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Angelina Jolie : So gesund wie irgend möglich

Bild: AP

Angelina Jolie hat sich zur Vorsorge gegen Krebs nach den Brüsten auch die Eierstöcke entfernen lassen. Für Frauen, die am gleichen Gendefekt wie die Schauspielerin leiden, ergibt das durchaus Sinn. Aber es ist nicht die einzige Option.

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          Fünf Tage lang habe sie auf das Ergebnis warten müssen, ob sie an Krebs leide oder nicht. Es seien fünf Tage gewesen, in denen sie gelebt habe wie in einer Dunstwolke. Diese Zeilen schreibt Schauspielerin Angelina Jolie in ihrem Gastbeitrag für die „New York Times“, der am Dienstag auf der Internetseite der amerikanische Tageszeitung veröffentlicht wurde.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In dem Artikel macht die Ehefrau von Schauspieler Brad Pitt öffentlich, dass ihr nun, zwei Jahre nachdem sie sich aus Angst vor Krebs beide Brüste hat amputieren lassen, auch Eierstöcke und Eileiter entfernen wurden. Und das, wie Jolie weiter ausführlich beschreibt, obwohl nach fünf Tagen des unerträglichen Wartens die Laboruntersuchungen gezeigt hatten: Sie litt nicht an Krebs. Aber die Angst davor, dass die Ergebnisse beim nächsten Mal anders ausfallen könnten, war so groß, dass die Neununddreißigjährige sich trotzdem operieren ließ.

          Angelina Jolie leidet an der BRCA-Mutation. Frauen, die diesen Gendefekt in sich tragen, haben eine deutlich erhöhtes Risiko, an Brustkrebs und eben auch an Eierstockkrebs zu erkranken. Mit der Entnahme der Organe können die Frauen diese Risiken deutlich verringern.

          Zuverlässige Früherkennung fehlt

          Angelina Jolie hatte schon nach der Mastektomie im Mai 2013 angekündigt, auch über die Entnahme der Eierstöcke nachzudenken. Zu dem Schritt raten Fachleute betroffenen Frauen wie der Schauspielern durchaus, da gerade bei den Ovarien, wie Mediziner die Eierstöcke nennen, eine zuverlässige Früherkennung fehlt. Symptome wie Blutungen, Schmerzen oder ein wachsender Bauchumfang treten bei Eierstockkrebs meist erst zu einem späten Zeitpunkt der Erkrankung auf, deshalb bleibt diese oft lange unentdeckt.

          Das wiederum hat zur Folge: Die Prognose wie auch die Überlebens-Aussichten solcher Patientinnen gelten häufig als schlecht. Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts erkranken pro Jahr rund 7500 Frauen in Deutschland an einem Ovarialkarzinom, jede 68. Frau ist betroffen. Damit ist Eierstockkrebs die sechsthäufigste Krebserkrankung bei Frauen.

          In den als Paar angelegten Eierstöcken wachsen bei der Frau die Eizellen bis zum Eisprung heran. Außerdem werden in ihnen die Geschlechtshormone produziert. Damit nehmen die Eierstöcke entscheidenden Einfluss auf wichtige Abläufe im weiblichem Körper, insbesondere den Zyklus.

          Auch diese Konsequenz ihrer Entscheidung thematisiert Angelina Jolie offen in ihrem Beitrag: Unabhängig von den Hormonen, die sie nun als Ersatz bekäme, befinde sie sich jetzt in den Wechseljahren mit all ihren körperlichen Veränderungen. Rund zehn Jahre früher als der Durchschnitt gesunder Frauen. Weiter schreibt Jolie: „Ich werde nicht mehr in der Lage sein, Kinder zu haben, und ich erwarte einige körperliche Veränderungen. Aber ich fühle mich wohl damit.“

          Operation ist nicht die einzige Option

          Warum sie sich dazu entschlossen hat, auch an dieser wichtigen persönlichen gesundheitlichen Entscheidung die ganze Welt teilhaben zu lassen, erörtert die Hollywood-Größe gleich im zweiten Absatz ihres Artikel: Sie habe versprochen, alle Informationen, die für andere betroffene Frauen nützlich sein könnten, weiterzugeben, da Wissen Macht bedeute.

          Gleichzeitig aber macht sie auch deutlich, dass es eine individuelle Entscheidung bleibt und Operationen nach einem positiven BRCA-Befund nicht die einzige Option sind. So raten Ärzte betroffenen Frauen, die sich gegen eine Operation entscheiden, sich ab dem 25. Lebensjahr alle sechs Monate gynäkologisch untersuchen zu lassen.

          Ob Angelina Jolie für ihr abermaliges öffentliches Bekenntnis ähnlich heldenhaft gefeiert werden wird wie vor zwei Jahren bleibt zu bezweifeln. Auch wenn so manche Medien schon vom „Schock-Geständnis“ sprechen, ist Angelina Jolie mit dieser Operation rein medizinisch konsequent ihren einmal eingeschlagenen Weg weitergegangen. In der Hoffnung, dass sie für sich selbst solche fünf Tage Ungewissheit auf ein medizinisch mögliches Minimum verringern kann.

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