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Politikerinnen-Gatten : Die Männer an ihrer Seite

Lieber im Schatten: Helmut Karrenbauer mit seiner Frau Annegret Kramp-Karrenbauer.
Lieber im Schatten: Helmut Karrenbauer mit seiner Frau Annegret Kramp-Karrenbauer. : Bild: Imago

Ein Mann kein Wort

Wer ist dieser Helmut Karrenbauer, über den wir hier schreiben wollen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lässt sich immerhin eines sagen: Er ist der Ehemann der saarländischen Ministerpräsidentin. Gerne wollten wir mehr über ihn erfahren, am liebsten aus allererster Hand. Man findet ihn sogar im Telefonbuch - oder zumindest jemanden, der seinen Namen trägt und im selben Haus wohnt wie eine gewisse Annegret Kramp-Karrenbauer. Aber Überrumpeln ist nicht unser Stil. Also adressierten wir unsere Gesprächsanfrage an die Staatskanzlei in Saarbrücken. Die Leute dort sind sehr nett, aber es hilft ja nichts. Sie mussten uns leider mitteilen, dass Herr Karrenbauer für ein Gespräch nicht zur Verfügung stehe - und zwar trotz angeblicher Versuche seiner Frau, ihn umzustimmen.

Die Ministerpräsidentin schien also auf unserer Seite zu sein. Daher versuchten wir, sie bald persönlich zu sprechen. Anfang September besuchte sie die Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Lebach. Der Vorteil: Sie würde guten Mutes sein, weil die Unterbringung im Saarland vergleichsweise gut klappt. Der Nachteil: Sie hatte an dem Tag nun wirklich andere Probleme, als mit uns darüber zu reden, ob ihr Mann nicht doch mit uns reden wollte. Es gelang uns trotzdem, sie vor der Flüchtlingsunterkunft zu stellen. Auf unsere Fairness-Versprechungen erwiderte sie freundlich, aber bestimmt, es habe keinen Sinn, ihr Mann wolle sich nicht mit uns treffen. Ein anderer Journalist, der mithörte, bemerkte dazu: Das spreche durchaus für Herrn Karrenbauer.

Kurz überlegten wir, dem Kollegen eine reinzuhauen. Dann dachten wir: Vielleicht hat er recht. Vielleicht ist Helmut Karrenbauer, im Folgenden „HK“ genannt, einfach ein uneitler Mann, dem Chichi und Tamtam nichts bedeutet. Mit dieser Arbeitshypothese begannen wir die Recherche in Zeitungen und Internet. Und siehe da: Die spärlichen Quellen bestätigten den ersten Eindruck.

HK ist von Beruf Bergbauingenieur. Er hat selbst noch unter Tage gearbeitet, zeitweise sogar nachts. Als seine Frau in der Politik aufstieg, vertiefte er sich immer mehr in die Hausarbeit und die Erziehung der drei Kinder. Das alles ist untypisch für Leute, die das Rampenlicht suchen. Erfolge lassen sich aber auch anderswo erzielen. HK weiß das. Während er 1998 noch zugab, „nicht gerade ein Meister am Küchenherd“ zu sein, konnte nur drei Jahre später der älteste Sohn Tobias in einer Homestory für die „Saarbrücker Zeitung“ (SZ) verkünden: Der Papa mache bessere Pommes als die Mama.

In derselben Story hob HK hervor: „Ich bin kein Karrieremensch.“ Außerdem sei er „nicht gerade politikinteressiert“. Umso erstaunlicher, dass die SZ 1998 einen Leser namens Helmut Karrenbauer zum damaligen SPD-Kanzlerkandidaten mit folgender Einschätzung zitierte: Lafontaine wäre ihm lieber gewesen als Schröder, weil er ihn für ehrlicher halte. Wenn man den Artikel aber genauer liest, merkt man: Das kann nicht unser Mann sein. Offenbar gibt es im Saarland einige mit seinem Namen. Allein für seinen Wohnort sind im Telefonbuch zwei weitere Helmut Karrenbauer aufgeführt.

Begeben wir uns wieder auf festeren Boden: HK ist sportlich oder zumindest sportinteressiert. „Bild“ nannte ihn 2012 „den stämmigen Mann mit der stoppligen Kurzhaarfrisur“. Das deckt sich mit Beschreibungen, wonach er „kernig“ sei. Vor neun Jahren war laut SZ ein Helmut Karrenbauer "Übungsleiter" bei den Leichtathleten des Vereins TV 1890 Püttlingen. Ob das HK war? Sicher ist: Er interessiert sich fürs Fahrradfahren und Ringen. 2002 war er mit seiner Frau, damals Ministerin, Zuschauer beim Ringkampf Köllerbach gegen Schifferstadt. Ein Reporter notierte, die Ministerin habe „ihr Gesicht mehr als einmal mit den Händen verborgen, während Ehemann Helmut Karrenbauer regungslos neben ihr saß“. Das kann er also: cool bleiben. Ihr Mann sei „ein wirklicher Fels in der Brandung“, sagte seine Frau 2011 der „Bunten“. In sonstigen Quellen finden sich keine Hinweise, dass das nicht stimmen könnte.

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