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Kreative Personalsuche : „Wir brauchen hier Ärzte“

  • Aktualisiert am

Nachfolger gesucht: Dr. Stefan Streng in seiner Mittenwalder Praxis Bild: privat

Zu einer ungewöhnlichen Aktion hat der Ärztemangel Dr. Stefan Streng aus Mittenwald veranlasst. Der Arzt mietete eine Plakatwand, um nach einem Kollegen zu suchen.

          Dass ein Arzt eine Plakatwand mietet, um nach einem Arzt zu suchen, kommt nicht alle Tage vor. „We need you - mir brauchn di“ ist noch bis zum 2. Februar auf der drei mal vier Meter großen Plakatwand zu lesen. Ihre Verzweiflung muss groß sein.

          Wir haben mehrere Monate gesucht, Anzeigen geschaltet, Ärzte nach einem potentiellen neuen Kollegen gefragt. Fehlanzeige. Offensichtlich will niemand die frei gewordene Praxis übernehmen. Dabei hat Mittenwald einiges zu bieten. Als ich vor zehn Jahren auf der Suche nach einer Praxis aus Pforzheim hierhergekommen bin, wollte ich nicht mehr weg. Offensichtlich schätzen aber nicht viele Kollegen das vielfältige Freizeitangebot, die Berge und die Seen. Außerdem meinen viele, sie würden im Großraum München mehr verdienen, weil es dort mehr Privatpatienten gibt.

          Hat schon einmal ein Arzt in Deutschland mit einem Plakat nach einem Kollegen gesucht?

          Das weiß ich nicht. Mir zumindest ist nichts dergleichen bekannt.

          Wie viel hat Sie das gekostet?

          Die Kosten sind mit 400 Euro überschaubar. Das Design haben meine Frau und ich selbst gemacht. Wir haben uns bewusst auf die Farben weiß und blau beschränkt. Das sind die bayerischen Farben. Und in Anlehnung an Uncle Sams „We want you“ haben wir dann unsere Suche nach einem Allgemeinarzt formuliert und die Telefonnummer angegeben.

          Etwa 250 Menschen warteten vor wenigen Tagen im brandenburgischen Rathenow auf einen Termin bei einer Augenärztin. Ist denn die Situation in Ihrer Gegend auch so angespannt?

          Noch schaffen wir das ganz gut. Auch den Ausfall des Kollegen, der im vergangenen Sommer krankheitsbedingt seine Praxis schließen musste, konnten wir gut kompensieren. Ich habe jetzt etwa zehn Prozent mehr Patienten. Das ist noch machbar.

          Warum dann das Plakat?

          Sieben Hausärzte gibt es zur Zeit in Mittenwald und Umgebung. Ich bin 53 Jahre alt, habe also noch ein paar Jahre vor mir. Drei Kollegen werden aber voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis schließen. Wenn wir für die ausscheidenden Kollegen keine Nachfolger finden, müssten die verbleibenden Kollegen und ich die 10.000 Menschen, die hier leben, und die 5000 Touristen, die jedes Jahr hier ihren Urlaub verbringen, versorgen. Das ist dann nicht mehr machbar. Dagegen wollte ich rechtzeitig etwas tun. Meine Frau hatte dann die Idee mit dem Plakat am Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

          Wie war die Resonanz?

          Die Patienten haben interessiert nachgefragt. Ich habe ihnen erklärt, weshalb ich das mache. Sie haben das verstanden. Jedenfalls hat sich das Plakat herumgesprochen. Doch nicht die Klinikärzte, die ich damit eigentlich erreichen wollte, haben sich gemeldet. Nach zwei Wochen waren drei Bewerbungen eingegangen. Darunter eine aus Erlangen und eine aus Köln. Die Ärzte hatten von Freunden erfahren, dass bei uns eine Praxis zu übernehmen ist. Diese Kollegen könnten aber so schnell nicht nach Mittenwald kommen, wie das in unserem Fall notwendig ist. Wir brauchen einen Arzt, der ab Mitte Februar hier praktiziert.

          Und gibt es nun eine Lösung für Ihr Problem?

          Eine Kollegin aus der Region hat sich auch gemeldet. Sie wird in meine Praxis einsteigen. Damit können wir den freigewordenen Praxissitz erhalten. Das ist eine gute Lösung. Und mit den anderen Bewerbern stehen wir weiterhin in Kon-takt. Denn schon in ein paar Jahren wer-den wir ja wieder vor dem gleichen Problem stehen und einen Hausarzt suchen.

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