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Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

Luisa Neubauer: Die „Fridays for Future“-Bewegung wird medial vor allem von jungen Frauen repräsentiert. Bild: dpa

„Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.

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          Klimawandel und Umweltzerstörung sind zu beherrschenden Themen bei Jugendlichen geworden und das größte Motiv ihres politischen und gesellschaftlichen Engagements. Zu diesem Ergebnis kommt die 18. Shell-Jugendstudie, eine alle vier Jahre erhobene Umfrage unter mehr als 2500 Teilnehmern im Alter von 12 bis 25 Jahren, die am Dienstag in Berlin präsentiert wurde.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, junge Menschen wüssten, dass die aktuellen Entscheidungen ihre Zukunft beeinflussten, deswegen wollten sie daran beteiligt sein. Die Studie zeige, dass viele auf Demokratie, eine offene Gesellschaft und ein geeintes Europa setzten. Darin zeige sich ein Vertrauen, das die Politik nicht verspielen dürfe. Neben dem Recht auf Schutz und Förderung müsse es daher für Kinder auch ein grundgesetzlich garantiertes Recht auf Beteiligung geben.

          Die Autoren gaben der aktuellen Studie den Titel „eine Generation meldet sich zu Wort“. Zwar gaben in den Umfragen etwas weniger junge Menschen als vor vier Jahren an, sie interessierten sich mehr oder weniger stark für Politik (41 Prozent gegenüber 43 im Jahr 2015), doch liegen diese Werte weiterhin deutlich über den früheren Ergebnissen seit der Jahrtausendwende. Das Interesse an Politik steigt nach wie vor stark mit steigendem Bildungsgrad. Einen Wechsel stellten die Autoren bei den Geschlechterrollen fest: Momentan habe „es den Anschein, dass Mädchen sich als Vorreiterinnen im politischen Engagement präsentieren. Dies gilt vor allem für die ,Fridays for Future'-Initiative, die medial stark von jungen Frauen repräsentiert wird.“

          Klimawandel statt Arbeitslosigkeit

          Das Internet ist bei Kindern und Jugendlichen die wichtigste Bezugsquelle für politische Informationen geworden. Die Befragten gaben an, sie nutzten am häufigsten Nachrichten-Webseiten (20 Prozent), aber auch Social-Media-Seiten, Messenger Apps oder Filme auf Youtube. 15 Prozent der Befragten sagten, sie informierten sich auch aus dem Radio oder aus Tageszeitungen. Das größte Vertrauen in die Berichterstattung genießen weiterhin die klassischen Medien, Fernsehnachrichten und Tageszeitungen. 82 Prozent der Befragten in Westdeutschland gaben an, sie vertrauten diesen Medien, 68 der jungen Ostdeutschen äußerten sich auch so.

          Umweltschutz und Klimawandel haben als wichtigste Sorgenthemen junger Menschen frühere Themen wie Arbeitslosigkeit und die Sorge vor steigender Armut abgelöst. Fast drei Viertel der Befragten nennen Umweltverschmutzung als aktuelles Problem, gefolgt von Klimawandel und Angst vor Terroranschlägen, die von zwei Drittel der Befragten als wichtige Sorge eingeordnet werden.

          Die Europäische Union genießt bei jungen Deutschen ein gutes Ansehen; die Hälfte der Befragten bewerteten die EU als positiv oder eher positiv, während weniger als ein Zehntel der Befragten äußerte, negativ oder sehr negativ gegenüber der EU eingestellt zu sein. Fast alle Jugendlichen verbinden mit der EU als Erstes die Freizügigkeit, also die Möglichkeit, in andere Länder Europas reisen, dort studieren und arbeiten zu können. Weitere positive häufig genannte Werte, die mit der EU verbunden werden, sind kulturelle Vielfalt, Frieden und Demokratie, gefolgt von wirtschaftlichem Wohlstand.

          Greta Thunberg: In Sorge wegen des Klimawandels

          Die Spaltung der Gesellschaft in der Migrationsfrage spiegelt sich, wie die Studie zeigt, auch in den Milieus der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Einerseits befürwortet eine Mehrheit von 57 Prozent, dass Deutschland in den vergangenen Jahren viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Andererseits findet die Aussage „in Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden“, eine noch höhere Zustimmungsrate von 68 Prozent.

          Die Zufriedenheit mit den demokratischen Zuständen in Deutschland liegt bei den westdeutschen Befragten etwas höher als bei den Ostdeutschen, erreicht aber allgemein den hohen Wert von 77 Prozent. Bei den persönlichen Werten ergaben sich im Vergleich zu der Erhebung von 2015 einige Verschiebungen. Gesundheitsbewusstsein ist aktuell für etwa 80 Prozent der Befragten das am höchsten eingeordnete Ziel, der Schutz der Umwelt rangiert bei 71 Prozent Zustimmung. Ein eigener hoher Lebensstandard wird hingegen nur von 63 Prozent als wichtig bewertet. Die Erhebungen zu der aktuellen Studie fanden von Januar bis Mitte März statt. Die Fragen und die Auswertung der Daten wurde von einem wissenschaftlichen Team unter Leitung des Bielefelder Sozialforschers Mathias Albert konzipiert.

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