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Märtha Louise und Ari Behn : Traurig wie die Hölle

Es war einmal: Prinzessin Märtha Louise von Norwegen und ihr Mann Ari Behn bei der Hochzeit von Victoria von Schweden 2010. Bild: dpa

Sie eine Esoterikerin, er mal Rowdy, mal Dandy: Mit der Trennung von Norwegens Prinzessin Märtha Louise und ihrem Mann Ari Behn verliert die Boulveardpresse ein Paar mit Unterhaltungswert.

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          Zwei Wochen lang hat sich Ari Behn, das Enfant terrible der norwegischen Königsfamilie, im Zaum gehalten. Schließlich hatte Prinzessin Märtha Louise, die ihn vor 14 Jahren geheiratet hatte, Presse und Öffentlichkeit ausdrücklich um eine Ruhepause für ihn, sich selbst und die drei gemeinsamen Töchter gebeten, als sie Anfang des Monats bekanntgab, dass ihre Ehe mit dem Schriftsteller und Berufsprominenten keinen Bestand mehr hat.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt aber hat sich Ari Behn, der bald 44 Jahre alt wird, so zurückgemeldet, wie es die Norweger von ihm gewohnt sind: gehörig verschwurbelt, machohaft großmäulig, hemmungslos selbstverliebt, irgendwie aber doch sympathisch. In sein digitales Fotoalbum auf Instagram stellte Behn ein Selfie, das ihn breit grinsend im Jogginganzug zeigt, dazu auf Englisch die Zeilen: „Ein neuer Tag wartet auf mich. Ein unbekannter Wald, ein neues Terrain, das es zu erobern gilt. Und dann komme ich zurück und werde dich für immer lieben.“

          Reichlich Stoff für die Illustrierten im Land der Fjorde, um über das Ende einer Beziehung zu spekulieren, für die alle Freunde des Boulevards den beiden auf ewig dankbar sein müssen. Nicht, dass es das Königshaus (für Genealogen: die Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg) in Liebesdingen sonst an Unterhaltungswert mangeln ließe - schon König Harald hat sich seinerzeit die Ehe mit der Kaufmannstochter Sonja erstritten, und Kronprinz Haakons Braut Mette- Marit brachte sogar einen Sohn aus einer früheren Beziehung mit in die Familie.

          Eine Prinzessin mit Hang zur Esoterik

          Aber die Verbindung von Märtha Louise, der Erstgeborenen, die in der Thronfolge aber hinter ihrem jüngeren Bruder zurückstehen muss, mit Ari Behn war in dieser Hinsicht vom ersten Tag an das reinste Paradies. Statt gebratener Tauben gab es Sensationen an jeder Ecke: Die Prinzessin, von der aus jungen Jahren Affären unter anderen mit einem Großbürgersohn, einem philosophierenden Studenten und ihrem Reitlehrer aktenkundig sind, und der begnadete Selbstdarsteller Ari Behn spielten als Paar in ihrer eigenen Klasse.

          Ihren eigenen Kopf hatte Märtha Louise schon vorher bewiesen. Bemerkenswert war schon, dass sie sich als Physiotherapeutin in den Niederlanden ausbilden ließ. Dann aber kam der Knüller, die im Frühjahr 2001 begonnene Romanze mit dem Mann, der kurz zuvor mit seinem Debüt „Trist som faen“ (eine Sammlung von Erzählungen, zu Deutsch eigentlich „Traurig wie die Hölle“, als Übersetzung aber unter dem irreführenden Titel „Von mir ist die Rede“ erschienen) zum Shooting-Star der Osloer Literaturszene geworden war - und sich in dieser Rolle sehr gefiel.

          Die beiden feierten eine Traumhochzeit im Dom von Trondheim, lebten eine Weile in London, zogen dann im Westen von Oslo aufs Land. Märtha Louise brachte die Töchter Maud Angelica, Leah Isadora und Emma Tallulah zur Welt. Aber Spießbürger wurden sie darüber nicht, und um noble Unauffälligkeit bemühten sie sich erst recht nicht. Es wäre eine Untertreibung, ihr Berufsleben schillernd zu nennen. Märtha Louise, ein Jahr älter als Behn, begann eine Karriere als Geistheilerin, gründete dafür eigens das esoterische Zentrum Astarte Education, im Volksmund als „Engelschule“ bekannt. Deren Methoden sind auch in Norwegen nicht mehrheitsfähig. Die Prinzessin verzichtete konsequenterweise auf ihre Apanage, um sich ganz dem spirituellen Geschäft zu widmen. Viele Norweger mögen sie trotzdem, auch weil sie früher als Märchenerzählerin im Kinderprogramm des Fernsehens aufgetreten ist.

          Ari Behn – eine Mischung aus Stuckrad-Barre und Bohlen

          Ari Behn versuchte sich derweil, mit tadellosem Talent für Selbstinszenierung, einem telegenen Äußeren und wachsender Stilsicherheit gesegnet, als Sänger und Fernsehmoderator, als Theaterschauspieler und Maler, nahm Aufträge als Journalist an und tauchte regelmäßig gut gelaunt auf Galas und Empfängen auf, ein unentbehrlicher Bestandteil der Osloer Schickeria. Es gibt in Norwegen viele, die ihn deshalb für einen Hallodri halten; andere rechnen ihm hoch an, er sei die belebende Gegenthese zur berüchtigten Gleichmacherei des skandinavischen Wohlfahrtsstaats. Der Versuch, Behns gesellschaftliche Funktion in deutsche Verhältnisse zu übersetzen, muss jedoch zwangsläufig scheitern: Als Autor ist er eine Art Stuckrad-Barre, als Berufspromi eher Dieter Bohlen - aber keiner von ihnen war je mit einer Prinzessin verheiratet und saß mit einem König unterm Weihnachtsbaum.

          Rowdy oder Dandy, Provokateur oder Charmeur der Nation - zwischen diesen beiden Polen will Behn, Sohn zweier Waldorflehrer, sich offensichtlich bis heute nicht entscheiden. Drei von vielen Szenen, die sich eingebrannt haben als Beispiele seiner Cowboy-Mentalität: Von einer in Norwegen populären Skilangläuferin schwärmt er inbrünstig, genau so habe Gott einst die Frau geschaffen. In einem Interview erzählt er freimütig von seinen Alkoholexzessen und wie er sie überwunden zu haben glaubt. Und dem Journalisten, der König Harald und Königin Sonja in einem Artikel vor ihrem „Schwiegersohn aus der Hölle“ gewarnt hat, bringt er einen Fehdehandschuh in die Redaktion und fordert ihn zum Duell auf. Nebenher veröffentlicht er drei Romane und eine weitere Sammlung von Kurzgeschichten. Nicht alle sind Meisterwerke, aber es werden jedes Jahr auch viele weit schlechtere Bücher gedruckt.

          Jammerschade also, dass die unterhaltsame norwegische Königsfamilie künftig einen Unterhaltungsprofi weniger in ihren Reihen hat. „Wir sind, wie so viele, auseinander gewachsen. Wir beenden unsere Ehe, aber wir setzen unsere gemeinsame Elternschaft fort“, heißt es im Kommuniqué der Prinzessin. Wie es jetzt weitergeht, steht für Märtha Louise schon fest: Nächster großer Auftritt ist das königliche Gartenfest im Schlosspark von Oslo am kommenden Donnerstag. Bei Ari Behn dagegen kann man nie wissen.

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