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Mit dem Kopf durch die Wand: Magdalena Messner und ihr Vater auf Schloss Juval in Südtirol. Bild: UDO BERNHART/BLV BUCHVERLAG

Vater und Tochter : Magdalena Messner führt das Werk ihres Vaters weiter

Reinhold Messner ist zum bekanntesten Abenteurer unserer Zeit aufgestiegen. Wie ist es, seine Tochter zu sein? Eine Begegnung.

          9 Min.

          Magdalena Messner: Mein Vater lässt sich nicht einordnen, nie ganz erfassen. Das wurde mir zum ersten Mal im Kindergarten bewusst: Wir sollten uns vorstellen und dabei der Gruppe erklären, welche Berufe unsere Väter ausübten. Bäcker, Bankangestellter, Architekt, alles war dabei. Als ich an die Reihe kam, sagte ich ganz selbstverständlich: „Mein Papa ist Abenteurer, der war bei den Pinguinen“, da er kürzlich am Südpol war. Lautes Gelächter. Also versuchte ich es erneut: „Gerade reitet er auf Kamelen durch die Wüste“, da er auf Gobi-Expedition war. Doch auch das akzeptierten sie nicht: „Du lügst, das ist doch kein Beruf!“ Warum nicht? Ich war ratlos, fühlte mich in die Enge getrieben. Also überlegte ich mir eine andere Taktik, um die anderen endlich mundtot zu machen: „Und er kauft jeden Tag ein neues Haus!“ – damals hatten meine Eltern die Wohnung in Meran und den Bauernhof in Sulden erworben. Am Ende des Tages nahm die Kindergartentante meine Mutter beiseite und meinte, sie solle doch mal mit mir sprechen, ich hätte eine etwas zu lebhafte Fantasie.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Magdalena Messner lacht, wenn sie an den Tag im Kindergarten denkt. „Später wurde es einfacher“, sagt sie. „Als man als Kind mehr Einblick bekam, was für die meisten Menschen normal ist, wie das Leben für andere aussieht. Und wie das, was nicht in die normale Schublade passt, vielen gleich ein bisschen suspekt ist.“ Magdalena Messner hat sich früh daran gewöhnt, dass ihr Familienleben nicht in gängige Schubladen passt. Und dass es auf einfache Fragen wie nach dem Beruf des Vaters oft keine einfachen Antworten gab. „Ich konnte damit aber immer gut umgehen, weil ich wusste: Okay, hab' ich Lust auf eine Diskussion, bin ich offener. Hab' ich keine, sage ich: Er ist Autor. Fertig.“ Schließlich hat Reinhold Messner mehr als 50 Bücher geschrieben.

          Aber er ist eben noch viel mehr: der bekannteste Bergsteiger und Abenteurer unserer Zeit, der immer wieder Extreme ausgelotet hat, in Fels und Eis, auf Bergen und an Polen, in Grönland und in der Wüste Gobi. Er bestieg als erster den höchsten Berg der Welt ohne künstlichen Sauerstoff, er stand als erster auf allen 14 Achttausender-Gipfeln der Welt. Er ist ein Grenzgänger, für den es nie Grenzen zu geben schien im Leben. Auch wenn das natürlich Unfug ist. Reinhold Messner hat seine Grenzen sehr wohl erkannt, er hat auch viele gescheiterte Expeditionen hinter sich - und wohl nur dank der Fähigkeit, dieses Scheitern zu erkennen, all seine grenzwertigen Abenteuer überlebt. Doch Messner hat sich seine Grenzen nie von anderen diktieren lassen. Ist er von einem Projekt überzeugt, verfolgt er es mit aller Kraft, gegen alle Widerstände, bis heute - sei es die Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffflaschen 1978 mit Peter Habeler oder der Aufbau des Messner Mountain Museums mit seinen inzwischen sechs Standorten.

          Die Konsequenz und die Kompromisslosigkeit führten häufig zu Konflikten und Kontroversen. Messner ist für viele eine Reizfigur, zahlreiche Kritiker arbeiteten sich an ihm ab, hielten ihm Egoismus, Narzissmus, Rechthaberei vor. Und trotzdem ist er auch mit 73 Jahren eine, wenn nicht die Autorität in Sachen Alpinismus und Extremerfahrungen. Messner ist zu einer fast überlebensgroßen Figur geworden, als Bergsteiger, Publizist, Politiker, Schlossherr, Museumsgründer, Filmregisseur. Wie aber ist es, diese kontroverse Figur aus der Nähe zu erleben? Wie ist es, wenn diese Figur der eigene Vater ist?

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