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Letizias Baby : König, Dame, Verfassungsreform

  • -Aktualisiert am

Erwarten im November Nachwuchs: Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia Bild: REUTERS

Prinzessin Letizia und Kronprinz Felipe von Spanien erwarten ein Baby. Die Spannung ist groß, ob es ein Mädchen oder Junge wird. Denn noch gibt die spanische Verfassung männlichen Thronfolgern den Vortritt.

          3 Min.

          Ob sein siebtes Enkelkind "etwas Besonderes" sei, wurde König Juan Carlos I. gefragt. In diese Falle ging der erfahrene Großvater aber nicht. "Nein", so erwiderte er, "es wird genaso behandelt werden wie die anderen." Der spanische Monarch verhehlte nicht, daß er "sehr erfreut" über die Nachricht sei, daß sein Sohn, Kronprinz Felipe, und dessen Frau, die frühere Fernsehjournalistin Letizia Ortiz, für den November Nachwuchs erwarten.

          Damit ist der Fortbestand der Dynastie gesichert, und der König mag sich in dieser Hinsicht unter veränderten Vorzeichen beruhigt überlegen, wie lange er selbst noch an der Spitze der iberischen parlamentarischen Monarchie stehen will. Die "Nummer 7" ist gleichwohl "etwas Besonderes", weil sie in der Reihe der spanischen Thronerben - nach dem Vater und vor dessen Schwestern und deren Kindern - sogleich zur "Nummer 2" aufrücken wird. Ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, ist da einerlei.

          Verfassung bevorzugt männliche Nachkommen

          Sollte es aber ein Mädchen werden und danach noch ein Bruder kommen, würde der Jüngere - so wie im Fall Felipes - die ältere Schwester von ihrem privilegierten Platz verdrängen. So steht es noch in der spanischen Verfassung aus dem Jahr 1978, in welcher damals, auf Dringen des hier traditionalistisch denkenden Königs Juan Carlos, bei der Nachfolge ausdrücklich einem Sohn der Vorzug vor einer Tochter gegeben wurde.

          Ob der Nachwuchs ein Junge oder Mädchen wird, verraten die Eltern noch nicht
          Ob der Nachwuchs ein Junge oder Mädchen wird, verraten die Eltern noch nicht : Bild: dpa/dpaweb

          Die Zeiten haben sich aber geändert, und Spanien steht inzwischen unter den europäischen Königshäusern mit konstitutionellem Fundament mit dieser "Diskriminierung" alleine da. Also müßte die Verfassung geändert werden, was Felipe und Letizia grundsätzlich befürworten und der neue sozialistische Ministerpräsident Zapatero sogar in seinem Wahlprogramm als wünschenswert vermerkt hatte. Aber so einfach wird es nicht werden, einen spanischen Erbfolgesieg für die Gleichberechtigung zu erringen.

          Zweidrittelmehrheit für den Ungeborenen

          Denn eine Verfassungsreform bedarf dreier Schritte: Der Zustimmung beider Kammern des Parlaments mit Zweidrittelmehrheit samt einer "sofortigen" Auflösung der Cortes; der Ausschreibung von Neuwahlen, nach denen dann das nächste Parlament wiederum mit Zweidrittelmehrheit die Änderung gutheißen muß; schließlich noch einer Volksabstimmung zur Ratifizierung. Zwar sind sich die sozialistische Regierungspartei Zapateros und die oppositionelle konservative Volkspartei im Prinzip darin einig, daß der "Königsparagraph" (Artikel 57 in der spanischen Magna Carta) modernisiert werden sollte. Die Frage ist nur: wann und wie rasch?

          Zapateros erste Reaktion, in der von Sorgfalt und Bedacht die Rede war, zeigte, daß der seit gerade einem Jahr regierende Ministerpräsident keinerlei Neigung verspürt, jetzt das Parlament aufzulösen und seinen Posten zur Disposition zu stellen. Derlei könnte nach praktischer parlamentarischer Vernunft bis zum Ende der Legislaturperiode aufgeschoben und dann mit turnusmäßigen Wahlen verbunden werden.

          Hoffnung auf das siebte Enkelkind

          Außerdem stehen in Spanien noch drei weitere Verfassungsänderungen - wegen des Europäischen Verfassungsvertrags sowie wegen geplanter Reformen der regionalen Autonomiestatute und des Senats - an, die dann "in einem Aufwasch" miterledigt werden könnten. Das kompliziert aber die Angelegenheit, weil der Thronfolgekonsens zwischen Sozialisten und Konservativen nicht unbedingt bei den übrigen Themen trägt.

          Andererseits wäre es delikat, die königliche Korrektur separat vorzunehmen, weil daraus in einem doch noch bei allem Respekt für Juan Carlos weithin "republikanischen" Land eine Art unerwünschtes Referendum über die Monarchie werden könnte. Das Problem ließe sich leicht sogar noch um eine Generation verschieben, wenn der siebte Enkel ein Junge würde.

          Die Vorfreude überwiegt

          Bei Zwillingen, wie sie vor Monaten schon einmal gerüchteweise in die Diskussion gelangten, wäre die Reihenfolge bei der Geburt entscheidend. Sollte es aber ein Mädchen werden, entstünde für die Politiker Zugzwang. Noch ist die vorherrschende Ansicht, daß dann die Verfassung geändert werden müßte, "bevor" ein Brüderchen nachkommt, weil es sich nicht sehr nobel ausnähme, der Gleichberechtigung "rückwirkend" aufzuhelfen. Abgesehen von all diesen Feinheiten, ist das Gros der Spanier, ob monarchistisch oder nicht, erst einmal erleichtert, daß die 32 Jahre alte Prinzessin schwanger ist.

          Die Wartezeit zog sich nahezu ein Jahr nach der Hochzeit am 22. Mai in die Länge, und sie ging zwischendurch mit allerlei für das Königshaus wenig erfreulichen Spekulationen über angebliche Magersucht und eventuell notwendige künstliche Befruchtung einher. Nun, da die Befruchtung, wie es heißt, ganz "normal" vonstatten ging, machen sich einschlägige Palastbeobachter schon Gedanken darüber, ob auch eine "normale" Geburt folgen werde oder ob, weil der nächste König so groß und die Prinzessin so schlank seien, ein Kaiserschnitt erforderlich werde.

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