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Klippenspringerin Anna Bader : Eine Frau will nach unten

Training fängt mit der Sicherheit an

Als Anna Bader in Barcelona nach dem letzten Sprung aus dem Wasser steigt, ist ihr die Enttäuschung anzumerken. Da ist klar: Sie wird eine Medaille gewinnen. Aber es wird nicht die goldene sein. Der letzte Sprung lief nicht ganz wie gewünscht, Anna Bader wird am Ende Dritte, beste Europäerin. Mit ein bisschen Abstand ist sie trotzdem glücklich mit Bronze. Zumal der WM-Wettkampf, im Fernsehen übertragen, in Zeitungen beschrieben, vor perfekter Kulisse inszeniert, gewaltiges Interesse weckt am Klippenspringen. Seither ist immer mal wieder vom nächsten Schritt die Rede, vom Zauberwort jedes Sportlers. Von Olympia.

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Ein Juni-Tag in Freiburg, Anna Bader ist ins Westbad gekommen, in ihre Trainingsstätte. Sprünge aus 20 Meter Höhe zu trainieren ist nicht so ganz einfach, aus vielerlei Gründen, angefangen mit der Sicherheit. Deshalb feilt Anna Bader oft an einzelnen Elementen, Anlauf, Absprung, Drehungen, Salti, Eintauchen, von den verschiedenen Plattformen des Sprungturms im Westbad aus. Zudem arbeitet sie in einer Wassersprung-Show bei Lyon, das Bad dort hat einen Absprungpunkt in 23 Meter Höhe. „Das ist perfekt für mich. So habe ich die Möglichkeit, die Höhe zu trainieren und ein bisschen Geld zu verdienen. Was ja auch nicht schadet.“

Klippenspringen ist weder Fußball noch Formel 1, von Startprämien, Preisgeldern und anderen Einkünften lässt sich leben, nicht aber für später vorsorgen. Deshalb hat sich Anna Bader parallel zum Sport eine berufliche Perspektive in einer anderen Welt aufgebaut. Sie studierte Geographie und Englisch auf Lehramt und hat schon begonnen, als Referendarin an einem Gymnasium zu arbeiten. Es war ein Sprung der ungewöhnlichen Art für sie - vom Klippenspringen ins Klassenzimmer. Das Doppelleben ließ sich zunächst gut an, sportlich wie schulisch. Im vergangenen Sommer aber merkte sie, dass ihr die Zeit für das Training fehlte, dass die Sicherheit bei den Sprüngen litt. Und das nervte. Vor allem, weil da noch dieses eine Ziel war: die Weltmeisterschaft 2015 in Kasan (Russland), Anfang August.

„Ich springe, so lange es mir Spaß macht“

Also stellte sie einen Antrag auf ein Jahr Auszeit, packte all die Glückwunschschreiben nach WM-Bronze von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten mit ein - und darf nun bis September pausieren. Seither widmet sie sich ganz dem Sport. Bei den internationalen Wettkämpfen zuletzt wurde sie Zweite und Vierte. „Manchmal träume ich schon davon, in Kasan zu gewinnen, das wäre der Hammer“, sagt Anna Bader. „Aber wenn man sich darauf versteift, verzettelt man sich und will unbedingt. Und auf einmal ist man so borstig, dass gar nichts mehr klappt.“ Ihr Wohl und Wehe hängt nicht am Gewinn einer Goldmedaille. „Die WM ist nur ein Tag, jeder Sprung dauert drei Sekunden. Das Vorbereiten darauf, das gemeinsame Basteln an Sprüngen mit Freunden - das ist das, was am meisten Spaß macht.“

Und dann, nach Kasan? Klippenspringen oder Klassenzimmer? Anna Bader hat eine Art Zuhause gefunden im Badischen, sagt sie, einen Freundeskreis, sie fühlt sich verwurzelt dort. Auf der anderen Seite hat sie der Lebensstil in der Zeit in Asien geprägt, die Inspiration durch die Gemeinschaft mit anderen Springern. „Die Freundschaften, die Gruppe, mit der ich da gearbeitet habe, das bleibt. Das kann ich nicht einfach so wegschließen und sagen: Okay, jetzt fang' ich ein normales Leben an.“

In diesem Jahr wird Anna Bader 32 Jahre alt. „Ich springe, so lange es mir Spaß macht“, sagt sie. „Man merkt ja, wenn der Körper sagt: Das ist mir eine Nummer zu krass. Dann lass ich's.“ Sagt er aber nicht. Der Reiz des Klippenspringens ist ungebrochen. Also wird sie es weiter so halten wie bisher. „Ich versuche, nicht so lange Pläne für die Zukunft zu machen“, sagt Anna Bader. „Das funktioniert meist sowieso nicht richtig.“

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