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Konflikt in Washington : „Ich bin dazwischengegangen, um zu beten“

  • Aktualisiert am

Ein Bild, das um die Welt ging: Der grinsende Schüler und der singende Veteran Bild: Reuters

Eine Gruppe Schüler mit „Make America Great Again“-Kappen lacht über einen indigenen Mann. Diese Bilder haben Amerika am Wochenende bewegt und zeigen: die Gräben werden immer tiefer.

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          Eine Gruppe amerikanischer Schüler steht am Lincoln Memorial in Washington, allesamt weiß, zum größten Teil männlich, blutjung und angetan mit dem Donald-Trump-Accessoire schlechthin: der „Make America Great Again“-Kappe. Inmitten dieser Jungen steht ein alter Mann, ein indigener Mann, der auf einer zeremoniellen Trommel spielt und dazu singt. Ganz nah steht der Mann einem Jungen, er singt ihn direkt an, und der Junge grinst auf ihn herab – frech, herausfordernd, „Make America Great Again“ auf dem Kopf.

          Diese Bilder gingen am vergangenen Wochenende durch die sozialen Medien, das Verhalten der Schüler wurde von vielen Menschen als Provokation und Respektlosigkeit empfunden. Die Jungen waren Schüler einer katholischen Highschool in Kentucky, die eine Exkursion nach Washington unternommen hatten, um am „March for Life“, einer Demonstration, die sich gegen Abtreibungen richtet, teilzunehmen. Der indigene Mann war ein Veteran des Vietnamkriegs, der in Washington am „Indigenous Peoples March“ teilnahm.

          Die anfängliche Annahme, die Jungen hätten den Mann eingekreist, um ihn zu schikanieren oder sich über ihn lustig zu machen, bestätigte der Mann allerdings nicht. Er sei es gewesen, der zu den Schülern hinübergegangen sei, sagte er der „New York Times“. Er habe Spannungen zwischen ihnen und einer Gruppe schwarzer Menschen mitbekommen und schlichten wollen. „Ich bin dazwischengegangen, um zu beten.“ Der sehr nah vor ihm stehende Junge, der in einem späteren Statement seine Identität preisgab und minderjährig ist, teilte mit: „Ich habe nicht zu ihm gesprochen. Ich habe keine Gesten mit der Hand oder andere aggressive Bewegungen gemacht.“ Er sei ein „gläubiger Christ“, der sich dementsprechend zu verhalten und Gewalt stets zu vermeiden versuche. Augenzeugen berichten zudem, dass die Gruppe schwarzer Menschen, die laut der „New York Times“ hebräisch-israelische Aktivisten waren, sowohl die Schüler als auch die Indigenen beleidigt haben sollen.

          Dennoch bedient die Begebenheit die Kontroverse um ansteigenden Rassismus in den Vereinigten Staaten, der nach Ansicht vieler Demokraten durch die Politik Donald Trumps und seine pauschalisierenden Aussagen über Migranten angefeuert wird. Der Dokumentarfilm-Regisseur Arlen Parsa etwa veröffentlichte auf Twitter Bilder von Schülern und Lehrern der katholischen Highschool, die ihre Schüler zum „March of Life“ geschickt hatte. Die „Convigton Catholic Highschool“, eine elitäre Privatschule für Jungen, habe eine Problem mit Rassismus, Homophobie und Sexismus, schrieb Parsa. Von den achtzig auf der Website der Schule zu findenden Lehrer seien alle weiß. Auch die Schülerschaft sei zu einem überwältigenden Teil weiß. Parsa gibt an, mit einem früheren Schüler mit nahöstlichem Migrationshintergrund gesprochen zu haben. Er habe die Schule verlassen, weil er gemobbt worden sei. Man habe ihn „Terrorist“ genannt.

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