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Kulturbonus in Spanien : Stierkämpfe ausgenommen

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Die konservative Regierung hatte den ­Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt, das es besonders zu schützen gilt. Bild: dpa

Junge Spanier sollen einen Kulturbonus in Höhe von 400 Euro bekommen, um ins Theater oder Konzerte zu gehen und Bücher zu kaufen – für den Besuch von Stierkämpfen soll er aber nicht gelten. Das entzweit Spanien.

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          Pedro Sánchez meint es gut mit den jungen Spaniern. Der Regierungschef will ihnen nicht nur bei der Miete helfen, damit sie endlich aus dem Elternhaus ausziehen können. Bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs versprach er nun allen, die im nächsten Jahr 18 Jahre alt werden, einen „Kulturbonus“: 400 Euro können sie dann ausgeben, um ins Theater, Kino oder Konzert zu gehen und Bücher zu kaufen. Ein ähnliches kulturelles Start­guthaben hatten zuvor schon Italien und Frankreich eingeführt. Im Nachbarland kauften die jungen Franzosen von dem Geld angeblich vor allem japanische Manga-Comics.

          Aber kaum hatte die Linkskoalition in Madrid ihre jüngste Wohltat für rund eine halbe Million Spanier verkündet, für die sie mehr als 200 Millionen Euro ausgeben will, folgten die ersten Einschränkungen: Der Gutschein soll nicht für den Eintritt in die Stierkampfarena gelten. Angeblich hatte der Koalitionspartner von Sánchez, ­Podemos, das verlangt. Dabei hatte die konservative Regierung 2013 den ­Stierkampf zum nationalen Kulturgut erklärt, das es besonders zu schützen gilt. Nach den harten Monaten der ­Pandemie wolle die Regierung „der Kulturindustrie helfen und muss dabei Prioritäten setzen“, sagte Finanz­ministerin María Jesús Montero.

          Nicht nur deshalb fordern jedoch die Stierkämpfer, dass der Staat auch sie nicht vergisst. Die Branche, von der Tausende Arbeitsplätze abhingen, habe unter den Folgen der Corona-Restriktionen gelitten wie wenig andere, ­klagte Victorino Martín, der Präsident der Fundación Toro de Lidia. Dass der Gutschein in den Arenen nicht gelten soll, hält seine Stiftung zur Förderung des Stierkampfs für „kulturelle Zensur und einen Angriff auf die Freiheit“. Es gebe wenig Spanischeres als die ­„Tauromaquia“. Die Altersgruppe zwischen 16 und 24 Jahren stellt nach Angaben der Stiftung die meisten Aficionados.

          Die Stiftung will gegen die neue Regel vor Gericht gehen, die selbst Politiker aus der regierenden sozialistischen Partei kritisieren. Für die Rechtspopulisten von Vox geht es der Regierung nicht um Kultur, „es handelt sich um eine rein ideologische Maßnahme, die darauf abzielt, die Stimmen der ­jungen Menschen zu gewinnen“.

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