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Letizia von Spanien : Die Prinzessin auf der Erde

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Volksnähe light: Prinzessin Letizia gilt weithin als nicht besonders nahbar Bild: dpa

Vor zehn Jahren haben Letizia Ortiz und Felipe von Bourbon geheiratet. Doch auch ein Jahrzehnt nach der Hochzeit mit dem spanischen Thronfolger ist die bürgerliche Fernsehjournalistin immer noch nicht so richtig beliebt.

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          Die geschiedene Bürgerliche, die sich in eine redlich bemühte, aber dünnhäutige Prinzessin auf der Erbse verwandelte – sie hat in der spanischen Bevölkerung zur Zeit die schwächsten Sympathiewerte der Mitglieder des Königshauses, noch hinter Juan Carlos. Ihr Mann, der ruhige, vorsichtige, allen Anschein des Thronfolge-Drängelns vermeidende Königssohn Felipe, hat die höchsten, zusammen mit seiner Mutter Sofía.

          Das ungleiche Paar, das inzwischen zwei Töchter im Schulalter hat, feiert an diesem Donnerstag seinen zehnten Hochzeitstag. Indes ist keine große Foto-Präsentation für die Medien und die Untertanen geplant. Im Zeichen von Krise und Austerität ist der Donnerstag zumindest nach außen ein gewöhnlicher Arbeitstag.

          Als Felipe von Bourbon am 6. November formell um die Hand der Fernsehjournalistin und Nachrichtensprecherin Letizia Ortiz anhielt, prägte sich eine Szene für alle Zeiten ein: „Lass mich ausreden“, sagte die künftige Prinzessin von Asturien und setzte so gegenüber dem Kronprinzen schon einmal einen entschieden neuen Ton. Der Ruf, sie werde fortan in dieser Ehe die Hosen anhaben, war begründet und wird bis dato von niemandem ernsthaft bestritten. Die ehrgeizige, eigenwillige und in ihrem Beruf überaus erfolgreiche Aufsteigerin aus der unteren Mittelschicht residiert seit der verregneten Hochzeit am 22. Mai 2004 in einem Palast mit 16000 Hektar, mit Hirschen draußen und Leibwächtern drinnen.

          Die Prinzessin übt sich in Perfektion

          Sie hat in dieser Zeit weder einen Skandal verursacht noch einen wirklich aufsehenerregenden Fauxpas begangen. Sie ist eine vorbildliche Mutter und geht bei offiziellen Anlässen, wenn sie daran denkt, einen halben Schritt hinter ihrem Mann. Sie hat das royale Protokoll studiert, die Geschichte der Bourbonen und nebenbei auch noch Englisch. Sie kann bei Begegnungen und Konferenzen intelligent zur Sache reden und sieht immer aus wie frisch aus dem Modejournal gepellt. Dennoch genießt sie nur die Zuneigung halb Spaniens; bei den Jüngeren sind es noch weniger. Woran liegt das? An ihrer dominierenden Persönlichkeit und Perfektion, ihrer kühlen Ausstrahlung, ihrer Distanziertheit und ihrem starken Charakter? An der Nasenoperation, diversen kosmetischen Retuschen, der außerordentlichen Schlankheit und den Bildern mit Lederjacke auf Rockkonzerten? Aus all diesen Elementen, dazu noch den Berichten über gelegentliche Ehekräche, einsame Ausflüge ins Kino und die eine oder andere Auseinandersetzung mit Paparazzi fügt sich für das Publikum ein durchwachsenes Bild ihrer zukünftigen Königin.

          Ein Sprecher des Hofes gab unlängst zu, dass es in dieser zehnjährigen Partnerschaft durchaus „Höhen und Tiefen“ gebe. Insgesamt wirken die beiden aber unverändert verliebt und professionell stabil. Die demnächst 42 Jahre alte Prinzessin, die als Mutter der Thronerbin Leonor und ihrer Schwester Sofía die „dynastische Pflicht“ erfüllt hat, schöpft daraus erkennbar Selbstbewusstsein. Sie fürchtet auch König Juan Carlos nicht, der sie als Schwiegertochter erst nicht wollte – und nur akzeptierte, weil sein Sohn damit drohte, sonst auf die Krone zu verzichten.

          Seit Februar bezieht Letizia Ortiz, so wie es der König im Zeichen finanzieller Transparenz verfügt hat, auch ein festes Gehalt von 102464 Euro im Jahr. Dafür reist sie mit dem 46 Jahre alten Felipe für Spanien werbend um die Welt oder auch allein zu Wohltätigkeitsveranstaltungen. Dass dabei dann fast immer nur von ihren Kleidern, ihrer Frisur und dem Makeup die Rede ist, stört sie, aber doch wiederum nicht so sehr, dass sie auch nur einen Deut auf augenfällige Designer-Vielfalt verzichten würde.

          Das Verhältnis zu dem 76 Jahre alten König ist gewiss nicht das herzlichste. Für die Verbreitung der Gerüchte, dass sie den größten Druck mache, damit er so bald wie möglich zugunsten ihres Mannes abdanke, kann sie aber nichts. Das Verhältnis zur Schwägerin Cristina und zum Schwager Iñaki Urdangarin ist hingegen unleugbar kalt, seit der bürgerliche Mann der Infantin in eine zähe Korruptionsaffäre verwickelt ist, die ihn noch ins Gefängnis bringen könnte. Dass Iñaki und Cristina, die immer alles „aus Liebe“ unterschrieb, die Institution und den künftigen Felipe VI. so sehr in die Bredouille brachten, verzeiht vielleicht der Bruder, nicht aber die Schwägerin.

          Einzelheiten zum Ehevertrag bekannt geworden

          Alle Mitglieder des Königshauses erhalten täglich Berichte darüber, wie in den nationalen und internationalen Medien über sie berichtet wird. Die Artikel über Letizia und ihre von mehreren Schicksalsschlägen heimgesuchte zerstrittene Familie sind selten schmeichelhaft: Eltern geschieden, Suizid einer Schwester, peinliches Enthüllungsbuch eines Vetters. Durch diesen Cousin, der früher für sie als juristischer Berater tätig war, sind auch Einzelheiten über ihren Ehevertrag bekannt geworden. Demnach herrscht Gütertrennung. Bei Scheidung bekäme sie zwar eine Apanage und eine Sommer- und Winterresidenz, aber nicht das Sorgerecht für die Kinder. Leonor und Sofía blieben beim Vater im Palast.

          Doch einstweilen spricht trotz Höhen und Tiefen alles dafür, dass auch die Mutter dort bleibt. Sie ist dem Kronprinzen eine inzwischen gestählte und komplementäre Gefährtin. Das gilt, wie die letzte gemeinsame Amerikareise und zahlreiche andere Stellvertreter-Auftritte für den lange kränkelnden König zeigten, auf internationalem Parkett. Zu Hause ist ihre Stellung, außer in schwankenden Beliebtheitsumfragen, unangefochten. Jedenfalls hat das Königshaus schon vor geraumer Zeit „Königin Letizia“ als Markenzeichen eintragen lassen.

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