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Leonid Kadenjuk war Teilnehmer der Nasa-Mission STS-87 an Bord einer „Columbia“-Raumfähre. Bild: NASA

Leonid Kadenjuk : Erster ukrainischer Raumfahrer gestorben

  • -Aktualisiert am

Leonid Kadenjuk flog an Bord einer amerikanischen Raumfähre durch das All und wurde zum ersten Astronauten der unabhängigen Ukraine. Sein Tod sorgt für Anteilnahme bis in höchste Kreise.

          Die Ukraine trauert um ihren ersten Astronauten seit der Unabhängigkeit des Landes. Leonid Kadenjuk verstarb am Mittwoch im Park „Zarskoje Selo“ in der Landeshauptstadt Kiew. Das berichtet die ukrainische Nachrichtenagentur UNN unter Berufung auf das Umfeld Kadenjuks. Demnach erlitt der frühere Astronaut einen Herzinfarkt während seines morgendlichen Spazierganges und verstarb, noch bevor Erste Hilfe eintreffen konnte. Er wurde 67 Jahre alt.

          Kadenjuk wurde am 28. Januar 1951 in der ukrainischen Siedlung Klischkiwzi im Kreis Tschernowitz nahe der Grenze zu Rumänien und Moldau geboren. Nach einer Ausbildung zum Flugingenieur an der Höheren Militärfliegerschule in Tschernihiw 1971 ließ er sich am Vorbereitungszentrum für Astronauten „Juri Gagarin“ zum Weltraumpiloten ausbilden. Den Abschluss dort erhielt er 1978. Anschließend wurde er in den Verband der Astronauten der Sowjetunion aufgenommen.

          Nach dem Zerfall der Sowjetunion nahm Kadenjuk 1995 die ukrainische Staatsbürgerschaft an. Im selben Jahr wurde er ausgewählt für eine Gruppe von Astronauten der staatlichen Raumfahrtagentur der Ukraine und als Spezialist für Nutzlast auf einen Weltraumflug der Nasa vorbereitet. Vom 19. November bis 5. Dezember 1997 flog er im Rahmen der Mission STS-87 an Bord der amerikanischen Raumfähre „Columbia“ durch das All. Damit ist er der erste und bislang einzige ukrainische Pilot im Weltall. Während der Mission führte Kadenjuk verschiedene biologische Experimente mit Pflanzen durch, darunter mit Rüben, Soja und Moos. Für seine Leistungen wurde er Anfang 1998 mit dem Tapferkeitsorden erster Klasse ausgezeichnet und im Folgejahr zum „Helden der Ukraine“ ernannt.

          Kadenjuk engagierte sich auch politisch: Von 2002 bis 2006 gehörte er als Abgeordneter für die „Volkspartei“ der Werchowna Rada, dem ukrainischen Nationalparlament, an. Prominente ukrainische Politiker bekundeten öffentlich ihr Beileid. „Leonid Kednjuk ist in die Ewigkeit gegangen“, schrieb Präsident Petro Poroschenko auf Facebook. „Er reihte sich ein in die Riege jener ruhmreichen Ukrainer, die der Menschheit den Weg zu den Sternen gebahnt haben: Kibaltschitsch, Kondratjuk, Koroljow und andere.“ Juri Kondratjuk und Sergej Koroljow waren aus der Ukraine stammende sowjetische Raketenforscher. Nikolaj Kibaltschitsch, ebenfalls Ukrainer, war zu Zarenzeiten Revolutionär und Erfinder, der sich schon Ende des 19. Jahrhunderts mit der Idee befasste, Raketen als Flugapparate zu entwickeln.

          Auch der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman äußerte sein Bedauern. „Leonid Kadenjuk ist gestorben. Eine echte Menschheitslegende. Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen und Nächsten“, schrieb der Politiker auf Facebook.

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