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Königin Máxima wird 50 : Das Beste an den Niederlanden

König Willem-Alexander der Niederlande und Königin Máxima der Niederlande entschuldigen sich für ihren Fehltritt, einen Urlaub während der Pandemie. Bild: dpa

Königin Máxima, die am Montag 50 Jahre alt wird, hat die Monarchie gehörig umgekrempelt. Keine Königin ist ihrem Volk so nah wie sie.

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          Selten sahen die Untertanen ihr Königspaar mit so einer ernsten Miene wie am 21. Oktober 2020. Das sonst nahezu perfekt agierende Gespann hatte kurz zuvor eine große Mehrheit der Niederländer gegen sich aufgebracht. Während sich das Land coronabedingt in einem harten Lockdown befand und Ministerpräsident Mark Rutte die Bevölkerung aufgefordert hatte, zu Hause zu bleiben, waren Willem-Alexander und Máxima mit ihren drei Töchtern in ihr Ferienhaus nach Griechenland geflogen. Das war ein nie dagewesener „Fehltritt“ der beiden, auch wenn die Reise, die umgehend abgebrochen wurde, nicht gegen Regeln verstieß. Nach der Rückkehr folgte der „Kniefall“ in Form einer Videobotschaft. „Es tut weh, Ihr Vertrauen verraten zu haben“, sagte Willem-Alexander mit bedröppeltem Gesicht. Und: „Wir sind betroffen, aber nicht unfehlbar.“

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Máxima wird ein untrügliches Gespür nachgesagt, was Menschen angeht, wie man sie begeistert, sie für sich einnimmt. Dass vor allem Máxima dieses Mal so danebenlag, mag einer gewissen Erschöpfung geschuldet gewesen sein, das Königspaar war nach den auch für sie anstrengenden Corona-Monaten urlaubsreif, aber auch der Tatsache, dass es viel weniger Kontakt zu seinem Volk hatte als vor der Pandemie. Máximas größte Stärke ist es, nah bei den Menschen zu sein. Deswegen ist sie so beliebt: Andere Königinnen oder Kronprinzessinnen mögen schöner sein als sie, doch sie schlägt sie alle, wenn es um die sprichwörtliche Volksnähe geht. Und das hat sie nicht nur den anderen Bürgerlichen in den Königshäusern voraus, sondern auch ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter, Prinzessin Beatrix.

          Die gebürtige Argentinierin Máxima Zorreguieta hat die niederländische Monarchie gehörig umgekrempelt. Willem-Alexander, der noch immer oft launisch und geradezu griesgrämig wirkt, hat durch Máxima erst an Statur gewonnen und von ihr zudem gelernt, auch mal aus seiner staatstragenden Rolle zu fallen. Was ihm mehr nützt als schadet. Máxima beherrscht den schmalen Grat, sich Protokoll und Etikette zu fügen, zugleich aber eigene, auch knallbunte modische Akzente zu setzen. Sie tut das mit Charisma und einem herzhaften Lachen, sodass niemand ihr lange böse sein kann.

          Das Königspaar bei einem Besuch des Unternehmens ECOstyle
          Das Königspaar bei einem Besuch des Unternehmens ECOstyle : Bild: dpa

          Ihr fliegen die Herzen zu, was Beatrix, die als durchaus schwierig gilt, frühzeitig erkannt haben dürfte, weshalb sie der anfangs höchst umstrittenen Verbindung ihres Sohns mit der Argentinierin überhaupt erst zustimmte. Eine Rolle dürfte dabei gespielt haben, dass auch die spätere Königin um ihre Liebe kämpfen musste: Gegen den deutschen Diplomaten Claus von Amsberg, der als Junge in der Hitlerjugend war, gab es Ende der Sechzigerjahre ebenfalls massive Vorbehalte.

          Máxima, die am 17. Mai 1971 in Buenos Aires geboren wurde, ist die Tochter von Jorge Zorreguieta, der Staatssekretär und Minister für Landwirtschaft unter Diktator Jorge Rafael Videla war. Als die Romanze zwischen dem Kronprinzen und Máxima Zorreguieta bekannt wurde, gab es heftigen Widerstand in den Niederlanden gegen die mögliche Braut, und das auch innerhalb der Regierung, die einer Hochzeit zustimmen musste. Willem-Alexander verteidigte dann sogar seinen Schwiegervater in einem Interview, er habe von den Verbrechen und Morden an 30000 Oppositionellen in Videlas Auftrag nichts gewusst. Dennoch konnte Beatrix am 30.März 2001 die Verlobung bekannt geben, Máximas Eltern, so war salomonisch beschlossen worden, wurden dafür aber zur Hochzeit nicht eingeladen.

          In der anschließenden Pressekonferenz, bei der die Journalisten demonstrativ sitzen blieben, als Willem-Alexander und Máxima den Raum betraten, war die Stimmung feindlich. Die Argentinierin aber hatte nicht nur in kürzester Zeit fließend Niederländisch gelernt, Máxima ging auch auf das missglückte Interview von Willem-Alexander über Jorge Zorreguieta ein. „Hij was een beetje dom“ – „Er war ein bisschen dumm“, sagte sie über ihren künftigen Mann. Damit hatte sie die Lacher auf ihrer Seite, das Eis war gebrochen. So viel Schlagfertigkeit, tatsächlich war der Satz einstudiert worden, hatte ihr niemand zugetraut. Die Reise der beiden danach durch die Niederlande geriet zum Ereignis, Zehntausende wollten Máxima sehen, sie wurde gefeiert wie ein Popstar.

          Als UN-Sonderbotschafterin für Kleinsunternehmer im Einsatz

          Die Begeisterung dauert an: Máxima ist das beliebteste Mitglied der Königsfamilie, auch weil sie, die ein Wirtschaftsstudium absolvierte, nicht nur die Frau an seiner Seite ist, sondern eine eigene Karriere hat. Seit 2009 setzt sie sich als UN-Sonderbotschafterin für Kleinstunternehmer in aller Welt ein, damit sie Zugang zu Krediten bekommen. Auch ohne ihren Mann ist sie eine geschätzte Gesprächspartnerin, nimmt regelmäßig an den Treffen der Weltbank teil. Zugleich ist sie Mutter von drei Töchtern, unter ihnen die 17Jahre alte Kronprinzessin Catharina-Amalia. Willem-Alexander, der seit 2013 der erste König seit 1890 auf dem Thron ist, wird eine Nachfolgerin haben. Falls die Niederländer an der Monarchie festhalten, woran niemand zweifelt, solange es Máxima gibt.

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