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Königin Sofía wird 80 : Mit Haltung und Herzlichkeit

Ihr Mann Juan Carlos dankte ab, Sofía trägt weiterhin den Titel der Königin. In diesem Jahr wird sie 80 Jahre alt. Bild: dpa

Als Mutter umstritten und als Ehefrau gedemütigt, aber als Herrscherin geschätzt: Königin Sofía, das beliebteste Mitglied des spanischen Königshauses, wird heute 80 Jahre alt.

          Zur Feier ihres 80. Geburtstags hat Königin Sofía nur zu einem Festessen im kleinen Kreis im Madrider Zarzuela-Palast geladen. Der Termin steht nicht einmal im offiziellen Kalender des Königshauses. Doch sie macht sich am Freitag damit selbst ein seltenes Geschenk: Zu ihrem Geburtstag wird Sofía von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Griechenland und Dänemark sowie Urenkelin von Kaiser Wilhelm II., fast alle engsten Verwandten der griechischen und der spanischen Königsfamilien zusammenbringen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das letzte Familienfoto, das im Januar am 80. Geburtstag von Juan Carlos entstand, zeigte ein trauriges Bild. Ihre Tochter Elena und vier ihrer acht Enkelkinder fehlten. Seit Ostern wurden Sofía und Juan Carlos nicht mehr gemeinsam in der Öffentlichkeit gesehen. Umso mehr soll sich Sofía darüber freuen, dass nun alle kommen werden, um ihr zu gratulieren – auch ihre Schwester Irene und ihr Bruder Konstantin, der letzte König von Griechenland. In ihrer eigenen Familie suchte Sofía Zuflucht in besonders schwierigen Tagen – und an denen fehlte es nicht in ihrem Leben.

          13 Jahre lang lebte das Königspaar im Schatten des Diktators Francisco Franco. Als Königin bewahrte sie sich trotz der Demütigungen durch die vielen Affären ihres Ehemanns Haltung und Herzlichkeit. Als sie ihn 1962 heiratete, konnte sie zwar fließend Deutsch, aber kein Wort Spanisch. Sofía ist laut Umfragen das beliebteste Mitglied des spanischen Königshauses, noch vor Felipe.

          Ihr spanischer Biograph Jaime Peñafiel lobt ihre untadelige Professionalität, obwohl sein restlicher Rückblick ernüchternd ausfällt. Sofía sei „als Mutter und als Ehefrau gescheitert“, sagte er in einem Interview mit der Zeitung „El Mundo“. „Sie hat ihre Kinder schlecht erzogen und verstand es nicht, sich rechtzeitig scheiden zu lassen. Juan Carlos hat sie öffentlich schlecht behandelt. Trotzdem ist sie, anders als Letizia, eine gute Königin.“

          Königin Sofía und Juan Carlos 2010: „Sie verstand es nicht, sich rechtzeitig scheiden zu lassen“, sagt Sofías Biograf über die Königin.

          Eigentlich sollte 2018 ein festliches Jahr mit einer vorsichtigen Wiederannäherung werden: Juan Carlos und Sofía begehen ihre 80. Geburtstage, in Spanien wird der 40. Jahrestag der Verabschiedung der Verfassung gefeiert. Beide sollten häufiger gemeinsam auftreten. Aber das Paar, das mehrmals kurz vor der Scheidung gestanden haben soll, ging bald wieder getrennte Wege. Nachdem heimliche Tonaufnahmen seiner „innigen Freundin“ Corinna zu Sayn-Wittgenstein in der Presse bekanntgeworden waren, blieb Juan Carlos auch dem Familienurlaub auf Mallorca fern. Die Mitschnitte weckten den Verdacht, der Monarch habe sich persönlich bereichert. Die Antikorruptionsbehörde nahm Ermittlungen auf, die jedoch nicht weiterführten.

          In der spanischen Presse war von einem weiteren „Corinnagate“ nach 2012 die Rede. Damals war bekanntgeworden, dass die 30 Jahre jüngere Deutsche Juan Carlos zur Elefantenjagd nach Botswana begleitet hatte, bei der sich der Monarch die Hüfte brach. Trotz der zahlreichen Affären zuvor war diese Eskapade besonders bitter für Sofía. Sie trug wesentlich dazu bei, dass Juan Carlos 2014 den Thron seinem Sohn Felipe überließ.

          Auch nach seiner Abdankung kämpfte Sofía, die weiter den Titel der Königin trägt, um den Zusammenhalt der Familie. Ihre Tochter Cristina und deren Ehemann Iñaki Urdangarin wurden wegen Korruption angeklagt. Die Infantin wurde freigesprochen, aber der Schwager des Königs trat im Juni eine Freiheitsstrafe von knapp sechs Jahren an. Nun wird auch Cristina zu ihrer Geburtstagsfeier kommen, die am Abend mit einem Konzert zu Sofías Ehren in der nach ihr benannten Musikhochschule enden wird; in Madrid trägt auch das Museum für Moderne Kunst ihren Namen.

          Die Kunst und die soziale Verantwortung sind Sofía seit langem wichtig. Ihre „Fundación Reina Sofía“ engagiert sich in letzter Zeit verstärkt im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit. Mit ihren Aktivitäten bleibt sich Sofía treu. Nachdem sie in Deutschland das Internat in Salem besucht hatte, machte sie in Griechenland eine Ausbildung als Krankenschwester – bevor sie dann Musik und Archäologie studierte.

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