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Die Frau an Prinz Harrys Seite : Wer ist Meghan Markle?

Stellen sich den Fotografen: Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle im Kensington Palast Bild: AFP

Harrys Freundinnen waren immer von der Klatschpresse verfolgt. Bei der Schauspielerin Meghan Markle verschärfte sich der Ton noch – nicht nur wegen ihrer Herkunft, sondern weil sie eine ungewöhnlich starke Frau ist.

          Nun sind die Spekulationen vorbei: Prinz Harry wird Meghan Markle im Frühjahr 2018 heiraten. Das bestätigte am Montag das britische Königshaus in einer offiziellen Mitteilung. Und da heutzutage nicht nur der amerikanische Präsident vorwiegend über Twitter kommuniziert, sondern auch die britische Königsfamilie, war kurz darauf auf dem Kurznachrichtendienst zu lesen: „Die Königin und der Duke of Edinburgh freuen sich für das Paar und wünschen ihm alles Gute.“ Und auch Prinz William und Kate äußerten ihre Freude über die Verlobung und dass es „wunderbar war, Meghan kennenzulernen und zu sehen, wie glücklich sie und Harry zusammen sind“. Viel Freude im Königshaus also, wer aber ist die Frau, die Harry vor den Traualtar führen möchte?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die 36 Jahre alte Meghan Markle ist in Los Angeles aufgewachsen. Ihre Mutter ist Yogalehrerin, ihr Vater in der Filmbranche tätig. Er war früher Beleuchter der Erfolgsserie „Eine schrecklich nette Familie“. Die Eltern ließen sich scheiden, als die Tochter sechs Jahre alt war, zogen sie jedoch beide mit viel Liebe auf. In einem Essay für das Frauenmagazin Elle schrieb sie 2016 über ihre Herkunft: „Mein Vater ist weiß und meine Mutter Afroamerikanerin. Ich bin also halb schwarz und halb weiß.“ Ihre Hautfarbe sei immer ein Thema für sie gewesen, doch ihre Eltern hätten um sie herum „eine Welt aufgebaut, die mir vermittelte, dass ich nicht 'anders' war, sondern etwas Besonderes.“

          Neben Schauspielkarriere für Frauenrechte engagiert

          Trotz zeitweiliger finanzieller Schwierigkeiten schafften es die Eltern, ihre Tochter auf eine katholische Privatschule zu schicken. Markle interessierte sich sowohl für Schauspiel als auch für internationale Politik und studierte Theaterwissenschaften und Internationale Beziehungen. Nach dem Uniabschluss ging sie zunächst ihrer Leidenschaft für Politik nach und arbeitete während eines mehrmonatigen Praktikums in der amerikanischen Botschaft im argentinischen Buenos Aires. Dann folgte der Einstieg ins Filmgeschäft: 2002 hatte sie ihr Fernsehdebüt in der amerikanischen Ärzteserie „General Hospital“, es folgten kleinere Nebenrollen in Serien und romantischen Komödien – und schließlich 2011 der Durchbruch mit der Anwaltsserie „Suits“, in der sie die toughe und hilfsbereite Anwaltsgehilfin Rachel Zane spielt. Eine Rolle, die ihrem Wesen nicht unähnlich zu sein scheint, denn neben der Schauspielkarriere engagiert sich Markle für Hilfsprojekte und Frauenrechte. Zur amerikanischen Präsidentenwahl stellte sie in einem Interview klar, dass sie auf keinen Fall für den „misogynen Trump“ stimmen würde. Und auf ihrem Lifestyleblog „The Tig“ schrieb sie unter anderem über Probleme mit Alltagsrassismus.

          Das dürfte ihr auch geholfen haben, die Attacken der Presse in den ersten Monaten ihrer Beziehung zu Prinz Harry zu ertragen. Das Paar hatte sich im Sommer des vergangenen Jahres kennengelernt. Es folgten Besuche des Prinzen in Kanada und am Set von „Suits“ und Besuche der Schauspielerin in London, die sie auf ihrem Instagram-Account dokumentierte. Von Dating war da noch keine Rede, die Klatschpresse bekam trotzdem von den Treffen Wind. Die Reporter wühlten daraufhin die Privatsphäre der Schauspielerin so heftig auf, dass sich Prinz Harry persönlich im November 2016 gezwungen sah, ein Statement abzugeben, in dem er die Angriffe auf seine Freundin aufs Schärfste verurteilte. Von Schmutzkampagnen war da die Rede, von rassistischen und sexistischen Kommentaren und vom Eingriff der Presse in die Privatsphäre von Meghan Markle und ihrer Familie. Einmal musste demnach sogar die Polizei anrücken, um Reporter am illegalen Betreten der Wohnung zu hindern. Er sei tief enttäuscht, hieß es in der Mitteilung, dass er nicht in der Lage gewesen sei, sie vor diesem Ansturm zu schützen. „Kommentatoren werden sagen, dass das der 'Preis ist, den sie dafür zahlen muss' und dass dies 'Teil des Spiels' sei. Er weist das entschieden zurück. Für ihn ist es kein Spiel, sondern das Leben – ihres und seines.“  

          Besonders die letzte Zeile zeigte deutlich, wohin die Beziehung für Harry steuerte. Dass seine Freundin bereits einmal verheiratet war, störte den Prinzen nicht. Die Zeiten, als König Eduard VII. 1936 wegen seiner Liebe zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson abdanken musste, sind vorbei. Im September zeigte sich das Paar zum ersten Mal ganz offiziell bei den Invictus Games in Toronto, einem Wettkampf für Kriegsversehrte. Dort gingen Meghan und Harry Händchen haltend an den Reportern vorbei. Im Oktober zierte Meghan Markle dann das Cover der amerikanischen Vanity Fair und sprach im Interview über ihre Beziehung zu Prinz Harry: „Wir sind ein Paar und wir sind verliebt.“

          Soll wohl heißen: Sie ist nun weniger die politisch engagierte Schauspielerin, als vielmehr die Freundin des Prinzen. Ihren Blog hat sie schon eingestellt. Und auch aus „Suits“ steigt sie aus, der Vertrag ist schon gekündigt. Frischen Wind bringt sie trotzdem ins Königshaus.

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