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Königin Silvia zum 70. : Mit Herz und Krone

Brasilianisches Herz, deutscher Kopf, schwedische Seele: Königin Silvia Bild: dpa

Sie brachte den Glanz zurück in das schwedische Königshaus, gilt als volksnah und modern. Doch ihr Bild in der Öffentlichkeit hat in den vergangenen Jahren gelitten. Nun wird Königin Silvia 70 Jahre alt.

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          Das erste Mal sah das schwedische Volk Silvia Sommerlath in einem Porsche sitzend. Mit dem jungen Kronprinzen Carl Gustaf war sie über die Straßen der kleinen Insel Öland gefahren, sie urlaubten im Landsitz der Königsfamilie. Seit Monaten schon waren sie ein Paar, nur durfte es niemand wissen. Man traf sich an geheimen Orten, wenn Silvia ihren Prinzen in Stockholm besuchte, soll sie Perücken getragen haben. Dann kam der Sommer 1973, und ein Reporter fotografierte Carl Gustaf, als er den blauen Porsche betankte, in dem eine dunkelhaarige Schönheit saß. Die schwedische Klatschpresse fand bald heraus, dass es Silvia Sommerlath war, ein Mädchen aus Heidelberg, Tochter eines Deutschen und einer Brasilianerin. Wenige Monate später starb der alte König, und aus dem Kronprinzen wurde König Carl XVI. Gustaf. Am 19. Juni 1976 heiratet er die Schöne aus seinem Porsche, Silvia Sommerlath war von nun an die schwedische Königin Silvia. An diesem Montag wird sie 70 Jahre alt.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren eine schwierige Zeit für das schwedische Königshaus, die Linke im Land sah endlich die Zeit für eine Republik gekommen, die Verfassung wurde reformiert, und der König verlor seine politische Macht. Doch ausgerechnet die erste Hochzeit eines schwedischen Königs mit einer Bürgerlichen seit mehreren hundert Jahren sollte die Wende für das Königshaus bringen. Die Schweden verliebten sich bald in ihre neue Königin, wie ein Märchen klang die Geschichte von der Hostess, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München den Kronprinzen traf. Beide sagten später, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen.

          Silvia Sommerlath, ein Mädchen aus Heidelberg, wurde zu Königin Silvia von Schweden - eine Geschichte ganz nach dem Gusto der (Klatsch-)Presse. Auf diesem Bild posiert sie gemeinsam mit ihrer Tochter Victoria vor wenigen Tagen in Stockholm für die Fotografen. Bilderstrecke

          Carl Gustaf hatte nach dem frühen Tod seines Vaters viele Jahre gehabt, um sich auf die Übernahme des Throns von seinem Großvater vorzubereiten, aber den Glanz brachte erst Silvia, ausgebildete Dolmetscherin und eigentlich auf die Aufgabe einer Königin völlig unvorbereitet, wieder ins Schloss. Sie war schön und souverän und charmant. In den Jahren nach der Hochzeit stieg die Zustimmung in Schweden zur Monarchie wieder. Die große Tageszeitung „Aftonbladet“ schrieb dieser Tage: „Silvia rettete die Monarchie.“

          Der Glanz des Königspaares hat Kratzer erlitten

          Beliebt ist Königin Silvia noch immer, in den Jahren als Königin präsentierte sie sich und ihre Familie modern und volksnah - die Presse durfte beim Backen dabei sein, alle Kinder besuchten staatliche Schulen - und engagierte sich als Schirmherrin von Dutzenden Stiftungen, vor allem zum Wohle von Kindern. Als Königin Silvia in der vergangenen Woche in einem Video Fragen von Bürgern an sie beantwortete, sagte sie über sich: „Man sagt, dass ich ein brasilianisches Herz, einen deutschen Kopf und eine schwedische Seele habe.“ Ihre Spontaneität habe ihr dabei als Königin oft geholfen. Sie erzählte in dem Video übrigens auch, dass ihr Trost, Freund und Spielkamerad als Kind ein Affe mit dem Namen Mickey gewesen sei.

          Doch der Glanz des Königspaares hat auch manche Kratzer in den letzten Jahren erlitten, vor allem die Playboy-Gerüchte um den König und seine ungelenke Stellungnahme dazu waren seiner Beliebtheit recht abträglich. Königin Silvia hielt zu ihm. Sie selbst geriet aber auch in die Kritik, es ging um die Rolle ihres Vaters in der Zeit des Nationalsozialismus und um die Frage, ob sie diese verharmlost habe. Vor wenigen Wochen erst wurde dieser Vorwurf in einem schwedischen Buch über die Vergangenheit ihres Vaters wieder erhoben. Dass ihr Vater „1934 Mitglieder der Nazi-Partei geworden ist“, sei eine Tatsache, die sie tief berühre, hatte die Königin vor einem Jahr gesagt.

          Das Königshaus verlor in den vergangenen Jahren wieder an Rückhalt im schwedischen Volk, in einer aktuellen Umfrage der Zeitung „Dagens Nyheter“ forderten zum Beispiel fast 50 Prozent der Befragten die Abdankung des Königs - damit Kronprinzessin Victoria den Thron besteigen kann. Ihr, beliebt und geschätzt bei den Schweden in hohem Maße, könnte dereinst gelingen, was ihrer Mutter gelang: Den Fortbestand der Monarchie in Schweden zu sichern. An diesem Montag wird die Kronprinzessin zu dem privaten Kreis gehören - die offiziellen Feierlichkeiten fanden schon in der vergangenen Woche statt -, in dem Königin Silvia ihren Geburtstag auf Schloss Drottningholm feiern will.

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