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Interview mit Pierre Richard : „Die Deutschen sind immer besonders entzückend“

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Pierre Richard 1972 als „Großer Blonder mit dem schwarzen Schuh“ Bild: United Archives/Impress

Komödiant Pierre Richard war einst der „große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, nun ist er zurück im Kino. Ein Gespräch über seine besondere Beziehung zum Nachbarvolk, Hollande, Macron und Online-Dating.

          Seinen Landsleuten gilt er als ein Komiker, der das Possenhafte ebenso beherrscht wie das Poetische, und die Deutschen adoptierten ihn ebenfalls als einen ihrer Lieblinge. Pierre Richards große Zeit waren die Siebziger und Achtziger; als „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ – sowie in einer Reihe weiterer Komödien, deren deutsche Verleihtitel auf diesen ersten großen Erfolg anspielten, ohne dass die meisten damit wirklich etwas zu tun hatten – brachte Richard das Publikum mit seiner verwegenen Hilflosigkeit zum Lachen. In den Jahren danach wurden die Filme (und die Rollen) kleiner, oft ernster, und der Kult-Komödiant wurde mehr auf der Bühne gesehen. Nun hat ihn auch das Kino wieder; in „Monsieur Pierre geht online“ ist er ein misanthroper Witwer, der zum Cyrano de Bergerac der Dating-Plattformen wird.

          Mittlerweile ist Pierre Richard 82 Jahre, aber unverkennbar der Alte: hohe Stirn, blaue Augen, schütterer, weißer Vollbart, die ehemals blonde Mähne ist auch längst weiß. Seine Klamotten sind schon eher nachlässig als lässig, und die rote Lesebrille sieht eher nach Supermarktkasse aus statt nach Superstar. Wir treffen uns in Berlin, kurz nach der französischen Präsidentschaftswahl.

          Ihr Besuch in Berlin begann mit einer Überraschung: Als Sie abends am Gendarmenmarkt zum Essen waren, hielt eine Fahrzeugflotte mit 40 Wagen vor der Tür. Wie oft passiert es, dass ein französischer Präsident seinen Staatsbesuch unterbricht, um Sie zu sehen?

          Ja, das war schon ein Knaller, das war nicht vorgesehen. Kaum saßen wir da zu viert – der Regisseur, der Produzent, eine junge Frau und ich –, da kam der Präsident zur Tür rein, um mir „Guten Tag“ zu sagen.

          „Ich war dem „Großen Blonden“ immer sehr dankbar, dass er mir so viel ermöglicht hat.“

          François Hollande war gerade zum Abschiedsdinner bei Angela Merkel in Berlin. Kennen Sie sich?

          François Hollande ist kein Freund von mir, daher war ich ja wirklich überrascht. Aber vor etwa einem Jahr war Julie Gayet zum Abendessen eingeladen und rief vorher an, ob es uns stören würde, wenn sie ihren Freund mitbrächte – eben Hollande. Ich wusste damals gar nicht, ob die noch ein Paar sind, Klatsch interessiert mich nicht, ich lese keine „Gala“ oder „Paris Match“. Jedenfalls sind dann beide erschienen.

          Wie ist Hollande so ohne Protokoll?

          Er kann sehr witzig sein! Ich hatte noch einen anderen Freund eingeladen, der sehr komisch ist, und so haben wir uns wahnsinnig amüsiert und sehr viel gelacht. Über Politik haben wir nicht geredet, wir wollten ihm ja nicht den Abend verderben (kichert). Um Mitternacht hat Julie Gayet ihn daran erinnert, dass er am nächsten Morgen um sechs rausmuss, dann gingen sie. Das war’s! Ein supernetter, unkomplizierter Abend.

          Dass Sie dann in Berlin sind, hat Hollande vom französischen Botschafter erfahren?

          Genau. Statt direkt zu seinem Flieger zu fahren, ist er bei unserem Italiener vorbeigekommen. Er rief an, fragte, wo wir seien, ich sagte, keine Ahnung, wie das Restaurant hier heißt, es sei irgendwo beim Hilton, und er sagte: „Ich bin gleich da!“ Und schon kreuzte er auf. Natürlich nur ganz kurz, er musste ja noch nach Paris. Aber er hat sich sehr gefreut, mich zu sehen – nach unserem legendären Abend. Er mag mich wohl, warum bringt er sonst sein Protokoll so aus dem Ruder? Die Leute im Lokal haben natürlich geguckt. Aber ich auch!

          Macht Emmanuel Macron Ihnen demnächst auch seine Aufwartung?

          Mal schauen! (lacht) Macron war noch nicht mal in den Elysée-Palast eingezogen, da hat man in Frankreich schon angefangen, ihn zu kritisieren. Das mag ich an den Franzosen nicht, diese konstante Mäkelei an allem und jedem!

          Hierzulande hieß es aber auch gleich: Macron oder Makrönchen.

          Der Mann ist demokratisch gewählt worden, bekam eine deutliche Mehrheit – aber am nächsten Tag gab’s schon Demos gegen ihn. Der muss doch erst mal was tun, bevor man gegen ihn protestiert! Aber in Frankreich wird präventiv gemotzt. „Für den Fall, dass er mal etwas unternehmen sollte, was uns nicht passt, protestieren wir lieber jetzt schon.“ Das ist so französisch!

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