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Geflüchtete Prinzessin : Es kümmert ihn nicht, ob sie lebt oder stirbt

Prinzessin Haya bint Hussein Al Hashimi verlässt ein Gericht in London, wo sie um die Vormundschaft für ihre Kinder kämpft. Bild: AFP

Haya, die sechste Frau des Emirs von Dubai, kämpft in London um die Vormundschaft für ihre zwei Kinder – und fürchtet um ihr Leben.

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          In den Palästen von Dubai hängt der Haussegen schon seit langem schief. Der 70 Jahre alte Emir Muhammad Bin Raschid Al Maktoum ist mit sechs Frauen verheiratet und hat von ihnen mindestens 23 Kinder – von denen sich nicht mehr alle seinen patriarchalischen Vorstellungen gefügig unterwerfen wollen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der neueste Fall trifft den milliardenschweren Emir aber am härtesten. Begonnen hatte der Streit, als sich im Jahr 2000 Schamsa, eine der Töchter, während des Sommerurlaubs im englischen Longcross von der Familie absetzte. Ihr Vater ließ sie kurzerhand entführen und nach Dubai zurückbringen, wo sie angeblich acht Jahre im Gefängnis verbracht hat und nie mehr gesehen wurde. Zwei Jahre darauf wollte Latifa, eine andere Tochter, flüchten. Sie soll drei Jahre geschlagen worden sein, bis sie reuig von ihrem Tun Abstand nahm.

          Allerdings nicht für immer. Im vergangenen Jahr gelang ihr mit Hilfe ihrer finnischen Fitnesstrainerin mit Jet-Skis und einer Yacht eine spektakuläre Flucht in die Freiheit. Doch die währte nur kurz. Selbst Goa war nicht weit genug. Die Jäger des Vaters entführten auch sie und brachten sie zurück nach Dubai. Ein Video zeigte sie im vergangenen Dezember, sie wirkte apathisch, nach Angaben des Palastes war zu sehen, wie sie ihren „Geburtstag“ feierte. Beobachter mutmaßen hingegen, dass sie unter Rauschgifte gesetzt und somit ruhiggestellt werde.

          Latifas Fall war einer der Streitpunkte, die die Ehekrise zwischen dem Emir und seiner sechsten Frau, Haya bint Hussein Al Hashimi, zugespitzt haben. Prinzessin Haya setzte sich für die heute 33 Jahre alte Latifa ein, und offenbar zog sie sich damit den Unmut des Hauses Maktoum, der Großfamilie ihres Manns, zu.

          Nun wird der Streit der beiden in London ausgetragen, und er droht zu einer Gerichtsschlacht zu werden. Haya hatte sich im Juni 2018 über Deutschland nach London abgesetzt, wo sie mit ihren beiden Kindern, der elf Jahre alten Dschalila und dem sieben Jahre alten Zayed, eine prächtige Villa in der Nähe des Kensington-Palastes bezogen hat. In London will sie die Vormundschaft über ihre beiden Kinder erstreiten. In dem Verfahren gehe es offiziell nicht um die Scheidung und nicht um Finanzielles, hatte das Paar jüngst erklärt. Schließlich wird das Privatvermögen des Emirs auf mindestens fünf Milliarden Dollar taxiert. Es gehe lediglich um die Vormundschaft sowie um die Sachverhalte „Schutz vor Zwangsehe“ und „Schutz vor häuslicher Gewalt“. Offenbar fürchtet Prinzessin Haya, auch sie könnte entführt werden.

          Für Dienstag und Mittwoch hatte die Familienabteilung des High Court eine öffentliche Anhörung in dem Fall angesetzt. Haya war in Begleitung der Staranwältin Fiona Shackleton gekommen. Der Emir ließ sich vertreten. Ein Ärgernis war für ihn wohl, dass der Richter, Sir Andrew Macfarlane, seine Bitte abgelehnt hatte, Einzelheiten aus der Anhörung geheim zu halten. Damit dürfte dafür gesorgt sein, dass demnächst einiges von der schmutzigen Wäsche durchsickern wird, die in dem Fall gewaschen wird.

          Dabei waren die beiden lange ein Paar, das glücklich schien und zu repräsentieren wusste. Muhammad Bin Raschid ist ein Emir, Haya hat königliches Blut. Ihr Vater war der jordanische König Hussein, der von 1929 bis 1999 lebte, nach ihrer Mutter Alia ist die jordanische Fluggesellschaft benannt. Der heutige jordanische König Abdullah ist ihr Halbbruder. Bis zu ihrer Heirat mit dem Emir von Dubai im Jahr 2004 hatte die emanzipierte Prinzessin die längste Zeit im Ausland verbracht. Sie besuchte Internate in Bristol und Dorset, studierte in Oxford. Die passionierte Reiterin war die erste arabische Frau, die 1992 bei den Panarabischen Reiterspielen eine Medaille gewann. Sie nahm 2000 an den Olympischen Sommerspielen in Sydney teil und war die Fahnenträgerin ihrer Mannschaft.

          Die Liebe zum Reitsport hatte den Emir und die Prinzessin zusammengeführt. Schließlich war der Emir Weltmeister im Distanzreiten, und zu seinem Rennstall Godolphin gehören einige der teuersten und besten Pferde der Welt. Bei der jedes Jahr im Juni stattfindenden Rennwoche Royal Ascot waren die beiden verlässlich eine Augenweide. Von 2006 bis 2014 stand Haya als Präsidentin der Internationalen Vereinigung für Reitsport vor. Damals soll der Knatsch zwischen den beiden begonnen haben. Zumindest hieß es in Dubai, der Emir sei gar nicht glücklich darüber, dass seine Frau so wenig zu Hause und ständig in der Welt unterwegs sei. Gerüchte, mit denen sie diskreditiert werden sollte, machten die Runde. So soll die Gattin des Manns, der selbst sechs Frauen hat, ein Verhältnis mit einem Leibwächter gehabt haben.

          Wenn sich der Emir nicht mit seinen edlen Pferden beschäftigt, dichtet er gerne und veröffentlicht seine Verse auch. Noch vor wenigen Monaten erneuerte er seine Liebe: „Du führst ein Leben, das uns stolz macht, und du bist ein Vorbild für uns und kommende Generationen.“ Von dieser Liebeserklärung ist nicht viel übrig. Zuletzt hieß es auf seiner Internetseite nur noch: „Oh Geliebte, es gibt nichts mehr zu sagen. Du hast keinen Platz mehr an meiner Seite. Es kümmert mich nicht, ob du lebst oder stirbst.“ Darum auch soll Prinzessin Haya um ihr Leben fürchten.

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