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Madonnas Schulprojekt : Fußballacker statt Mädchenschule in Malawi

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Madonna bei der Grundsteinlegung für die geplante Mädchenschule im April 2010 Bild: REUTERS

Madonnas Schulprojekt in Malawi ist gescheitert. Die Popdiva wollte auf städtischem Ackerland eine Mädchenschule errichten. Nach mehr als einem Jahr ist ein Großteil des Geldes weg und die Landwirte stehen vor ihren ruinierten Feldern.

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          Das verlassene Gelände in Chinkhota nahe der malawischen Hauptstadt Lilongwe sieht aus wie ein alter Steinbruch. Nichts erinnert an den glanzvollen Festakt im April 2010, als US-Star Madonna in dem kleinen Dorf einen Grundstein legte mit den eingravierten Worten „Wage zu träumen“.

          Eine Mädchenschule sollte hier entstehen für umgerechnet 10,6 Millionen Euro. Nun sind einige Millionen verschwunden oder verschleudert, die Träume von einer Mädchenschule für das bitterarme Land im Südosten Afrikas sind zerplatzt. „Das wurde jetzt nur ein Fußballplatz“, sagt Ortsvorsteher Binson Kalenga. Die Planierraupen stehen schon lange still auf dem kahlen, terrassierten Gelände, ein Jahr nach der Grundsteinlegung waren die großen Pläne bereits Makulatur.

          Geister-Bewohner und Veruntreuung

          Inzwischen wurde die Popdiva sogar verklagt von entlassenen Angestellten. Mit ihrem Antrag auf Einstellung des Verfahrens scheiterte sie am Dienstag vor Gericht, die Vorwürfe der Ex-Mitarbeiter, ihre Kündigungen aufgrund des Strategiewechsels von Madonnas Hilfsorganisation Raising Malawi seien illegal, sollen gehört werden. Gegen Raising Malawi ermitteln zudem die US-Finanzbehörden und die malawische Regierung untersucht Zahlungen, die für das Grundstück geflossen sind.

          Mit Malawi verbunden: 2006 adoptierte sie den kleinen David Banda, der aus dem afrikanischen Land stammt

          „Am Anfang habe ich das Vorhaben begrüßt, doch ich war auch sehr skeptisch“, sagt Paul Kalilombe von der Verwaltung des Distrikts Lilongwe über Madonnas Pläne für die Mädchenschule. „Es gab einfach zu viel Publicity, bevor überhaupt etwas gebaut wurde.“ Die Probleme begannen bereits mit dem Verkauf der Grundstücke an Raising Malawi, der über die Regierung abgewickelt wurde. „Es scheint so, als ob es Geister-Bewohner gab. Auf der Liste der Empfänger gibt es Namen, die vielleicht von Beamten eingefügt wurden, die an der Praxis beteiligt waren“, sagt Kalilombe und spielt damit auf Veruntreuung von Geldern an. „Aber dies wird zurzeit von der Finanzpolizei untersucht.“

          Landbesitzer sind sauer

          Die Bewohner von Chinkhota können sich nicht erklären, warum ihre Felder ruiniert wurden und die Schule trotzdem nicht errichtet wird. „Die Leute waren einfach überrascht, dass nichts gebaut wird“, sagt die 52-jährige Tsiyent Foroyati. Von Madonna hörte sie erst, als die US-Sängerin zwei malawische Kinder adoptierte. Als größte Landbesitzerin erhielt Foroyati umgerechnet 140 Euro Entschädigung, gefordert hatte sie 13.800 Euro.

          Nun muss die Familie für 23 Euro einen Acker pachten. „Auch wenn das Projekt weitergeht, wären wir sauer - wo sollen wir denn jetzt Gemüse anbauen?“ sagt Foroyati. „Das größte Problem ist, dass es sehr schwierig wäre, auf dem Land wieder etwas anzubauen, selbst wenn wir es zurück bekämen.“ Von Raising Malawi wurden keine Fragen beantwortet.

          Eine „verblüffende Verantwortungslosigkeit“

          Im Januar sagte Madonna das Schulprojekt offiziell ab: Das Geld solle stattdessen bereits bestehenden Schulen im Land zugute kommen. Nach einem Bericht der US-Zeitung New York Times hatte Madonna eine Betriebsprüfung veranlasst. Ergebnis: 2,7 Millionen Euro sind bereits in dem Projekt versickert. Die Untersuchung ergab eine „verblüffende Verantwortungslosigkeit“ beim Management in Malawi und den USA. Madonna investierte Millionen in die Unterstützung von Kindern in dem südostafrikanischen Land, in dem 39 Prozent der Bevölkerung von weniger als 70 Cent am Tag leben.

          Im Mphandula Child Care Centre in Namitete westlich von Lilongwe hängt ein verblichenes Bild der Diva mit ihrem Ex-Ehemann Guy Ritchie an einer der Anschlagtafeln. Sie finanzierte das Gemeindehaus, das täglich mehr als 200 Kinder mit Essen versorgt. Verwaltungsvertreter Kalilombe glaubt, dass auf dem Gelände in Chinkhota nun ein Waisenhaus geplant sei. Was die Schule angeht, so hätte Madonna mit einer bestehenden Organisation zusammenarbeiten sollen, meint er. Diese hätte besser gewusst, „was hier vor Ort so passiert“.

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