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Frauenfußballerinnen aus Tibet : Die Mädchen vom Bolzplatz haben einen Traum

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Kicken auf 3500 Metern: Auf Sandplätzen wie diesem, der zu einer Schule für Extibeter im indischen Leh gehört, wird die Soccer-Leidenschaft gefördert; die besten Spielerinnen werden dann fürs Team rekrutiert. Bild: Fabian Weiss

Eine richtige Nationalmannschaft der Frauen kann Tibet nicht haben. Aber das Fußball-Team von jungen Exiltibeterinnen, das von einer Amerikanerin trainiert wird, ist ziemlich nah dran. In Sachen Stolz sowieso.

          Es ist schwül und feucht in Dharamsala, der Stadt im Norden Indiens, die schon seit einem halben Jahrhundert die Heimat des Dalai Lama im Exil ist. Dicke Wolken ziehen träge über die bis zu 4000 Meter hohen Berge. Cassie Childers sitzt entspannt auf der Dachterrasse eines Restaurants an der Hauptstraße der Oberstadt. Über einem Ingwertee erzählt sie mit leuchtenden Augen von der Entstehung eines Traumes. Ihres Traumes. Des Traumes von einer gerechteren Gesellschaft und besseren Lebensbedingungen für die Frauen der Gemeinde der Exiltibeter hier, die noch immer zutiefst patriarchalisch ist. Aber Childers verfolgt eine etwas andere Strategie als die Mehrheit der vielen ausländischen Helfer.

          Seit ein paar Jahren verbringt die ehemalige Geschichtslehrerin, 32, nun schon einen Großteil ihres Lebens im nördlichen Bundesstaat Himachal Pradesh. Am Anfang war sie gekommen, um Buddhismus zu studieren. Ihre Pläne änderten sich schnell, aber einfach war es nicht. Childers ist Amerikanerin, aus New Jersey.

          Sie klingt gekränkt, wenn sie von der Vergangenheit erzählt. Wenn sie von 2011 spricht. Von dem Jahr, in dem sie angefangen hat, tibetischen Mädchen das Fußballspielen beizubringen. „Ach, tibetische Mädchen wollen doch nur Kartoffelchips essen!“, hätten die Leute ihr erst mal gesagt. Und dass sie keine Tibeterinnen in Shorts sehen wollten.

          Fast wie bei einem Schulausflug

          Steilpass in die Gegenwart, Februar 2014. Childers steht mit 16 tibetischen Mädchen am Flughafen von Delhi. Aus allen Regionen des Landes sind sie zusammengekommen - von der großen Gemeinschaft der Exiltibeter im Süden und aus der Hauptstadt; eine Spielerin ist sogar aus den Bergen von Ladakh im Himalaja eingeflogen.

          Das Team ist auf dem Weg nach Imphal im Bundesstaat Manipur. Das Ziel: der Fußballplatz, auf dem in einigen Tagen das „Ladies Spring Soccer Tournament“ stattfinden wird. Es ist das erste offizielle Turnier, an dem die tibetische Frauenmannschaft teilnimmt. Einer der Meilensteine, auf den Coach Childers über drei Jahre lang hingearbeitet hat.

          Es sieht, so wird sich die Trainerin später erinnern, fast wie ein Schulausflug aus. Nur etwas geordneter. Die Mannschaft ist ausgerüstet mit Bällen, Sporttaschen und einem Haufen weißer Trikots, auf denen in großer, verschnörkelter Schrift „Tibet“ auf der Rückseite steht. Aufgeregt und kichernd wartet die Gruppe junger Mädchen vor dem Check-in. Als sie zum Zollbeamten kommen, sieht dieser die Mannschaft misstrauisch an. „Ihr fliegt nach Manipur?“, fragt er prüfend. „Als Fußballteam?“ Auf das antwortende Nicken fängt der Beamte langsam an zu grinsen. Nach einer gewollten Pause fügt er hinzu: „Ich komme selbst aus Manipur. Gegen unser Team werdet ihr keine Chance haben!“

          „Wir hatten Angst, richtig Angst!“

          Keine Chance. Diese zwei Worte hat sich das Team in den letzten Wochen und Monaten schon öfter anhören müssen. Denn Manipur ist der Geburtsort des indischen Fußballs. Der Bundesstaat im Nordosten Indiens hat sich nicht wie der Rest des Landes mit Leib und Seele auf Kricket gestürzt. Stattdessen hat er schon früh den Fußball für sich entdeckt. Sogar noch bevor die Region Teil Indiens wurde. Denn bis 1947 war Manipur noch ein eigenständiges Königreich; nach der Unabhängigkeit Indiens ist es mit einem fragwürdigen Vertrag in die Arme des großen Bruders gezogen worden. Schnell annektiert. Aber bis heute bewahren sich die Bewohner noch ihre Eigenheiten, sehen sich als etwas anderes. Vielleicht sogar als etwas Besseres.

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