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Britischer Staatssekretär : Lord wollte zurücktreten – weil er zwei Minuten zu spät kam

Lord Michael Bates hat er sich stets bemüht, den „höchstmöglichen Maßstäben von Höflichkeit und Respekt“ zu genügen. Bild: EPA

Ein britischer Lord wollte am Mittwoch wegen einer winzigen Verfehlung zurücktreten – im Oberhaus brach Bestürzung aus. Erst die Premierministerin konnte den beschämten Staatssekretär beruhigen.

          Lord Bates, Staatssekretär im britischen Entwicklungshilfeministerium, ist ein hochgeachtetes Mitglied des Oberhauses – und ebenso sehr achtet Lord Bates das Parlament. Als er am Mittwoch zur Fragestunde erscheinen musste, kam er zwei Minuten zu spät. Daraufhin trat er an die „Dispatch Box“, wo man im britischen Parlament Rede und Antwort steht, und hielt eine emotionale, durch keinerlei Ironie gebrochene Rede über seine Verfehlung, der Baronesse Lister of Burtersett eine Antwort schuldig geblieben zu sein.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Er unterbreitete der Vertreterin der Labour Party seine „aufrichtigste Entschuldigung für die Unhöflichkeit“. In den fünf Jahren, die er nun die Fragen der Lords im Namen der britischen Regierung beantworte, habe er sich stets bemüht, den „höchstmöglichen Maßstäben von Höflichkeit und Respekt“ zu genügen, sagte der Konservative und fuhr fort: „Ich bin zutiefst beschämt, dass ich nicht an meinem Platz war, weshalb ich meinen Rücktritt einreichen werde.“

          Daraufhin brach parteiübergreifende Bestürzung im Saal aus. „No! No!“, riefen die „Peers“, wie die Mitglieder des Oberhauses auch genannt werden – aber Lord Bates ließ sich nicht umstimmen. Das gelang erst der Premierministerin, die wenige Stunden später von dem Vorgang auf ihrem Staatsbesuch in China erfuhr. „Mit seinem typischen Anstand bot Lord Bates heute seinen Rücktritt an, aber sein Rücktritt wurde zurückgewiesen, weil er für unnötig befunden wurde“, sagte ein Sprecher von Downing Street am Abend. „Als hart arbeitender und gewissenhafter Staatssekretär ist es typisch für ihn, dass er seine Verantwortung gegenüber dem Parlament so ernst nimmt.“

          Inzwischen wurde auch bekannt, warum der Lord zu spät gekommen war. Er war nicht darüber informiert worden, dass die Peers an diesem Mittwoch ihr Tagesgebet außerplanmäßig am Morgen abgehalten hatten und deswegen die Mittagsdebatte wenige Minuten früher als sonst begann.

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