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Liveprobe mit Grandbrothers : Die Magie, die Musik auf einer Bühne bewirken kann

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Das Elektro-Klavier-Duo Grandbrothers probt für das Frühjahr. Dann könnten Auftritte in London, Berlin und Paris anstehen, wenn das Virus sie zulässt. In einem Theater in Bochum ist zu spüren, was lange gefehlt hat.

          5 Min.

          In diesem Saal liegt etwas in der Luft. Musik, Freude, Spektakel. Rund 100 Zuschauer würden in das Bochumer Prinz-Regenttheater passen, aber derzeit steht es leer. Auf der Bühne nur ein schwarzer Flügel und ein großer grauer Tisch. Unverputzte Klinkerwände, ein riesiger schwarzer Vorhang, beigefarbene Dielen, Theaterlicht. „Schon extrem staubig“, sagt Lukas Vogel, eines der beiden Mitglieder der Band Grandbrothers. Es ist halb elf am Morgen. Der Staub hat sich während der Corona-Pause auf die elektronischen Geräte gelegt, monatelang gab es keine Auftritte.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Ihre lang vorbereitete Plattenproduktion haben sie durch Zufall so gelegt, dass sich 2020 nicht wie ein verlorenes Jahr anfühlt. Jetzt ist das neue Album „All The Unknown“ fertig, es erscheint Mitte Januar. Und Konzerte stehen in Aussicht, sofern die Pandemie sie zulässt. Paris, Berlin, London, Hamburg.

          Das deutsch-schweizerische Duo ist eine internationale Angelegenheit. Ihre frühe Single „Ezra Was Right“ hat der Londoner DJ Gilles Peterson mehrfach in seiner vielbeachteten Radiosendung gespielt und für eine seiner Sammel-CDs ausgewählt. „Bloodflow“ vom zweiten Album „Open“ wurde bei Spotify 17 Millionen mal abgerufen und inspirierte die französischen Filmemacher Éric Toledano und Olivier Nakache („Ziemlich beste Freunde“), die Grandbrothers mit dem Soundtrack zu ihrer Autismus-Komödie „Alles außer gewöhnlich“ zu beauftragen. Vogel und seinen Partner Erol Sarp brachte das 2019 auf den roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes. Von Kraftwerk und Neu! über Propaganda, Kreidler und Hauschka wird Musik aus Düsseldorf im Ausland mindestens so sehr geschätzt wie in Deutschland. Grandbrothers bilden da keine Ausnahme.

          „Wir gingen einen Schritt weiter“

          Um kurz nach halb elf decken Sarp und Vogel den Leihflügel ab. Sarp befestigt drei graue Stangen auf dem Gehäuse. Hier werden kleine selbstgebaute Trigger befestigt. So können die beiden Mittdreißiger das Instrument gleichzeitig spielen: der frühere Jazzpianist Sarp über die Tastatur, der Technikfreak Vogel mit Hilfe einer immer anspruchsvolleren Apparatur, mit der er die Saiten ansteuern und am Gehäuse Beats erzeugen kann. Dadurch entstehen melodisch und rhythmisch facettenreiche Stücke wie „Sonic Riots“ oder „Arctica“, zu denen auf Konzerten sogar zurückhaltend getanzt wird, obwohl alle Sounds aus dem Flügel und nicht von Schlagzeugen oder Drummaschinen erzeugt werden. Während Sarp mit einem Schraubendreher regelrecht am Sound schraubt, beginnt Vogel mit dem Aufbau seiner Gerätschaften. In der Musik der Grandbrothers finden das Sinnliche eines Klaviers mit dem Technischen von Delay-Effekten und Midi-Controllern zusammen. Zwei Männer spielen ein Klavier, einer mit Händen, einer mit Hardware.

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