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Nach zwei Todesfällen : Drama im Königshaus der Zulu

Trauerzug: In Johannesburg nahmen am Freitag Tausende Abschied von der verstorbenen Queen Mantfombi Dlamini Zulu. Bild: AFP

Gift und ein gefälschtes Testament: Nach zwei Todesfällen ist in Südafrika ein heftiger Streit um die Nachfolge von König Goodwill Zwelithini entbrannt. Schwere Mutmaßungen befeuern den Konflikt der Herrscherfamilie.

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          In Südafrika haben mehrere Tausend Menschen am Freitag feierlich von der überraschend verstorbenen Zulu-Königin Mantfombi Dlamini Zulu Abschied genommen. Mehr als vier Stunden dauerte die Zeremonie, die von einigen Medien im Internet übertragen wurde. Viele Gäste waren in traditionellen Gewändern mit übergeworfenen Leopardenfellen erschienen, dazu trugen die meisten Corona-Gesichtsmasken. Riesige Bilder der „Queen“ waren zu sehen, umrahmt von weißen Blumen.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Doch schon wenige Stunden später war es mit der feierlichen Stimmung vorbei. Im Königshaus der Zulus tobt ein Streit wie aus einem Shakespeare-Drama um die Thronfolge und um das Familienvermögen. Als am Freitagabend das Testament der verstorbenen Königin verlesen wurde, brach Tumult aus. Sie hatte interimsweise das Königshaus übernommen, und ihr oblag es, den nächsten König zu ernennen. Laut Testament wählte sie ihren ältesten Sohn, den 46 Jahre alten Prinz Misuzulu. Andere Familienmitglieder aber wollten das nicht akzeptieren.

          Als sich die Stimmung aufheizte, wurde der Prinz eilig aus der Versammlung herausgeführt und in einer Limousine davongefahren. Nach Angaben des südafrikanischen Staatsfernsehens wurde sogar polizeiliche Verstärkung in den Palast geschickt.

          Keine Kenntnis über die Krankheit 

          Das Königshaus der Zulus zieht seit jeher eine Aufmerksamkeit auf sich wie wenige andere traditionelle Herrscherfamilien in Afrika. Die Zulus sind eine Volksgruppe in der Provinz KwaZulu-Natal, die in der Geschichte immer wieder eine wichtige Rolle spielte.

          In den vergangenen Wochen jedoch überschlugen sich die Ereignisse. Im März starb Goodwill Zwelithini. Fast 50 Jahre lang hatte er die „Zulu-Nation“ regiert, bei der es sich freilich nicht um einen unabhängigen Staat handelt. Mit seinem extravaganten – vom südafrikanischen Steuerzahler finanzierten – Lebensstil erfüllte er das Klischee eines traditionellen afrikanischen Monarchen samt sechs Ehefrauen und mehr als 20 Kindern. Zwelithini litt an Diabetes. Er starb an den Folgen einer Corona-Infektion. Nur eineinhalb Monate später und noch während der Trauerzeit um den König starb seine Nachfolgerin, Queen Mantfombi, an einer nicht näher genannten Krankheit. Sie wurde 65 Jahre alt.

          Zwei Abschiede von Zulu-Regenten in so kurzer Zeit hintereinander gab es noch nie. Schnell machten Gerüchte die Runde, die Königin sei vergiftet worden, nachdem Prinz Mangosuthu Buthelezi, ein Mitglied der Familie und Ministerpräsident der Zulu, „toxische Substanzen“ im Körper der Königin erwähnt hatte. Kurz darauf mühte er sich, die Gerüchte zu zerstreuen, er habe nicht von Gift gesprochen, man habe ihn falsch verstanden.

          Die Rechtslage ist komplex

          Der jetzige Wirbel um den neuen Zulu-König ist die Fortsetzung des Dramas, das bereits das Testament Zwelithinis ausgelöst hatte. Darin hatte er angeblich Queen Mantfombi unter seinen sechs Ehefrauen zu seiner Nachfolgerin auserkoren. Zwei seiner Töchter mit seiner ersten Ehefrau, Queen Sibongile, jedoch bezeichneten das Testament als Fälschung. Ein Experte für Handschriften habe dies bestätigt. Derweil zog ihre Mutter separat ebenfalls vor Gericht. Sie sei als Einzige mit Zwelithini standesamtlich verheiratet gewesen, lautet ihr Argument. Daher gelte nur sie im rechtlichen Sinne als seine Ehefrau mit den entsprechenden Ansprüchen auf das Erbe. Die Rechtslage ist jedoch komplex, weil die Ehe während der Zeit der Apartheid geschlossen wurde. Es ist umstritten, ob die beiden damals automatisch in Gütergemeinschaft geheiratet hatten. Verzweifelte Rechtsexperten ließen bereits durchblicken, dass sich die zerstrittenen „Royals“ doch lieber untereinander einigen sollten, statt die Gerichte damit zu beschäftigen.

          Im Lauf des Wochenendes glätteten sich die Wogen der Aufregung im königlichen Palast KwaKhangelamankengane angeblich wieder. Die Schwester des verstorbenen Königs sicherte zu, die Familie stehe voll hinter dem neuen Zulu-König Misuzulu kaZwelithini. Sein Name bedeutet „die Zulus stärken“. Schon vor der Verlesung des Testaments habe sie zu ihren Kindern und dem königlichen Haus gesprochen und sie gebeten, ihre „Herzen und Köpfe“ zu öffnen. Auf einer Pressekonferenz am Samstagabend sagte Buthelezi, dass auch die beiden Prinzessinnen, die das Testament angezweifelt hatten, den neuen König unterstützten. Die Familie schätze es, dass „Stabilität und Einigkeit unter seiner Hoheit, dem König“, wiederhergestellt seien.

          Doch nach dem jüngsten Drama, dem südafrikanische Zeitungen am Wochenende mehrere Seiten widmeten, wird der Ruf laut, das Königshaus möge doch endlich klare Regeln für die Thronfolge aufstellen. In den 205 Jahren seit Gründung des Zulu-Königreichs sei fast jedes Mal um die Nachfolge Streit ausgebrochen, mehrere Male endeten die Dispute tödlich, kommentiert Bongani Ngqulunga, ein Experte an der Universität von Johannesburg in der Sunday Times. Bereits King Shaka, der legendäre Kämpfer und erste Zulu-König, nach dem der heutige Flughafen in Durban benannt ist, wurde von seinem Halbbruder erstochen. Dieser wurde zwölf Jahre später wiederum von seinem Halbbruder gestürzt. Man spricht vom ersten Zulu-Bürgerkrieg. Während der langen Herrschaft Zwelithinis habe man diese Tumulte vergessen, schreibt der Experte. Es sei freilich besser, sich über Testamente und vor Gericht zu streiten, als sich gegenseitig umzubringen. Doch wenn das Zulu-Königreich länger bestehen solle, müssten ähnliche Ereignisse in Zukunft verhindert werden. Wenn er bestätigt ist, wird Prinz Misuzulu der neunte König von Südafrikas stolzer und kriegerischer „Zulu-Nation“ sein.

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