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Laufen im Alter : Ist jetzt Schluss?

  • -Aktualisiert am

Fit als Senior: Werner Sonne in dieser Woche beim Joggen in einem Park in Berlin-Steglitz Bild: Andreas Pein

Der ehemalige ARD-Korrespondent Werner Sonne läuft mit fast 70 Jahren noch regelmäßig. Doch er spürt zum ersten Mal das Alter. Der Schreck sitzt ihm deswegen noch in den Gliedern. Geht es trotzdem weiter? Ein Lauf durch Berlin.

          6 Min.

          Als ich morgens noch schnell die Brötchen holen gehe, zeigt das Thermometer kühle 9,5 Grad. Der Himmel ist grau verhangen. Sonst ist bei diesem Lauf, der sich „The Great 10 K“ nennt, das Wetter immer schön, Sonnenschein, noch angenehme Temperaturen, diesmal nicht.

          Irgendwie passt das. Die beste aller Ehefrauen (Copyright: Ephraim Kishon) fragt, wie ich mich so fühle. Neutral, sage ich ausweichend. Tatsächlich bin ich angespannt, verunsichert. Der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern. In einem halben Jahr bin ich 70. Ich laufe seit über 40 Jahren, meinen ersten Halbmarathon habe ich mit 58 geschafft. Aber jetzt plötzlich die Frage: Ist nun Schluss?

          Durchhaltevermögen gefragt

          Beim letzten 10-Kilometer-Lauf, der City Night auf dem Berliner Ku’damm, bin ich zu schnell losgerannt, und nach gut sieben Kilometern kam das, was die Marathon-Läufer als den „Mann mit dem Hammer“ bezeichnen – ich brach ein, die letzten 2,5 Kilometer brachte ich nur noch mit äußerster Willenskraft zu Ende. Natürlich war klar, ich würde nicht aufgeben, schon gar nicht vor den Tausenden von Zuschauern an diesem Sommerabend. Also Zähne zusammenbeißen, durchhalten, keine Schwäche zeigen.

          Hinter dem Ziel musste ich mich aber erschöpft abstützen, der Kreislauf meldete sich. Ein Sanitäter sagte, ich solle besser gerade stehen, tief durchatmen. Er reichte mich an den Sportarzt weiter. Der fragte, ob dies mein erster Lauf sei. Nein, sagte ich, einige hundert hätte ich hinter mir. Er schaute prüfend, winkte mich durch. Dann ging es wieder. Aber es war das erste Mal, dass mein Körper mich warnte: Pass auf, übertreib’s nicht.

          Mir wird klar, dass ich zum alten Eisen gehöre

          Jetzt, drei Monate später, ziehe ich entschlossen wieder die Schnürsenkel fest. Vor dem Charlottenburger Schloss das übliche Gewusel. Die Läufer machen sich fertig, die Stimmung ist locker, aber eher routiniert, nicht euphorisch, liegt wohl auch am nach wie vor grauen Wetter. Ein Trainer fordert zum Dehnen und Aufwärmen der Muskeln auf. Ein Offizier darf über Lautsprecher mitteilen, dass auch die Bundeswehr eine Reihe von Läufern geschickt hat und dass man sich an Ort und Stelle über eine Karriere in Uniform informieren kann. Ich weiß nicht so richtig, ob ich das hier passend finde, denke aber, dass es dem Zeitgeist geschuldet ist in diesen angespannten Zeiten.

          Dazu passt, dass ich Robert Rider treffe, den britischen Militärattaché. Er will in 42 Minuten im Ziel sein, seine deutsche Frau in 50, was mir wieder klarmacht, dass ich nun wirklich zum alten Eisen gehöre. Im letzten Jahr bin ich diesen Lauf noch in 65 Minuten gerannt, jetzt denke ich an mein erschreckendes Erlebnis auf dem Ku’damm, wo ich nach 1:09:48 angekommen war. Früher, in meinen Fünfzigern, war ich noch eine Viertelstunde schneller, was sich unter Läufern natürlich wie Lichtjahre anhört.

          Alter und Sport ist kein Widerspruch mehr

          Mein Kopf sagt mir an diesem Mittag, hör endlich auf mit diesen Zahlen. Du bist jetzt ein Senior. Finde dich damit ab. Dabei sein ist alles, nach zehn Kilometern ankommen das Ziel. Mein Gefühl will es nicht so richtig wahrhaben. Warum kann ich meine Zeit nicht mindestens halten? Andere, noch Ältere, und davon gibt es immer mehr, schaffen das schließlich auch.

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