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Libyen : Immer diese Gaddafis

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Motassim Bilal bei der Kür der Miss Adria in Kroatien, 2005 Bild: picture-alliance/ dpa

Schon wieder gibt es diplomatischen Ärger wegen der Eskapaden eines der Söhne des libyschen Revolutionsführers. Nicht zum ersten Mal. Und ganz sicher nicht zum letzten.

          Der Hilferuf erreichte die Genfer Polizei am 12. Juli 2008. Aus dem noblen Hotel „Président Wilson“ meldeten sich zwei Hausangestellte aus dem Gefolge eines prominenten Gastes und gaben an, von ihren Herrschaften geschlagen, bedroht und eingesperrt worden zu sein. Umgehend rückten die Beamten aus und stellten fest, dass die Bediensteten tatsächlich verletzt waren. Um wen es sich bei ihren Vorgesetzten handelte, ließ sich schnell ermitteln.

          Doch einen Gaddafi verhaftet man nicht einfach so - das scheinen die Schweizer Ordnungshüter unterschätzt zu haben. Mehr als ein Jahr nach dem Vorfall kämpfen Schweizer Behörden immer noch mit den Folgen des Polizeieinsatzes, der Hannibal Gaddafi, dem fünften Sohn des libyschen Staatsoberhauptes Muammar Gaddafi, und seiner Frau Aline galt.

          Hannibal und die europäische Polizei

          Schon mehrmals hat der zweiunddreißigjährige Hannibal in Europa Bekanntschaft mit der Polizei gemacht - und die zog dabei meistens den Kürzeren. 2001 schlug er nach einer Sauftour mit Hilfe seiner Bodyguards einen römischen Polizisten krankenhausreif. 2004 raste der libysche Dandy im Porsche betrunken über die Pariser Champs-Élysées - teilweise auf der Gegenfahrbahn; als die Polizei ihn in Gewahrsam nehmen wollte, eilten ihm seine Leibwächter zu Hilfe, auch in diesem Fall bezogen die Polizisten Prügel. Nur ein Jahr später randalierte er, ebenfalls in Paris, in einem Hotel. Nachdem sich jedes Mal libysche Diplomaten eingeschaltet hatten, konnte Hannibal stets ungeschoren nach Hause fliegen.

          Muammar Gaddafi am vierzigsten Jahrestag seiner Machtübernahme

          Nicht ganz so reibungslos verlief die Angelegenheit in Genf. Obwohl auch diesmal Diplomaten Hannibal zu Hilfe geeilt waren, stürmten zwanzig Polizeibeamte schließlich die Suite der Gaddafis, überwältigten die Leibwächter und führten Hannibal in Handschellen ab. Seine hochschwangere Frau Aline wurde unter Bewachung ins Krankenhaus gebracht.

          Zwei Tage später kamen die beiden gegen Kaution auf freien Fuß. Doch damit war die Geschichte längst nicht zu Ende. Wie ein Racheengel trat die Gaddafi-Tochter Aisha wenig später in der Lobby des „Président Wilson“ vor die Presse und kündigte Vergeltung an: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Zwar zogen die beiden Hausangestellten der Gaddafis ihre Anzeigen - angeblich gegen eine Entschädigungszahlung - zurück. Doch einer von ihnen erfuhr kurz darauf, dass sein Bruder daheim spurlos verschwunden sei. Libyen schloss die Büros sämtlicher Schweizer Unternehmen, strich Flüge der „Swiss“ nach Tripolis und nahm zwei Schweizer Geschäftsleute in Haft mit der Begründung, sie hätten gegen Visa-Bestimmungen verstoßen. Obwohl sich der Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz inzwischen offiziell bei den Libyern entschuldigt hat, hält Gaddafi sie bis heute in Tripolis fest.

          Das widerspricht zwar dem Bemühen des Landes, nach Jahren der Konfrontation mit dem Westen politisches Tauwetter zu schaffen. Mittlerweile darf sich Muammar Gaddafi aber sogar wieder in den Vereinigten Staaten und Europa zeigen. Von den Medien wurden seine Besuche bei Nicolas Sarkozy oder Silvio Berlusconi aufmerksam begleitet. Weniger bekannt ist, dass seine Kinder schon viel früher den Westen bereisten, teilweise an europäischen Universitäten studierten und Kontakte in Gesellschaft und Politik knüpften. In Erscheinung traten sie hauptsächlich dann, wenn sie durch schlechtes Benehmen aufgefallen waren. Offiziell bekannt sind acht Gaddafi-Kinder, sieben Söhne und eine Tochter, und was Skandalgeschichten betrifft, stehen sie untereinander in eifrigem Wettbewerb. Doch die meisten dieser Storys sind kaum zu verifizieren. Wer Genaues weiß, redet ungern darüber. „Heikel“ ist ein Wort, das im Umfeld der Gaddafi-Familie des Öfteren fällt.

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