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Freundin von Peter Maffay : „Strandfotos verletzen die Privatsphäre“

Sänger Peter Maffay spielt bei der Generalprobe in der Sparkassen-Arena in Kiel. Bild: dpa

Der Bauer-Verlag hat Paparazzi-Fotos veröffentlicht, die Musiker Peter Maffay und seine Freundin knapp bekleidet an einem Strand zeigen. Die Lebensgefährtin klagte dagegen – und soll jetzt entschädigt werden.

          Sind Bikini-Bilder Ausdruck einer „ganz normalen Strandsituation“ oder ein „unerträglicher Eingriff“ in die Privatsphäre, der mit einer Geldentschädigung gesühnt werden muss? Darüber musste am Dienstag der Pressesenat des Oberlandesgericht München in einer Berufungsverhandlung entscheiden. Die Lebensgefährtin des Sängers Peter Maffay hatte zuvor schon vor dem Landgericht München gegen den Bauer-Verlag auf Entschädigung und Unterlassung geklagt: Die Zeitschrift „People“ hatte im Januar 2016 Bilder von ihr und dem Sänger in Badebekleidung am Strand veröffentlicht. Zudem wurden im März 2016 in „People“ und in „Das neue Blatt“ Artikel über sie veröffentlicht, in denen ihr ehemaliger Freund zitiert und ein Urlaubsfoto der beiden gezeigt wurde.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Durch die Abbildungen am Strand sei in „schwerer und unerträglicher Weise in ihre Persönlichkeitsrechte“ eingegriffen worden, argumentierte die Klägerin. Es handele sich um „Paparazzi-Fotos“. Eine Geldentschädigung in Höhe von mindestens 25.000 Euro sei angemessen. Der Verlag hingegen hatte damals nach Angaben des Oberlandesgerichts zwar nach Aufforderung eine Unterlassungserklärung abgegeben, eine Entschädigung aber verweigert: Bei dem Urlaub mit dem Sänger habe es sich um eine „normale Strandsituation“ an einem „belebten Strand“ gehandelt.

          Die Bilder stellten keinen so schweren Eingriff in die Privatsphäre dar, dass dies nur mit einer Geldentschädigung „gesühnt“ werden könne. Zudem habe sich der Sänger wiederholt über sein Privatleben öffentlich geäußert, deshalb seien die Strandfotos gerechtfertigt. Vor diesem Hintergrund sei auch der Artikel, in dem sich der ehemalige Freund der Klägerin äußere, nicht zu beanstanden. Schließlich habe auch Maffay sich schon zur Beendigung früherer Beziehungen geäußert. Für die Fotos hingegen hatte der Verlag eine Unterlassungserklärung abgegeben.

          Das Landgericht hatte schließlich im Mai 2017 entschieden, dass die Strandfotos die Persönlichkeitsrechte der Klägerin verletzt hätten: Die Lebensgefährtin müsse in ihrem „privaten Bereich“ eine Berichterstattung nicht hinnehmen. Auch das öffentliche Interesse an dem Sänger rechtfertige das nicht. Doch die Verletzung sei nicht so erheblich, dass dies eine Geldentschädigung rechtfertige. Die „Rechtsverletzung“ kann demnach durch die erfolgten Unterlassungserklärungen ausgeglichen werden. Beide Parteien gingen daraufhin in Berufung.

          Das Oberlandesgericht sah es nun anders. Am Dienstag einigten sich die Parteien nach einem entsprechenden Hinweis des Gerichts auf einen Vergleich: Der Verlag zahlt der Lebensgefährtin 12.000 Euro und Rechtsanwaltskosten in Höhe von 2000 Euro. Zudem wurde das Urteil des Landgerichts in einem wesentlichen Punkt bestätigt: Die Klägerin hatte Erfolg mit ihren weiteren Unterlassungsanträgen. Auch die Artikel, in denen es um ihre ehemalige Beziehung geht, verletzen demnach ihre Persönlichkeitsrechte. Eine „öffentliche Erörterung ihrer früheren Beziehung“ müsse sie nicht hinnehmen. Eine Veröffentlichung der Artikel wurde dem Verlag somit untersagt.

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