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Louis C.K. : Der Sexist, dem die Frauen vertrauen

Auch der Komiker Louis C.K. (hier Mitte September in Kalifornien) sieht sich nun mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert. Bild: AFP

Wer politisch inkorrekte, frauenfeindliche Witze macht, sollte im Privatleben das Gegenteil verkörpern. Das wird jetzt zum Problem für Louis C.K., den Star der amerikanischen Stand-Up-Szene.

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          „Sexismus kriegen wir nicht aus uns raus!”, sagte Louis C.K. bei einem Auftritt im Jahr 2015. „Er ist tief in uns drin.” Männer fühlten einfach negativ über Frauen, und Frauen fühlten negativ über Männer. Das sei ein Naturgesetz. Derzeit scheint es zumindest mehrere Frauen zu geben, die negative Gefühle hinsichtlich eines Mannes hegen, und das ist Louis C.K. höchstpersönlich. Mindestens fünf Frauen werfen dem Komiker sexuelle Übergriffe vor, bei denen er sich unter anderem vor ihnen ausgezogen und masturbiert haben soll.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Vorwürfe überraschen zunächst mehr als bei einem Mann wie Harvey Weinstein, der sinnbildlich für eine Branche steht, von der man strukturellen Machtmissbrauch erwarten konnte. Louis C.K. verdient sein Geld damit, die Missstände in der Gesellschaft – Rassismus und eben auch Sexismus – zu beleuchten und humoristisch aufzuarbeiten. Er macht das, indem er Witze über Schwarze, Weiße, Frauen und Männer, Juden und Muslime macht. Halt macht er vor gar nichts. Ist das denn wirklich witzig, mag man da fragen. Aber weil Louis C.K. sich selbst immer als lächerlichste aller Figuren hinstellte, fanden die meisten es in Ordnung, dass er politisch inkorrekte, auf die Spitze getriebene Witze macht. Außerdem wollte er damit doch nur zeigen, was alles schief läuft in der Gesellschaft, so die Lesart.

          Die blieb aber nur stimmig, solange man davon ausgehen konnte, dass Louis C.K. im Privatleben das Gegenteil seiner Rolle verkörpert: Wer Witze über Frauen macht, und dabei auch noch witzig und klug ist, der ist in Wahrheit bestimmt Feminist erster Klasse. So spielte Louis C.K. beispielsweise eine wiederkehrende Gastrolle in der Serie „Parks and Recreation”, die sich solche Tabubrüche ebenso clever zu eigen macht, und in deren Hauptrolle Hollywood-Feministin Amy Poehler die Liebhaberin von Louis C.K. gibt. Betrachtet man diese Zusammenhänge, wiegen die Vorwürfe gegen Louis C.K. umso schwerer.

          Dabei gibt es durchaus frauenfeindliche Figuren in amerikanischen Serien, deren Darstellern man den Sexismus verzeiht: Barney Stinson ist vermutlich der größte Sexist der  Fernsehgeschichte. Sein Ziel ist die „perfekte Woche”, also in einer Woche mit sieben Frauen zu schlafen, jeden Tag mit einer anderen. Er hat Regeln für sein Dating-Leben, die allesamt darauf hinauslaufen, dass er keine Frauen daten kann, die Übergewicht haben, dass er viel und gerne Nummern an Frauen vergibt – gemessen daran, wie gutaussehend sie sind – und dass er sowieso nur an Frauen interessiert ist, wenn sie besonders attraktiv sind – und auch dann nur für kurze Zeit, maximal eine Nacht.

          Wieso ist dieser schrecklich-schlimme Mensch witzig? Ja, wieso mag man dieses frauenverachtende Arschloch sogar irgendwie? Das liegt zum einen am Regulativ der anderen Charaktere in der Sendung, daran, dass selbst Barney Stinson Momente des Tiefgrunds und Darsteller Neil Patrick Harris ein großartiges Talent für Slapstick-Momente hat. Zum anderen aber ist bekannt, dass Neil Patrick Harris, der Barney Stinson verkörpert, ein großer Humanist und Menschenfreund ist, ein gutmütiger Broadway-Star, der zwei Kinder hat und verheiratet ist – mit einem Mann. Die Diskrepanz zwischen Harris und Stinson könnte also größer kaum sein. Und das macht Barney Stinson in seiner Unerträglichkeit nicht nur erträglich, nein, es macht ihn irgendwie sympathisch. Das verdeutlicht, dass eine Sache, die in der Debatte um den Missbrauchsskandal in Hollywood immer wieder gefordert wird, eben doch nicht immer möglich ist: Künstler und Werk sind nicht jedes Mal glasklar voneinander zu trennen.

          Und so verhält es sich auch mit Louis C.K. Weil nämlich, wer politisch inkorrekte Witze, frauenfeindliche Witze macht, die nur machen darf, wenn er sonst im Leben eine völlig reine Weste hat. Sonst funktioniert die überspitzte Ironie, die nur durch das Doppelspiel aus Fakt und Fiktion gelingt, nicht mehr. Wenn die Vorwürfe gegen Louis C.K. stimmen, ist er einfach nur ein weißer Mann mittleren Alters, der gern vor seinen Mitarbeiterinnen masturbiert. Und darüber schlimmstenfalls noch geschmacklose Witze erzählt.

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