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Ludivine Sagnier im Interview : „Ich bin in die Lolita-Rolle gerutscht“

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Die Schauspielerin Ludivine Sagnier steht in ihrem neuen Film „Die zweigeteilte Frau“ zwischen zwei Männern, von denen der eine deutlich älter ist als sie. Im Interview spricht sie über Film-Amouren mit alten Männern, Sex in der Wohlstandsgesellschaft - und über Lauren Bacall.

          In ihrem neuen Film „Die zweigeteilte Frau“ steht Ludivine Sagnier als Hauptperson zwischen zwei Männern, von denen der eine deutlich älter ist als sie selbst. Und schon in anderen Filmen wie „Swimming Pool“, „La petite Lili“ oder „Tropfen auf heiße Steine“ ließ sie sich auf ältere Herren ein. Im Interview spricht sie über Film-Amouren mit alten Männern, Sex in der Wohlstandsgesellschaft - und über Lauren Bacall.

          Das Thema „Beziehungen zu älteren Männern“scheint Sie zu verfolgen.
          Schon komisch, oder? Ich vermute, die Regisseure leben da irgendwie ihre Phantasien in meiner Person aus. Ich selbst suche mir die Rollen jedenfalls nicht aus, weil ich auf ältere Männer stehe. Das entspricht nämlich überhaupt nicht meinen Neigungen, und im Privatleben war ich immer nur mit mehr oder weniger Gleichaltrigen zusammen. Seltsamerweise erwische ich mich aber dabei, dass ich Freundinnen mittlerweile von Beziehungen zu älteren Männern vorschwärme, obwohl ich in Wahrheit überhaupt keine Erfahrung damit habe. Wahrscheinlich bin ich durch die ganzen Filme unbewusst in eine Art Lolita-Rolle gerutscht.

          „Die zweigeteilte Frau“ war Ihre erste Zusammenarbeit mit Claude Chabrol. Ein Erlebnis?
          Allerdings, und zwar ein hervorragendes. Ungefähr so wie eine gute Mahlzeit - mit Vorspeise, Hauptgang, Dessert und einem guten Wein dazu. Da ist natürlich zunächst mal eine große Faszination für seine Person, für seine Arbeit und für die Zeit, die er verkörpert. Mir kam die Zusammenarbeit mit Claude Chabrol wie eine Exkursion in die Filmgeschichte vor. Während der Dreharbeiten war ich jeden Tag mit ihm zum Mittagessen, und jedes Mal habe ich dann so etwas gesagt wie: Claude, heute möchte ich, dass Sie mir etwas über Alfred Hitchcock erzählen. Woraufhin er zu einem langen Exkurs über Hitchcock ausholte. Am nächsten Tag war Ingmar Bergman dran, und so ging es immer weiter.

          Private Lehrstunden in Filmgeschichte bei Claude Chabrol - beneidenswert!
          Es war wirklich wie mit einem Privatlehrer. Wobei ich während der Dreharbeiten zu 8 Frauen ein ähnliches Erlebnis hatte: Catherine Deneuve und die anderen großen Schauspielerinnen nahmen mich damals unter ihre Fittiche und ließen mich an ihrer Erfahrung und ihrem Wissen teilhaben - eine Meisterklasse der Schauspielkunst, sozusagen.

          Und wieder ein älterer Mann: Sagnier in „Die zweigeteilte Frau” Bilderstrecke

          Wie in jedem guten französischen Film spielen in „Die zweigeteilte Frau“ viele Szenen im Bett oder am Esstisch. Das entspricht zwar einem im Ausland gängigen Klischee über Frankreich, aber spiegelt diese Fixiertheit auf Sex und Essen denn tatsächlich die Realität in Ihrem Land wider?
          Also, ich erkenne mich in diesem Klischee durchaus wieder, wobei ich hoffe, dass man auch in anderen Ländern eine gewisse Leidenschaft für die Liebe und für gutes Essen hegt. Außerdem steht diese Fixiertheit auf Amouren und auf gute Mahlzeiten in Chabrols Film ja auch für ein bestimmtes bourgeoises Milieu, für die Gefräßigkeit und Geilheit einer sozialen Klasse.

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