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Zu Lady Gagas Duett mit Cooper : Hart erarbeitet

Hart erarbeitet: Lady Gaga mit ihrem Oscar für das beste Lied. Bild: EPA

Eine Woche lang spekulierten alle über eine Affäre zwischen Lady Gaga und Bradley Cooper. Wann hat man eigentlich verlernt, was Kunst ist?

          Wenn ein Moment der diesjährigen Oscar-Verleihung blieb, dann war es das Duett von Lady Gaga und Bradley Cooper am Klavier. Leider sprachen alle aus den falschen Gründen noch die gesamte Woche davon. Das Dolby Theater war noch nicht leer, die After-Oscar-Partys hatten noch nicht begonnen, da summte Social Media bereits mit den ersten Gerüchten: Dieser Blick da am Klavier, also da läuft doch was!

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Und so spekulierte man im Internet in den folgenden Tagen dann sämtliche Aspekte durch: Wie eifersüchtig ist Bradley Coopers Ehefrau Irina Shayk? (Überhaupt nicht, was man hätte wissen können, wenn man sich die Oscarnacht um die Ohren geschlagen und zugeschaut hätte, wie sie die Sängerin in den Arm nahm, bevor diese auf der Bühne ihre Auszeichnung für den besten Song erhielt.) Werden Gaga und Cooper jetzt heiraten? (Ebenfalls nein, weil...ach, siehe oben.) Was sagt eigentlich der Ex-Ex-Freund von Lady Gaga dazu? (Ernsthaft diskutierte Frage in Boulevardblättern!)

          Natürlich ist es nichts Neues in Hollywood, dass eine Schauspielerin nicht wegen ihres Talents und ihrer Arbeit wahrgenommen wird, sondern dass man lieber über ihr Privatleben spekuliert. Als die Schauspielerin Molly Ringwald – Teenager-Ikone der achtziger Jahren wegen ihrer Rollen in „Breakfast Club“ und „Pretty in Pink“ – 1986 auf dem Titel des Time-Magazins erschien, vergaß man im Porträt über sie im Heft nicht zu erwähnen, dass es Spekulationen über eine Affäre mit Warren Beatty gab. Ringwald war damals 18 Jahre alt, Beatty 30 Jahre älter als sie. Aber es war eben schon damals einfacher, über Privates zu spekulieren, statt mit der jungen Frau über ihre Arbeit zu sprechen.

          „Was Social-Media mit Pop-Kultur gemacht hat, ist schauderhaft“

          Viel geändert hat sich daran bis heute nicht. Nur die Intensität, mit der solche Spekulationen geführt werden, hat stark zugenommen durch den Sekundentakt, in dem in sozialen Netzwerken reagiert wird und der Hässlichkeit mit der dies ohne viel Nachzudenken geschieht. Denn wirklich überrascht vom Oscar-Auftritt Lady Gagas und Bradley Coopers konnte nur sein, wer „A Star Is Born“ nicht gesehen hatte und generell noch nie im Kino oder einem Konzert war. Denn nach den Maßstäben, mit denen man auf dieses Duett blickte, war David Bowie das Sprachrohr außerirdischer Intelligenz, Madonna wollte mit einem schwarzen Jesus schlafen und Sia würde mit Riesenschleifen und kinnlangem Pony im Supermarkt Mandelmilch kaufen. Irgendwo zwischen Twitter, Facebook und Instagram hat man vergessen, was Kunst ist.

          Doch Lady Gaga wäre mit 32 Jahren nicht so erfolgreich, wie sie es heute ist, wenn sie nicht auch intelligent genug wäre, um auch für die größten Ignoranten noch einmal zu erklären, was das ist: eine Künstlerin zu sein. In der Late-Night-Talkshow „Jimmy Kimmel Live“ musste sie sich vom Moderator noch einmal befragen lassen, was denn nun an den Liebes-Gerüchten dran sei. Sie reagierte eindeutig:

          via Gfycat

          Und erklärte dann: „Ganz ehrlich, Social Media ist die Toilette des Internets und was es mit Pop-Kultur gemacht hat, ist schauderhaft.“ Die Sängerin hob nochmals hervor, dass es sich um ein Liebeslied aus einem Liebesfilm handelte und dass man dem Publikum natürlich Liebe vorspielen wollte. „Wir haben eine Woche lang hart an dem Auftritt gearbeitet“, sagte Lady Gaga und beschrieb daraufhin ausführlich, wie Bradley Cooper den Plan für das Hereinrollen des Pianos, das Hinaufführen auf die Bühne, das Zusammensitzen am Klavier ausgearbeitet hatte. Ja, wie er selbst den Schnitt der Szene für die Live-Übertragung im Fernsehen und die bernsteinfarbene Beleuchtung des Publikums im Saal zu verantworten hatte.

          „Ich habe drei Jahre lang meinen Arm um Tony Bennett gelegt, wenn wir Liebesduetts sangen, denn das ist die Emotion, die man da transportieren will“, erklärte die Sängerin. Auf Kimmels Spaß-Frage, ob sie denn auch mit dem 92 Jahre alten Sänger Tony Bennett eine Affäre habe, zeigte sie noch einmal ihre Schauspielkunst, indem sie erst kurz schüchtern-verlegen unter ihren Wimpern hervorlugte, um dann zurück in den Lady-Gaga-Interview-Modus zu fallen und mit vehementer Handgeste zu unterstreichen: „Nein, ich bin Künstlerin und wir haben einfach einen guten Job gemacht.“

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