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Klimawandel im Südpazifik : Saat der Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Meeresbiologe und Gründer der Teitei-Farm: Austin Bowden-Kerby. Bild: F.A.S.

Der Klimawandel führt auf den Inseln des Südpazifiks zu Missernten. Doch statt zu verzweifeln, stellen sich die Bewohner den Herausforderungen – und meistern diese auf ihre Art.

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          Schon beim Anflug lässt sich beobachten, wie der Inselstaat Kiribati sich verändert. Dort, wo noch vor vier Jahren kahle Stellen dem Meer keinen Widerstand leisteten, bremsen heute üppig grüne Mangrovenwälder die überschäumenden Wellen. Es ist nur die erste von zahlreichen positiven Entwicklungen, die Eritai Kateibwi Anfang 2017 bei seiner Rückkehr in die Heimat wahrgenommen hat. „Ich bin beeindruckt, wie viele Menschen Mangroven anbauen, wie viele die Strände reinigen, wie viele auf die Umwelt achten“, schwärmt der 29-Jährige. „Das zu sehen macht mich glücklich. Ich habe jedenfalls keinen Zweifel mehr, dass unsere Inseln auch noch in 50 Jahren da sind.“

          Zuversichtliche Aussagen wie diese hört man im Südpazifik immer wieder. Und das, obwohl jahrelang nur vom Klimawandel und seinen Folgen für die Inseln von Kiribati bis Fidschi geredet wurde. Etwa von den heftigen Regenfällen in der Trockenzeit zwischen Juni und November; sie lassen die Bevölkerung genauso ratlos dastehen wie die unvorhersehbaren Hitzeperioden, die die Wasservorräte dezimieren. Während die Großeltern der Inselbewohner noch wussten, in welcher Jahreszeit sie welches Gemüse anbauen konnten, können sich ihre Enkel auf die seasons nicht mehr verlassen. Wetterextreme, steigender Meeresspiegel und die zunehmende Versalzung des Bodens führen zu Missernten und einer Abhängigkeit von importierten Lebensmitteln. Statt sich von Taro, Yams oder Bohnen zu ernähren, greifen die Menschen vermehrt zu Thunfisch in Dosen, Fertignudeln und Keksen. Krankheiten wie Diabetes nehmen laut den Vereinten Nationen zu, ebenso wie die Berge von Abfall. Wenn die Inseln nicht untergehen, so werden sie in jedem Fall unbewohnbar werden, hieß es jahrelang.

          System des erdelosen Gartenbaus

          Allen voran: Kiribati mit seinen 33 Einzel-Inseln. 2050 sollte es Berechnungen der Weltbank zufolge größtenteils nicht mehr bewohnbar und spätestens 2070 überschwemmt sein. Heute will man davon nichts mehr wissen. „Wir versuchen, uns vom Glauben an den Untergang Kiribatis zu distanzieren“, wird etwa der Präsident der Republik, Taneti Maamau, von der gemeinnützigen Nachrichtenorganisation „Inside Climate News“ zitiert. „Die letzte Entscheidung obliegt aber Gott.“

          Was manche auf den Pazifikinseln, wo viele Menschen tief gläubig sind, als Entschuldigung dafür nehmen, aufs biblische Ende der Welt zu warten, sehen andere als Aufforderung, dem Allmächtigen unter die Arme zu greifen. Eritai Kateibwi gehört zu Letzteren. Als der frisch Verheiratete vor fünf Jahren zum Studieren nach Hawaii ging, hatte er beschlossen, nach seiner Rückkehr auf seiner Heimatinsel Marakei ein Resort zu eröffnen und so für seine Landsleute Jobs zu schaffen. Es sollte anders kommen. Mit einem Mentor habe er bereits an seinem Vorhaben gearbeitet, erzählt der leidenschaftliche Taucher und Fischer, „da kam wie aus dem Nichts die Idee mit Hydroponik. Ich wusste, das ist genau das, was wir auf Kiribati brauchen.“

          Tatsächlich scheint das System des erdelosen Gartenbaus wie gemacht für den dichtbewohnten Inselstaat: Mit Hilfe von Sonnenkraft kann jeder auf engem Raum Gemüse anbauen und nicht nur Zeit und Raum sparen, sondern vor allem kostbares Frischwasser. Genauer gesagt 90 Prozent dessen, was im traditionellen Anbau benötigt wird. „Hydroponik ist an sich nichts Neues“, beschreibt Kateibwi sein Projekt „Te Maeu“ (deutsch: Leben), das er im eigenen Garten getestet hat. „Aber mit Hilfe meiner Mentoren und Kollegen haben wir ein modulares System entwickelt, das jeder Achtjährige verstehen und bedienen kann.“

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