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Juan Carlos in Spanien : Ohne Erklärung oder Entschuldigung

Freut sich über Fans: Juan Carlos winkt Spaniern zu, die auf seine Ankunft im Zarzuela-Palast gewartet haben. Bild: AFP

Nur kurz schaute Juan Carlos am Montag bei seiner eigenen Familie in Madrid vorbei, bevor er nach Abu Dhabi aufbrach. Schon im Juni will er nach Spanien zurückkehren.

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          Es war ein konspirativer Besuch im Zarzuela-Palast, in dem Juan Carlos fast 60 Jahre gewohnt hatte. Dort trafen sich am Montag gleich zwei Könige. Doch der offizielle Kalender des spanischen Königs­hauses hatte an diesem Tag keinen Eintrag. Was sich in der Residenz von König Felipe abspielte, war für das Königshaus eine Privatangelegenheit. Nicht einmal ein Familienfoto gab es, nur Bilder des Autos des alten Königs und eine knappe Erklärung vor dem Abflug kurz nach 22 Uhr. Sie verriet, dass er nach fast zwei Jahren nicht nur seinen Sohn, sondern fast die ganze Familie traf. Mit Ausnahme der Kronprinzessin Leonor, die ein College in Wales besucht. Seine Ehefrau Sofía konnte dem Mittagessen nur mit Gesichtsmaske und mit Sicherheitsabstand beiwohnen. Sie hatte sich auf einer USA-Reise am Wochenende mit Covid infiziert.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Vor seinem Aufbruch in Galicien hatte sich der emeritierte König noch auf „viele Umarmungen“ im Zarzuela-Palast gefreut, den er vor 21 Monaten verlassen hatte, um sich in Abu Dhabi niederzulassen. Einiges spricht dafür, dass das Wiedersehen mit Felipe nicht sonderlich herzlich begann. Denn Königshaus und Regierung hatten sich eine diskretere Rückkehr gewünscht, bei der er in Madrid zuerst das Staatsoberhaupt und die eigene Familie besucht, bevor er sich mit seinen Freunden bei einer Regatta an der galicischen Küste vergnügt.

          „Erklärungen wozu?“

          Am Samstag setzte er sich dort ans Steuerruder seines Segelbootes, das den Wettbewerb am Ende gewann. Juan Carlos ging zum Grillen und besuchte ein Handballspiel einer seiner Enkel. Den Spaniern hatte er nichts zu sagen, außer dass er sich sehr wohlfühle. Fern jeder Selbstkritik wegen seiner zahllosen Affären entgegnete er einer Journalistin auf eine Nachfrage mit der Gegenfrage: „Erklärungen wozu?“

          Eine Regierungssprecherin bedauerte am Montag, dass Juan Carlos die Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließ, sich zu entschuldigen und sein Handeln zu erklären; das schade letztlich nur seinem eigenen Ansehen. Am Wochenende war es in Sanxenxo und Madrid zu kleineren Protestkund­gebungen gekommen. Von Juan Carlos, „der jahrzehntelang der Repräsentant der höchsten spanischen Institution war, kann man ein anderes Verhalten erwarten. „Er tat so, als wäre nichts gewesen“, kommentierte am Montag die Zeitung „Periódico de España“. Damit schade er den Bemühungen seines Sohnes um eine tran­sparente und moderne Monarchie.

          Das gilt besonders für seine luxuriöse An- und Abreise. Das Privatflugzeug, das ihn am vergangenen Donnerstag zunächst von Abu Dhabi nach Vigo geflogen hatte, brachte ihn am Montagmorgen nach Madrid und am Abend zurück an den Golf. Nach Informationen der Zeitung „El País“ kommt der Emir von Abu Dhabi, Muhammad Bin Zayid Al Nahyan, für die Reisekosten von insgesamt mehr als 100.000 Euro auf. Damit verstieß der Monarch wohl gegen den Ehrenkodex, den sein Sohn für die Mitglieder des Königshauses erlassen hatte.

          Laut dem Reglement dürfen sie persönliche Geschenke nur annehmen, wenn sie „die gesellschaftlichen oder höflichen Gepflogenheiten nicht überschreiten“. Den Rahmen dafür steckt das Königshaus ab. Felipe veröffentlicht nicht nur seine sämtlichen Einkünfte, er hat vor Kurzem auch sein Privatvermögen offengelegt. Schon im Juni will Juan Carlos zur nächsten Regatta nach Sanxenxo fliegen und dort zwei Wochen bei Freunden bleiben. Und in London geht der Prozess weiter, den seine frühere Geliebte Corinna zu Sayn-Wittgenstein gegen ihn führt.

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