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Nachgeholter Rosenmontag : Mainz feiert das ganze Jahr in einem Umzug

Bissig: In Mainz lässt sich der türkische Präsident Erdogan von Europa die Füße küssen Bild: dpa

Drei Monate nach dem ausgefallenen Rosenmontagszug holt Mainz mit 100.000 Menschen die „Fassenacht“ nach – und feiert dabei „200 Jahre Rheinhessen“ und diverse andere Feste. Doch eine Sache ärgert besonders ältere Fans.

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          Verkehrte Welt: Schon dass die quietschgelbe Zugen(d)te, die beim Mainzer Rosenmontagszug traditionell hinterher fährt, am Sonntag ausnahmsweise an der Spitze der Formation zu finden war, ist nicht normal gewesen. Ein Blick in den Jahreskalender und ein weiterer auf die nächstbeste Wetterstation dürften ein Übriges dazu beigetragen haben, dass bei den mehr als 100.000 Zuschauern am Wegesrand wohl kaum noch Erinnerungen an die drei Monate zuvor von Sturmtief „Ruzika“ hinweggeblasene Fastnacht aufkamen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Auch wenn mitten im Mai, genauer gesagt: am Muttertag, die Mainzer ihre am verwehten Rosenmontag nicht zu zeigenden Motivwagen aus den Abstellhallen geholt hatten und die Musikkapellen nach Kräften Ohrwürmer wie „Ritzamba, Ritzamba, morsche fängt die Fassenacht a“ intonierten. Den Schaulustigen, von denen vielleicht ein Viertel verkleidet gekommen war, schien es eher so, als feiere Mainz an einem einzigem Nachmittag alle Feste des ganzen Jahres: also Muttertag und Motivwagenschau, verbunden mit ein wenig Johannisnacht und etlichen Junggesellen-Abschieden, in Kombination mit Weinfesten und, da doch überproportional viele Engel auf den Straßen unterwegs waren, nicht zuletzt sogar ein bisschen Weihnachten.

          „Das feierfreudigste Volk der Welt“

          Von einem „einmaligen Erlebnis“ sprach denn auch der Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), der um die Mittagszeit auf dem Domplatz vorbeischaute, um „das feierfreudigste Volk der Welt“ schon Mal auf das Kommende einzustimmen. Es sei ein Festumzug zu dem in diesem Jahr zu begehenden Jubiläum „200 Jahre Rheinhessen“ – und eben kein nachgeholter oder verrutschter Rosenmontagszug.

          Sonne statt Nieselregen: Sollte Fastnacht nicht immer im Mai stattfinden? Bilderstrecke

          Die zuvor heftig besprochene Frage nach dem zum Anlass passenden Schlachtruf hatte Richard Wagner, der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) von 1838, schon vor dem Startschuss – und zumindest für sich – klar beantwortet: „Helau, was denn sonst“, sagte der Fastnachter, der mit einigen Mitstreitern am Sonntag die Zeit gefunden hatte, noch kurz im „ZDF-Fernsehgarten“ auf dem Mainzer Lerchenberg vorbeizuschauen und für das als „Land der 1000 Hügel“ bekannte Rheinhessen zu werben. Dass der Mai-Umzug – im Gegensatz zu den Rosenmontagsveranstaltungen – nicht im Fernsehen zu sehen war, habe gerade ältere Anhänger der „Meenzer Fassenacht“ durchaus verärgert, sagte Markus Perabo von der MCV-Zugleitung am Sonntag im Gespräch mit der F.A.Z.

          Wer dagegen in die Innenstadt gekommen war, erlebte von 15 Uhr an ein gut zweieinhalb Stunden dauerndes Schaulaufen, an dem sich laut den Organisatoren „2222 Mitmarschierer“ – darunter auch ein Festwagen des 111 Jahre alten FSV Mainz 05 – beteiligt haben sollen. Ganz am Ende kam dann noch eine zweite „Zugen(d)te“ ins Spiel: Ein schwarz gelber Citröen 2 CV hatte seinen großen Auftritt und durfte als Allerletzter von allen den Schlusspunkt setzen. Auch das war wohl eine einmalige Sache.

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