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Liebesbeziehung auf Facebook : Uns wurde ganz süß zumute

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Auf die Inhalte kommt es an

Die These seines letzten Aufsatzes, den er auf der populärwissenschaftlichen Internetseite PanSci.tw veröffentlich hat, musste er allerdings revidieren. Er hatte darauf hingewiesen, dass es keine statistischen Indizien dafür gebe, dass es Xicanmei wirklich gebe. Das taiwanische Magazin „Business Weekly“ empfahl den Aufsatz auf seiner Internetseite. Prompt hagelte es massive Kritik. Zu theorielastig, zu wenig taiwanische Quellen, lautete der Tenor. Cheng ruderte zurück. In einem zweiten Artikel räumte er ein, dass es den Frauentyp der Xicanmei wohl doch gebe, mahnte aber zu mehr Besonnenheit in der hitzig geführten und zuweilen nationalistisch gefärbten Diskussion.

„Taiwan ist ein komischer Ort“, sagt Cheng mit Kopfhörern über den Ohren, „wir wurden von Portugiesen, Holländern, Spaniern, Japanern und Amerikanern kolonisiert. Bis heute messen wir uns an importierten Schönheitsidealen und führen zu diesen Ländern und uns selbst eine Hassliebe.“ Dass die Vereinigten Staaten Taiwan nicht kolonisierten, sondern nach dem Zweiten Weltkrieg mit USAID, Coca-Cola und Rock’n’ Roll gegen den festlandchinesischen Kommunismus verteidigten, übergeht der Psychologe in seiner Erklärung.

Könnte ein taiwanisch-taiwanisches Beziehungsblog den gleichen Bekanntheitsgrad erreichen wie „Der deutsche Baozi + die taiwanische Meizi“? Die Taiwanerin meint: „Es kommt drauf an, was für Inhalte man mit den Fans teilt.“ Der Deutsche ergänzt: „Schon möglich, die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer. Immerhin ist unsere Seite für Taiwaner etwas Neues, und sie können etwas über Deutschland lernen.“ Psychologe Cheng Wei-Chuan sagt: „Im Netz ist das genauso wie in der analogen Welt: Weiße erregen in Taiwan einfach mehr Aufmerksamkeit.“

Meizi und Baozi wollen heiraten

Meizi und Baozi jucken die sporadischen Schmähungen daher nicht. Am 17. Dezember 2013, dem sechsten Jahrestag ihrer Beziehung, wollen sie in Taiwan heiraten. Auch in Zukunft wird Meizi ihre Facebook-Seite fleißig füttern. Ihr Internetruhm machte sie zu einer gefragten Werbefigur für taiwanische Kosmetik- und Bekleidungsfirmen. Derzeit verdient sie mit ein bis zwei Product Placements pro Woche mehr als mit ihrem letzten Job im Kundenservice eines großen taiwanischen Lebensmittelunternehmens. „Bei Interesse an Kooperation schicken Sie bitte eine E-Mail“, steht auf ihrer Facebook-Seite.

Am 3. September - Meizi ist inzwischen zurück nach Taiwan geflogen, Baozi wird ihr bald folgen - schreibt Meizi auf „Der deutsche Baozi + die taiwanische Meizi“: „Nichts in einer Fernbeziehung ist schmerzlicher als die Zeitverschiebung. . . An zwei Enden der Welt gehen wir getrennt unseren Leben nach. So können wir täglich nur warten; warten, bis der andere online ist. Gestern Abend um 23:00 schrieb ich Baozi eine Nachricht: Schatz, wenn ich täglich die Nacht durchmache, um auf dich zu warten, ist das echt sehr anstrengend. Später versprach mir dieser Mann, in Zukunft erst online zu gehen und dann seine anderen Sachen zu erledigen. Als wir das fertig besprochen hatten, wurde uns beiden aus Versehen ganz süß zumute und wir schätzten uns noch mehr.“

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