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Kongolesischer Arzt : Alternativer Nobelpreis für Denis Mukwege

Der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege Bild: AFP

Der Gynäkologe Denis Mukwege hat in Stockholm den Alternativen Nobelpreis erhalten. Mukwege hat das Panzi-Krankenhaus in Kongo gegründet, in dem vergewaltigten Frauen geholfen wird.

          Die Vergewaltigungen erfolgen systematisch. Es sind Bestrafungsaktionen, die von den Männern ausgeführt werden müssen, sonst droht ihnen selbst der Tod. Die Vereinten Nationen bezeichnen Kongo als „gefährlichstes Land für Frauen“. Nirgendwo sonst wird sexuelle Gewalt als Mittel des Krieges so massiv eingesetzt wie in dem zweitgrößten Land Afrikas. Jede dritte Frau im Osten Kongos wurde in den vergangenen 15 Jahren Opfer sexueller Gewalt, fast zwei Drittel von ihnen wurden von bewaffneten Männern vergewaltigt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Frauen bekommen wenig Hilfe. Eine Ausnahme bildet das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im Osten der Republik, das der Arzt Denis Mukwege 1998 gründete. Für seine Arbeit hat der 58 Jahre alte Mukwege zahllose Preise bekommen, zuletzt den Alternativen Nobelpreis („Right Livelihood Award“), der am Montag in Stockholm verliehen wurde. Mukwege ist selbst großen Gefahren ausgesetzt: Im September 2012 hielt er eine Rede vor den Vereinten Nationen, in der er die kongolesische Regierung unter Präsident Joseph Kabila für die Massenvergewaltigungen mitverantwortlich machte. Dafür war er schon zuvor mit dem Tode bedroht worden. Nach seiner Rückkehr überfielen Bewaffnete Mukweges Haus und töteten seinen langjährigen Mitarbeiter Joseph Bizimana. Mukwege selbst konnte sich mit Hilfe Bizimanas retten.

          Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit

          Zu den in diesem Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis Geehrten gehören zudem: der Amerikaner Paul Walker für seinen Einsatz gegen Chemiewaffen als Direktor der Umweltorganisation Green Cross; der in Gaza geborene Menschenrechtsanwalt Radschi Sourani „für sein beharrliches Engagement für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit unter extrem schwierigen Bedingungen“; und der Schweizer Hans Herren und dessen Biovision Stiftung. Der Insektenforscher gilt als Pionier der biologischen Schädlingsbekämpfung. Ihm gelang es mit Hilfe einer Schlupfwespe, Schmierläuse zu vernichten, die in Afrika das Grundnahrungsmittel Maniok bedrohten. So konnte eine Hungersnot verhindert werden. Herren habe „mit wissenschaftlicher Expertise und bahnbrechender praktischer Arbeit einer gesunden, sicheren und nachhaltigen globalen Nahrungsversorgung den Weg“ gebahnt, so die Jury.

          Mit dem „Preis für richtige Lebensführung“ werden jedes Jahr Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden ausgezeichnet. Der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll rief den Preis 1980 als Alternative zu den Nobelpreisen ins Leben. Seitdem wird die mit jeweils 500.000 Schwedischen Kronen (etwa 57.000 Euro) dotierte Auszeichnung jedes Jahr an Personen vergeben, die praktische und beispielhafte Antworten auf die dringenden Herausforderungen unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen.

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