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Knigge-Tipps für Bayernspieler : „Mache das, was Manuel Neuer tut“

Mats Hummels auf einer Pressekonferenz in Berlin Bild: AFP

„Ich kenne gar nicht den Knigge, wie man sich da verhält“, hat Mats Hummels gesagt, nachdem die Bayern-Spieler im DFB-Pokalfinale den Siegern nicht Spalier gestanden hatten. Moritz Freiherr Knigge klärt den Fußballer im Interview gerne auf.

          Herr Knigge, der Fußballer Mats Hummels kennt den Knigge für Finalniederlagen nicht. Können Sie helfen?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Klar, wenn Herr Hummels eine Anleitung vermisst, gebe ich ihm die gerne. Erstens sollte jeder Spieler damit rechnen, zu verlieren. Wenn es dann tatsächlich passiert, was ich niemandem wünsche, hilft das vielleicht, damit besser umgehen zu können. Wichtig wäre es dabei, zu zeigen, dass auch ein zweiter Platz sehr ehrenvoll ist – wenn man bedenkt, dass viele andere so weit nicht kommen. Herr Lewandowski hat stattdessen seine Silbermedaille zwei Sekunden nach der Übergabe wieder ausgezogen, Sandro Wagner hat sie sogar in die eigene Fankurve geworfen. Das finde ich eine respektlose Art und Weise, mit so einem Preis umzugehen. Höflich wäre es außerdem, dem Sieger eine gewisse Ehrerbietung zukommen zu lassen und nicht einfach in der Kabine zu verschwinden. Zu guter Letzt sollte man danach für Interviews zur Verfügung stehen und nicht beleidigt schweigen. Herr Hummels hat es eigentlich nicht schwer: Er kann einfach immer das machen, was Manuel Neuer tut. Der hat sich am Samstag sehr korrekt verhalten.

          Aber ist es nicht nachvollziehbar, wenn man sich im Angesicht einer großen Enttäuschung nicht mehr an Höflichkeitsregeln hält?

          Nein, die Maßstäbe ändern sich nicht. Aus dieser Situation heraus ist das Verhalten erklärbar. Aber das macht es nicht besser. „Ich war unhöflich, weil ich enttäuscht war“ – das ist keine Entschuldigung, die die Unhöflichkeit legitimiert. Insgesamt müssen sich Fußballstars, die so massiv in der Öffentlichkeit stehen, immer wieder ganz bewusst machen, dass sie eine Vorbildfunktion haben. Alles was sie tun, wird wahrgenommen. Und das hat Auswirkungen darauf, wie sich eine F-Jugend-Mannschaft nach einem verlorenen Finale verhält: Die großen Stars haben das geschafft, was sich junge Spieler wünschen. Und wenn die das so machen, kann es ja nicht so falsch sein, denken die Kinder. Wenn den Stars das selbst nicht bewusst ist, muss ihnen das immer wieder bewusst gemacht werden.

          Moritz Freiherr Knigge ist ein deutscher Autor und Redner: „Mein Thema ist: Mensch bleiben – wie wir besser miteinander klarkommen“, sagt er.

          Sandro Wagner war schon nach seiner Nicht-Nominierung für die Nationalmannschaft negativ aufgefallen, als er das Trainerteam scharf angriff. Wie sollte man als normaler Mensch damit umgehen, wenn man mit einer Karriere-Entscheidung des Chefs unzufrieden ist?

          Meine These ist, dass der Todfeind der Höflichkeit die Ungelassenheit ist. Also: Gelassen bleiben. Es ist erklärbar, dass man aus einer Enttäuschung heraus so reagiert wie Herr Wagner, wir sind ja keine Roboter. Aber man kann schon erwarten, dass ein erwachsener Mensch erst mal durchatmet, sich bewusst macht, dass er grade nicht gut drauf ist – und deswegen erst mal keinen Kommentar abgibt. Für alle Menschen gilt: In stressigen Situation sollte man sich besonders stark reflektieren. Es ist in Ordnung, seine Enttäuschung kundzutun. Es ist dann aber eine Frage der Wortwahl, wie ich das tue. Nachzutreten halte ich für einen schlechten Stil.

          Aber Sie haben ja auch gefordert, dass die Spieler nach Niederlagen Interviews geben sollen. Warum ist es in dem Fall dann doch keine Option zu schweigen?

          In der Position, in der diese Fußballer sind, haben sie da eine gewisse Schuldigkeit. Es gehört meiner Meinung nach sogar zur Jobbeschreibung dazu, mit einer Niederlage umgehen zu können. Fast alle Bayern-Spieler stehen seit 15 Jahren oder mehr auf dem Platz. Und sie betonen immer wieder, was für Profis sie sind und wie professionell sie arbeiten. In vielen Bereichen scheinen sie es aber doch nicht zu sein. Sie können ja in Interviews sagen: „Natürlich verliere ich nicht gerne, es tut jetzt auch weh.“ Aber die beleidigte Leberwurst zu geben, die gar nichts mehr sagt, finde ich schon sehr unprofessionell.

          Ist der Todfeind der Höflichkeit in dem Moment nicht eher die Ehrlichkeit?

          Das ist immer eine beliebte Ausrede: „Ich war ja nur ehrlich, ich war ja nur authentisch.“ Und deshalb darf man dann jemanden fertig machen? Bestimmt nicht. Die Menschen wollen in solchen Momenten bestimmt nichts Böses. Aber sie müssen sich die Dynamik bewusster machen. Gerade wenn sie in der Öffentlichkeit stehen.

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