben dem Rettungswagen geparkt. Ich habe den Motor laufen lassen, um die Geräte weiter mit Strom zu versorgen und die Medikamente nicht auskühlen zu lassen, es war recht kalt.

          Handelte es sich bei dem Einsatz um einen Notfall?

          Ja, das war ein medizinischer Notfall. Wir wurden vom Rettungswagen praktisch nachalarmiert, um auszuhelfen.

          Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Passanten oder Anwohner aggressiv wurden?

          Ja, man hört das immer wieder. Wenn der Rettungswagen im Weg steht, dann werden die Leute schon ausfallend. Die tun es oft lautstark kund, dass doch der Wagen weggefahren werden soll. Allerdings habe ich noch nie diese Dreistigkeit erlebt, dass jemand sich ins Auto reinsetzt und es einfach umparkt. Beschimpfungen sind für uns mittlerweile Alltag. Wenn man die Straße zustellt, pöbeln die Leute und hupen, das ist im Rettungsdienst inzwischen normal. Ich habe da gar kein Verständnis für, das ist nun mal eine Situation, in der es nicht anders geht. Ich kann mir in Notfällen ja nicht erst einen Parkplatz suchen.

          Florian Peiberg, 33, ist Rettungssanitäter beim ASB Niedernhausen.

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