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Lana del Rey : Sie wollte nur mal hallo sagen

Das nächste große Pop-Ding: Lana Del Rey in Berlin Bild: dpa

Lana Del Rey, die mit ihrer Single „Video Games“ die deutschen Charts gestürmt hat, ist ein perfekt geplantes Pop-Phänomen. Eine Begegnung mit der jungen Frau, die dahintersteckt.

          Mythen kann man die Geschichten noch nicht nennen, die sich um Lana Del Rey ranken. Aber es sind ein paar richtig gute Anekdoten darunter. Etwa die, dass sie sich angeblich von ihrer ersten Gage die Lippen hat aufspritzen lassen. "Ich habe mich selbst gefördert", umschreibt sie, was sie mit den 10 000 Dollar Vorschuss auf ihren ersten Plattenvertrag anfing. Das passt ins Bild. Denn Lana Del Rey ist zwar eine brillante Sängerin. Aber sie ist auch ein gemachter Star.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Novemberabend in Köln. Vor den Pissoirs eines Konzertschuppens ist der Teufel los. "Was war das denn gerade? Handgestoppte dreißig Minuten!", schimpft einer, der weit gereist ist, um beim ersten Auftritt Lana Del Reys auf einer deutschen Bühne dabei zu sein. Ein anderer hat 40 zu bieten, ein dritter 35. Es waren 38 Minuten, haargenau, von den ersten Klängen bis zum letzten gehauchten "Thank you". Egal wie viele Minuten, es waren auf jeden Fall zu wenige. Jemand ist sogar eigens aus Rom angereist. 1400 Kilometer für 38 Minuten.

          Als käme sie aus dem Nichts

          Am Morgen danach sieht die Frau, die den Tumult verusacht hat, sehr ausgeschlafen aus. Das blaue Kleidchen lässt viel schwarze Unterwäsche frei, das Make-up sitzt, goldene Kreolen baumeln an den Ohren. Sogar die langen Fingernägel wirken frisch lackiert. Von den übervollen Lippen ist ja schon die Rede gewesen. "Es ging nur darum, hallo zu sagen. Eine Art erste Vorstellung. Wie hätte ich ahnen können, dass Leute aus Rom kommen, nur um mich zu sehen? Ich war noch nie in Rom. Ich weiß noch nicht mal, wie man dahinkommt", sagt sie. An mangelhaften Geographiekenntnissen ist noch keine Pop-Karriere gescheitert.

          Vier nostalgietrunkene Retro-Clips auf YouTube, fast zehn Millionen Klicks für die atemberaubende Single "Video Games", die in dieser Woche an die Spitze der deutschen Charts schnellte. Die fünfundzwanzigjährige Sängerin, deren Album "Born to die" unter dem Künstlernamen Lana Del Rey am 27. Januar erscheint, ist ein Phänomen. Es wirkt, als käme sie aus dem Nichts.

          Es soll zumindest so wirken. Um die Illusion perfekt zu machen, wurde das erste Album, das Lana Del Rey noch unter ihrem echten Namen bei einem kleinen amerikanischen Independent-Label veröffentlichte, wieder vom Markt genommen. Das Cover der Platte "Lana del Ray a.k.a. Lizzy Grant" zierte damals ein anderes Mädchen. Elizabeth Grant hatte wasserstoffblonde Haare und schmale Lippen.

          Eine perfekte Inszenierung

          Das Pseudonym Lana Del Rey ist eine Kreuzung aus dem Vornamen der Hollywood-Schauspielerin Lana Turner, ein siebenmal verheiratetes Sexsymbol der vierziger Jahre, und dem in den achtziger Jahren produzierten Automodell Ford Del Rey. Das Kunstprodukt war eine Idee ihres Managements. Für Lana Del Rey verschießt die Marketingabteilung der Plattenfirma Universal Music, die auch Amy Winehouse unter Vertrag hatte, schon jetzt den letzten Superlativ, als gäbe es kein Morgen: "Manchmal entwickeln sich Stars. Manchmal werden uns Stars einfach aufgedrängt. Und dann gibt es zuweilen Stars, die einfach in die Atmosphäre eintauchen, als ob sie von einer jenseitigen Kraft angetrieben werden. In diese letzte Kategorie fällt Lana Del Rey mit ihrer erstaunlichen Ausstrahlung, ihrer beeindruckenden Stimme, dem souveränen Look und ihrem einzigartigen Gefühl."

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