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Schriesheim feiert Malle-Party : Wie heißt die Mutter von Niki Lauda?

  • -Aktualisiert am

„Sankt Mathais bricht’s Eis“: Mallorcaparty in Schriesheim Bild: Bernhard Kreutzer

Der Mallorca-Wanderzirkus macht Halt in einer Kleinstadt. Wie Jugendliche im Provinz-Festzelt feiern.

          Zwei Mädchen sitzen zu zweit auf zwei Mädchen auf einer Viererbank – wie viele Mädchen sind es? Sechs natürlich. Sie reden über die Schule, aber nicht über Textaufgaben, sondern dass sie all das bald hinter sich haben. Sie sind wohl sechzehn Jahre alt, Realschülerinnen, und sie flechten einander Zöpfe. „Das sieht erotisch aus“, sagt eine, die flicht. Die überfüllte Straßenbahn kommt mit einem Ruck zum Stehen, alle werden nochmal durchgeschüttelt. Draußen geht es Richtung Marktplatz, dorthin, wo die Musik dröhnt. Das Riesenrad leuchtet. Für Dirndl ist es noch zu kalt. Einige Jungs haben Sepplmützen auf dem Kopf, sie tragen Schlabberpullis. Einer schleppt eine Sexpuppe mit sich herum, fleischfarben, mit runden, grundlosen Löchern in Plastikkopf und Plastikpi und Plastikpo.

          Gerade läuft die Après-Ski-Saison aus, davor vergingen Weihnachtsmärkte, der Cannstatter Wasen, Oktoberfest; jetzt kommen die Frühlingsfeste. Das erste Volksfest der Saison ist der Mathaisemarkt in Schriesheim, an der Bergstraße bei Heidelberg. Das Fest ist dem heiligen Matthias gewidmet, der Judas als einen der zwölf Apostel ersetzte. Immerhin 200.000 Besucher hat das Fest über die Woche im März. Von Festumzug über Talentwettbewerb bis Modenschau wird hier alles geboten, was eine charmante Kleinstadt aufbringen kann. „Sankt Mathais bricht’s Eis“, sagt man hier.

          An den Ständen versorgen sich die Jugendlichen noch mit Grillhähnchen, Bratwurst und Nackensteaks. Am Schießstand können Jungs für Mädels Plastikrosen ergattern. Daneben ist ein Stand, der bis obenauf mit rosa Plüscheinhörnern und grünen Krokodilen vollgestopft ist. Es gibt Wein, Crépes, Fahrgeschäfte, Zuckerwatte, Mandeln. Dann aber zügig in Richtung Festzelt. Der Ballermann kommt nur an diesem einen Dienstag in die kurpfälzische Provinz.

          Die Hände zum Himmel: Immerhin 200.000 Besucher hat das Fest über die Woche im März.

          Rein kommt man durch die Personenkontrolle. Ticket vorzeigen, Stempel auf den Unterarm, und los geht’s. Ausweise und das Alter werden nicht kontrolliert. Es ist erst abends acht, doch der Zeltboden bebt schon. Heidelberger und Mannheimer Studenten sind hier, viele sogar. Dazwischen immer wieder Jugendliche in Gruppen, kaum älter als fünfzehn, sechzehn. Mädchen in kurzen T-Shirts, Lederjacken drüber. Jungs in Karohemden. Im Zelt ist es viel wärmer als draußen. Alle stehen auf den Biertischen, werfen die Arme in die Luft, singen laut. Nach hinten hin werden die Reihen leerer, dort stehen Frauen und Männer um die vierzig oder fünfzig, Bierkrüge in der Hand, und blicken wohlwollend auf die Jugend da vorne.

          Sie wollen Party bis zum Morgen

          Die erste große Nummer des Abends ist Almklausi. Braun gebranntes Gesicht, die Haare hat er akkurat zur Seite gegelt. Seine Lieder werden regelmäßig in die „Ballermann Hits“ aufgenommen. Auf der Bühne ist er eine Stimmungskanone, läuft den Steg in die Menschenmenge auf und ab, lässt Selfies mit sich machen. Sein Hit kommt an: „Wie heißt die Mutter von Niki Lauda?“ Die Menge jubelt: „Mama Laudaaa, Mama Laudaaa.“ Das Lied geht weiter: „Wir wollen Party bis zum Morgen, mit Frauen und Alkohol, mit Bunga Bunga, Besenkammer. Ein Glück sind wir wieder voll!“ Jungs grölen begeistert mit. Ein paar weitere Hits von Almklausi, dann als Zugabe noch mal „Niki Lauda“.

          Isi Glück ist die nächste Nummer. Sie war mal Miss Germany, jetzt singt sie im Megapark auf Mallorca – und heute in Schriesheim. Blond, äußerst kurze Jeanshose, breiter Ausschnitt, bauchfrei. Sie turnt über die Bühne, singt „Hände hoch Malle“. Einige können den Blick kaum abwenden. Junge Mädchen in der vorderen Reihe knoten sich auch das T-Shirt hoch. Dann singt Isi „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, Nena hat Stil.

          Nach Isi kommt eine kurze Pause. Draußen, in der Schlange vor dem Langos-Stand, steht Eva. Sie kennt sich mit Partys aus, studiert in Mannheim Eventmanagement. In Österreich hat sie mal in einer Après-Ski-Bar gearbeitet. „In Ischgl sind die Besucher zu 90 Prozent Männer.“ Hier sind etwa gleich viele Jungs und Mädchen. Über die Musik sagt Eva: „Man muss schon betrunken sein, um sich das anzuhören.“

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