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Knigge für Kinder : Bitte, danke, gern geschehen

In der Rolle kleiner Co-Gastgeber

Früh übt sich, wer ein guter Gastgeber sein will. Kommen Gäste, schlüpft das Kind in die Rolle des Co-Gastgebers und wird altersgerecht miteingebunden. Gemeinsam wird der Ablauf geplant, überlegt, wie der Besuch begrüßt und plaziert werden soll. Onkel Otto sitzt nicht so gern auf dem harten Stuhl, er wird zum Sessel geleitet. Tante Frieda mag keine Limo und bevorzugt Likör. Allerdings riskieren kleine Kellner so dankbare Sabberküsse. Worüber rede ich? Smalltalk bewältigen auch Kinder, Hauptsache, sie bezeugen Interesse am anderen, erzählen nicht nur von sich selbst und fragen freundlich: Wie war die Fahrt? Habt ihr den Hund nicht dabei? Auch wenn ich zum dritten Mal gefragt werde, wie es in der Schule läuft, rolle ich nicht mit den Augen.

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Eine kurze Begrüßungsrede kriegen auch Schüchterne hin. Sie klopfen mit einem Besteckteil ans Glas, danken fürs Kommen, die Geschenke und erheben das Glas. „Der Applaus ist euch sicher“, ermutigt Susanne Helbach-Grosser in Rollenspielen. Beim langersehnten Geburtstag wird vorab nachgedacht: Die Anna ist ungeschickt beim Ballspielen, was machen wir, damit sie mal gewinnt? Was also tun, damit sich die Gäste wohlfühlen? Die Dozentin, die aus einem großen Geschäftshaushalt stammt, hat ein Familienritual: Am Tag nach dem Geburtstag wurden gemeinsam neue Regeln, Rechte und Pflichten, diskutiert, aufgestellt und aufgeschrieben: Jetzt darf die Tochter länger wegbleiben und übernimmt eine neue Aufgabe im Haushalt.

Ordentlich angezogen

Hübsch angezogene Kinder werden häufiger angelächelt. Ein attraktives Äußeres ist selbstverstärkend, das ist eine Binse in der Sozialpsychologie. Kleider machen auch kleine Leute. Warum muss ein Knirps mit knittrig-grellem Blöder-Spruch-T-Shirt zur Schule gehen? Es muss kein blütenweißes Poloshirt sein, ein in Form gezogenes Ringelshirt tut es auch. Das vermittelt ein anderes Gefühl, eine Ich-werde-aufrechter-Haltung und signalisiert: Ich nehme die Schule ernst und tummele mich nicht am Baggersee. Angemessene Kleidung ist ein ausuferndes Thema, das für Helbach-Grosser bei zu minimalen Mädchenminiröcken beginnt und bei zerfetzten Jeans mit ungünstig herausquellendem Kniespeck noch lange nicht endet.

Spielplatz, ein vermintes Terrain

Kinderknigge auf dem Spielplatz – Fehlanzeige. Was tun, wenn Ole-Leon meiner Maja mit der Schaufel einen mitgibt? Einmischen, angestrengt wegschauen? Sich sofort aufplustern und anderen Eltern besserwisserisch und ungefragt Erziehungstipps diktieren fällt für Susanne Hellbach-Grosser unter schlechtes Benehmen. Selbstverständlich müssen schwächere Kinder geschützt werden, Diplomatie hilft weiter. Andere überfordern, beleidigen, kränken, ihre Bedürfnisse nicht wahrnehmen, das ist keine Lösung. „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die des anderen eingeschränkt ist. Wer das beherzigt, macht vieles richtig.“

Auf stumm schalten

Smartphones haben Stummschaltung und sollten öfter Auftrittsverbot haben. Es ist grob unhöflich, statt miteinander beim Ausgehen Spaß zu haben, ständig aufs Smartphone zu starren, als müsse man auf Abruf die Welt retten. Auch wenn das nach Wiederholungsschleife klingt: Eltern sind Vorbild. Wer während der Suppe selbst scrollt, bekommt dauersurfenden Nachwuchs.

Diskret und nicht demütigend

Was gar nicht geht: Kinder lautstark öffentlich zu gängeln, sie nach vorn schubsen mit einem gezischten „Jetzt gib mal die Hand!“ Das demütigt und ist nichts für fremde Augen und Ohren. Beiseite nehmen und ruhig unter vier Augen erklären, was geht und was nicht geht. „Das ist das Allerschlimmste, wenn Kinder in aller Öffentlichkeit erzogen werden“, kritisiert Susanne Helbach-Grosser die Kritiker.

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