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London : Beatlemania auf der Abbey Road

Genau vor 40 Jahren überquerten die Musiker für Fotoaufnahmen den Zebrastreifen Bild: dpa

Die Beatles machten den Fußgängerüberweg an der Abbey Road durch ihr berühmtes Album-Cover zu einem magischen Ort. Am Samstag war es genau 40 Jahre her, dass die vier Musiker für Fotoaufnahmen den Zebrastreifen überquerten.

          David Brooner ist in seinem Leben tausende Male über diesen Zebrastreifen gegangen. Bevor und nachdem die Beatles den Fußgängerüberweg an der Abbey Road durch ihr berühmtes Album-Cover zu einem magischen Ort machten. Brooner ist 85 Jahre alt, und er lebt seit einem halben Jahrhundert im Londoner Stadtteil St. John’s Wood, gleich um die Ecke der Abbey Road.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er hätte ihnen damals gut begegnen können; die Beatles haben fast alle ihre Alben in den Tonstudios ihrer Plattenfirma EMI in der Abbey Road Nr. 3 aufgenommen. Sie gingen dort jahrelang ein und aus. Aber David Brooner sind sie nie über den Weg gelaufen. Erst viel später hat er Paul McCartney mal gesehen. Der Musiker besitzt in dem Wohnviertel in der Nähe des Regent’s Parks bis heute ein Haus.

          Genau vor 40 Jahren

          Es ist Samstagmorgen, 8. August 2009, kurz vor elf Uhr. Brooner sitzt auf seinem Rollator am Gehsteig der Abbey Road und will sich anschauen, was hier heute passiert. In einer halben Stunde, darauf haben sich die Beatles-Historiker geeinigt, wird es genau 40 Jahre her sein, dass die vier Musiker für die Fotoaufnahmen die Abbey Road überquerten.

          Genau vor 40 Jahren überquerten die Musiker für Fotoaufnahmen den Zebrastreifen Bilderstrecke

          Das Album ist Ende September 1969 auf den Markt gekommen. Seither gab es keinen Tag, an dem an der Abbey Road nicht scharenweise Menschen über den Zebrastreifen gegangen sind. Weil es eben dieser eine Zebrastreifen ist. Die Leute kommen aus der ganzen Welt hierher in die unscheinbare Straße im stillen St. John’s Wood. Sie behindern manchmal den Verkehr, wenn sie unvermittelt mitten auf der Straße stehen bleiben. „Es gibt hier jede Menge fluchende Taxifahrer“, sagt David Brooner.

          Hunderte drängen sich um den Zebrastreifen

          So viele Menschen wie heute morgen hat Brooner noch selten hier gesehen. Es sind Hunderte, die sich um den Zebrastreifen drängeln und rasch die Straße blockieren. Beatlemania auf der Abbey Road. Sie knipsen einander beim Überqueren der Straße, posieren mit dem Plattencover. Später fährt eine Combo von vier Beatles-Doubles in einem Rolls-Royce vor. Er ist flowerpowerbunt bemalt wie damals der von John Lennon. Sie nennen sich „Sergeant Pepper’s only Dart Board Band“.

          Irgendwann stimmt ein Grüppchen den Refrain von „Hey Jude“ an, dann „I saw her standing there“ und dann „All my loving“. Teenager mit dem Albumcover von „Revolver“ auf dem T-Shirt, singen jede Zeile mit. Lennon ist seit 29 Jahren tot, George Harrison starb 2001. Die Musik der Beatles lebt.

          Der Himmel ist an diesem sonnigen Augustmorgen so blau wie auf dem Albumcover. Der Fotograf stand damals auf einer Leiter mitten auf der Straße. Er soll nur 15 Minuten Zeit bekommen haben für seine Aufnahmen. Die Beatles wollten zurück ins Studio. „Abbey Road“, obwohl vor dem Album „Let it be“ veröffentlicht, war die letzte gemeinsame Arbeit der damals schon heillos zerstrittenen Band. „Wir wussten alle, dies ist das Ende“, erinnerte sich später ihr kongenialer Produzent George Martin an die Atmosphäre im Studio. „Abbey Road“ gilt den Fans als eine ihrer besten Platten.

          „Er will nur hier sein.“

          Als sich die Beatles im Sommer 1969 noch einmal in der Abbey Road Nr. 3 zusammenrauften, war Mats Bjorklund ein kleiner Junge in Schweden. Aber er war schon damals ein Beatles-Besessener. Bjorklund wird diesen Sommer fünfzig, und er lebt seit vielen Jahren in Australien. Er ist gerade auf Europareise zusammen mit seiner Frau. „Wir haben den Urlaub so gelegt, dass ich heute hier sein kann“, sagt er.

          Gestern war der Beatles-Weltreisende schon in den Trident-Studios in Soho, wo seine Helden auch aufgenommen haben, und er hat es sogar irgendwie geschafft, sich in die Air-Studios von George Martin in Hampstead zu einzuschmuggeln. Jetzt steht er am Rand der Menschenmenge und schaut. Mats Bjorklund will an diesem Tag nirgendwo anders sein. Er will nicht über den Zebrastreifen gehen. Er will nur hier sein.

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