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London trauert : Ein Meer aus Blumen für die Queen

Trauernde versammeln sich am Freitag vor dem Buckingham Palace. Bild: Reuters

Tausende nehmen in der britischen Hauptstadt Abschied von Elisabeth II., die dem Land über 70 Jahre lang Stabilität gegeben hat. Der Tenor unter den Trauernden vor dem Buckingham-Palast ist eindeutig: „Wir lieben sie.“

          2 Min.

          Der Platz vor dem Buckingham-Palast in London füllt sich immer mehr mit Blumensträußen, die zu einem Teppich, einem ganzen Meer aus Blumen für die verstorbene Queen werden. Viele Tausende kommen am Freitagmorgen, um Elisabeth II. zu gedenken. Großbritannien steht unter Schock.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Am Donnerstagabend, als die Nachricht vom Tod der 96 Jahre alten Monarchin wie ein Blitz einschlug und sich dann wie ein Lauffeuer verbreitete, waren schon Tausende zum Palast im Herzen Londons geströmt. Einzelne Menschen weinten, als die Fahne über dem Palast kurz nach 18.30 Ortszeit auf halbmast gesenkt wurde. Dann kamen immer mehr. Im Regen standen sie da, manche unter Schirmen dicht gedrängt, andere wurden klatschnass.

          „God save the Queen“, die Nationalhymne, war immer wieder zu hören. Man hörte auch ein paar Männer unverständliche Parolen grölen. Dutzende Menschen kletterten auf das große Victoria-Monument vor dem Palast, schwenkten Union-Jack-Flaggen. Jemand hatte auch eine ukrainische Flagge vor den Palast gehängt. Bunte Sträuße, schnell in Supermärkten gekauft, klemmten am vergoldeten Gitter, das den Palast umgibt.

          Weiterer Ablauf ist minutiös festgelegt

          Bis zum Freitagvormittag sind zahllose dazu gekommen. Es ist der erste nationale Trauertag, das Land hält inne. Man gedenkt einer Monarchin, die gut 70 Jahre lang wie ein Fels in der Brandung stand und dem Land in Zeiten rasanten Wandels Stabilität und Kontinuität vermittelte.

          „We loved you Ma’am“, schreibt die „Sun“ auf ihrer Titelseite. Der Tenor aller britischer Zeitungen ist ähnlich: „Unsere Herzen sind gebrochen“, schreibt die „Daily Mail“ auf dem Titel, etwas nüchterner sagt der sozialdemokratische „Mirror“: „Danke Ihnen“. „Ein Leben des Dienstes“ würdigt die „Times“, der „Guardian“ begnügt sich mit dem Bild der strahlend schönen jungen Königin und ihren Lebensdaten: „1926 – 2022.“

          Vor dem Buckingham-Palast versammeln sich auch viele junge Menschen, die trauern. „Sie war immer da“, sagt eine sichtlich erschütterte junge Frau. „Sie war wie eine Mutter, eine Großmutter“, ergänzt eine andere. Manche haben Tränen in den Augen. Eine junge Frau namens Vanessa gibt sich als glühende Royalistin zu erkennen. Ihr Großvater, ein Tischler, habe einmal für Prinzessin Margaret, die Schwester Elisabeths, gearbeitet, erzählt sie stolz. Eine amerikanische Touristin sagt über Elisabeth: „Wir lieben sie.“ Von Charles sprechen sie mit mehr Distanz. Ein bisschen „quirky“, also schrullig, sei er – aber auch ganz okay. „Er wird auch ein guter König“, glaubt die Amerikanerin.

          Hunderte Londoner haben vor dem Buckingham-Palast Blumen niedergelegt. Königin Elisabeth II. ist am Donnerstag im Alter von 96 Jahren verstorben. Bilderstrecke
          Nach dem Tod der Königin : London in Trauer

          Wie es nach dem Tod der Monarchin weitergeht, ist im Plan „Operation London Bridge“ minutiös festgelegt worden. Mindestens zehn Tage offizieller Trauer sind angesetzt. Am Freitag um 19 Uhr deutscher Zeit wird sich der neue König, Charles III., Elisabeths ältester Sohn, in einer Fernsehansprache an die Nation wenden. Charles und seine Frau Camilla reisten am Vormittag vom Schloss Balmoral in Schottland, wo Elisabeth verstarb, nach London. Als Erster hat Prinz Harry, der Sohn des neuen Königs, das schottische Schloss verlassen.

          Parallel zur Ansprache des neuen Monarchen werden die King’s Troops im Hyde Park Salutschüsse abfeuern. Auch vom Tower of London werden Kanonen donnern. Von Westminster Abbey, St. Paul's und Schloss Windsor werden Glocken läuten. Charles III. wird seine Mutter würdigen und dem Land seinen treuen Dienst versprechen. Am Samstag trifft sich der Accession Council um 11 Uhr deutscher Zeit, eine Stunde später wird Charles offiziell zum König ausgerufen. Drei Trompeter werden es mit Fanfaren vom St. James‘s Palace kundtun.

          Vermutlich am Sonntag wird der Sarg mit der Königin dann von Balmoral nach Holyrood Castle in Edinburgh transportiert. Entlang der etwa hundert Meilen langen Strecke werden Tausende Trauernde erwartet. Am Dienstag soll der Sarg nach London geflogen werden, von Mittwoch an können sich Trauernde dort von Königin Elisabeth II. verabschieden. Der Sarg wird in Westminster-Palast aufgebahrt, dann folgt eine Prozession durch London. Besucher und Staatsgäste aus der ganzen Welt werden erwartet.

          Das Staatsbegräbnis ist für übernächsten Montag, den 19. September, angesetzt. Dabei wird der Sarg in die Westminster Abbey transportiert. Es werden entlang der Strecke und im ganzen Land Millionen das Begräbnis verfolgen – und der Queen die letzte Ehre erweisen.

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