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Liebesbeziehung auf Facebook : Uns wurde ganz süß zumute

  • -Aktualisiert am

Meizi ist 26 und seit sechs Jahren mit Andreas alias Baozi zusammen. Auf Facebook verdient sie mit Product Placements inzwischen mehr als in ihrem alten Job als Tourismuskauffrau. Bild: Philip Lisowski

Eine Taiwanerin und ein Deutscher lieben sich. Auf Facebook lassen sie mehr als 100 000 Fans an ihrem Beziehungsleben teilhaben, die Seite ist die beliebteste ihrer Art in Taiwan. Doch nicht jeder heißt die Beziehung gut.

          Am 4. Juni dieses Jahres schreibt Meizi auf ihrer Facebook-Seite: „Vor lauter Aufregung möchte ich jetzt kreischen!!!!!!!!!!!!! Gerade habe ich ganz liebevoll zu Baozi gesagt: Wie wär’s, wenn wir im Juni eine kleine Reise machen, drei Tage, zwei Nächte?“ 57 Personen kommentieren das. 5259 Personen gefällt das.

          Für die sechsundzwanzigjährige Taiwanerin, die nur mit Spitznamen Meizi und eigentlich Hsu Li Ting heißt, ist es nicht ungewöhnlich, mit ihren Glücks- und Liebesbekundungen regelmäßig Tausende von Facebook-Fans zu erreichen. 112 525 Personen gefiel ihre Facebook-Seite am vergangenen Freitag. Um das mal in Relationen zu setzen: Nora Tschirner kommt in dem weltweit größten sozialen Netzwerk auf rund 62 000, die offizielle Seite von Matthias Schweighöfer auf gut eine Million Likes.

          Ein bis fünf Posts hinterlässt Meizi täglich im Strom der Kurzmitteilungen. Und Baozi, der im analogen Leben ihr Verlobter ist und Andreas Baumeister heißt, ist ihr Garant für hohe „Gefällt mir“-Zahlen. Garniert mit schönen Fotos des Paars, knacken die Klickzahlen dann schon mal die 20 000-Marke.

          Giraffe und Zwerg

          „Am 17.12.2007 verliebten sich Baozi und Meizi“, erklärt die Info-Rubrik von Meizis Facebook-Seite, die den Titel „Der deutsche Baozi + die taiwanische Meizi“ trägt. In der Beschreibung der Seite heißt es außerdem programmatisch: „Hier teile ich das süße LOVE-Tagebuch von Baozi und Meizi.“ Tatsächlich geht es um nichts anderes: Auf Facebook kommentiert die Tourismuskauffrau Meizi ihre Beziehung mit dem bayrischen Karosseriemodellbauer Andreas Baumeister, genannt Baozi.

          Doch Meizi ist mit ihrem chinesischen Liebesgezwitscher nicht alleine. Schaut man sich auf Facebook um, findet man Dutzende Seiten, auf denen junge Taiwanerinnen von ihren Liebschaften mit - überwiegend - westlichen Freunden schwärmen. Die Seiten heißen beispielsweise „Das Wunderland der Giraffe und des Zwergs“ oder „Die fantastische Reise von Alisa und Benjamin“ und ziehen Tausende von Fans in ihren Bann.

          Mit mehr als 100 000 Fans aber ist Meizi Spitzenreiterin unter den taiwanischen Beziehungsbloggerinnen. Der in Taiwan lebende slowenische Blogger Nino Novak veröffentlichte im Juni eine Liste mit 25 taiwanisch-ausländischen Beziehungsprofilen und fragte im Titel des Blogeintrags: „Are white guys status symbols for Taiwanese girls?“ - Sind weiße Männer Statussymbole für taiwanische Mädchen?

          Bis zu fünf Posts schreibt Meizi jeden Tag.

          Baozi macht jetzt Bachelor in chinesischer Literatur

          Ein Nürnberger Julitag, Sonnenstrahlen löchern den wolkenverhangenen Himmel, ab und an fällt Nieselregen. Meizi, zu Besuch in Deutschland, trägt Minirock, rosa Ballerinas und eine hellblaue Handtasche. Sie überlegt, wie sie auf die Idee kam, eine chinesische Beziehungsseite einzurichten. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren“, sagt sie zu ihrer Facebook-Offensive. Und warum ist es in Taiwan en vogue, über Beziehungen mit Ausländern zu bloggen? Sie schüttelt den schwarzen Pony, blickt zu Baozi, der neben ihr am Cafétisch sitzt.

          Das sei nicht so einfach, meldet sich Baozi zu Wort, der nach der Karosseriemodellbau-Ausbildung in Taiwan Chinesisch lernte, schließlich ein Studium der chinesischen Literatur begann und gerade ein Urlaubssemester nimmt, um in Deutschland „ein paar private Sachen zu regeln“. „Einige taiwanische Männer sind sehr traditionell und gehen nicht so auf Frauen ein“, sagt er. „Manche Frauen sind deshalb nicht so zufrieden mit ihnen und haben besonderes Interesse an westlichen Ausländern.“ Meizi blickt ihn aus den Augenwinkeln an. „Bei uns war das natürlich nicht so“, beeilt er sich zu erklären, „es hat halt einfach gepasst.“

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