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Vorabdruck aus Thunberg-Buch : Diese Thunbergs

  • Aktualisiert am

Bild einer Familie: Beata und Greta, Mutter Malena, Vater Svante und der Golden Retriever Moses. Bild: Thunberg /Ernman

Da ist die Klimaaktivistin Greta, und da ist die Tochter Greta. In einem gemeinsamen Buch gibt die Familie, angeführt von Mutter Malena, jetzt Einblicke in ihren außergewöhnlichen Alltag zwischen besonderer Begabung und Essstörung.

          An einem Abend hocken Svante und ich zu Hause in Stockholm im Badezimmer auf dem Fußboden. Es ist spät, die Kinder schlafen. Rings um uns bricht alles zusammen.

          Greta ist gerade in die fünfte Klasse gekommen, und es geht ihr nicht gut. Sie weint, wenn sie abends im Bett liegt. Sie weint auf dem Weg zur Schule. Sie weint im Unterricht und in den Pausen, und ihre Lehrer rufen fast täglich an. Svante muss sie nach Hause holen. Nach Hause zu Moses, unserem Golden Retriever, denn nur Moses hilft.

          Greta sitzt stundenlang neben ihm und streichelt ihm über das Fell. Wir versuchen alles, was in unserer Macht steht, doch ohne Erfolg. Unsere Tochter verschwindet in eine Art Dunkelheit und hört quasi auf zu funktionieren. Sie hört auf, Klavier zu spielen. Sie hört auf zu lachen. Sie hört auf zu reden. Und. Sie hört auf zu essen. Wir sitzen auf den kalten Fliesen und wissen genau, was wir tun werden. Wir werden alles tun. Wir werden alles ändern. Wir werden Greta zurückholen, was auch immer es kostet.

          Frühstück: 1/3 Banane. Zeit: 53 Minuten. An der Wand hängt ein weißer DIN-A3-Bogen, auf dem wir notieren, was Greta isst und wie viel Zeit sie dafür benötigt. Es ist nicht viel. Und es geht nicht schnell. Aber in der Notaufnahme des Stockholmer Zentrums für Essstörungen sagte man uns, dass diese Methode auf lange Sicht häufig Erfolg brächte. Man schreibt jede einzelne Mahlzeit auf und erstellt eine Liste der Lebensmittel, die man essen kann, die man vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt essen kann und die man essen können möchte. Die Liste ist kurz: Reis, Avocado, Gnocchi.

          Es ist Dienstag, der 8. November, und wir befinden uns irgendwo zwischen Kungsholms Strand und dem Abgrund. In fünf Minuten fängt die Schule an. Aber Greta geht heute nicht zur Schule. Sie wird diese Woche überhaupt nicht zur Schule gehen. Gestern bekamen Svante und ich wieder eine E-Mail von der Schulleitung, die ihre „Besorgnis“ über Gretas mangelnde Anwesenheit bekundete, obwohl Ärzte und Psychologen der Schule wiederholt ihre Situation schilderten.

          Erneut erkläre ich die Lage, in der wir uns befinden, und erhalte als Antwort eine E-Mail, in der die Schule ihrer Hoffnung Ausdruck verleiht, Greta werde am Montag wie üblich zum Unterricht kommen, damit wir dieses Problem lösen können. Aber Greta wird am Montag nicht zum Unterricht kommen. Greta hat vor zwei Monaten aufgehört zu essen, und wenn keine dramatische Veränderung eintritt, wird sie nächste Woche ins Sachsska- Kinderkrankenhaus eingewiesen.

          Jeder kleinste Bissen hilft

          Das Mittagessen nehmen wir auf dem Sofa vor dem Fernseher ein und schauen dabei Once upon a time – Es war einmal auf DVD. Die Serie hat mehrere Staffeln, und jede Staffel umfasst ungefähr ein halbes geologisches Zeitalter. Das passt uns gut. Wir benötigen Dekaden an Zeit, um unsere Mahlzeiten zu bewältigen.

          Svante kocht Gnocchi, kleine Kartoffelklößchen, die wie Rugbybälle geformt und groß wie Bonbons sind. Es ist unheimlich wichtig, dass die Gnocchi die richtige Konsistenz haben, sonst kann Greta sie nicht essen. Wir legen sie abgezählt auf den Teller. Die Anzahl ist ein Drahtseilakt; nehmen wir zu viele, isst unsere Tochter nichts, nehmen wir zu wenige, isst sie nicht genug. Natürlich ist alles, was Greta isst, nicht genug, aber jeder kleinste Bissen hilft, und nichts darf verschwendet werden.

          Greta sortiert die Gnocchi. Sie dreht sie hin und her. Sie drückt auf ihnen herum. Und dann fängt sie wieder von vorne an. Nach zwanzig Minuten beginnt sie zu essen. Sie lutscht und kaut winzig kleine Bissen. Es geht langsam. Eine Folge ist zu Ende. Neununddreißig Minuten. Wir beginnen mit der nächsten und notieren verschiedene Zwischenzeiten. Die Anzahl Bissen pro Folge. Aber wir sagen nichts. „Ich bin satt“, verkündet Greta plötzlich. „Ich kann nicht mehr.“

          Svante und ich sehen uns nicht an. Wir dürfen uns unsere Verzweiflung nicht anmerken lassen. Wir haben begriffen, dass nur das funktioniert. Wir haben andere Taktiken probiert. Alle nur denkbaren Methoden. Wir haben es mit Strenge versucht. Wir haben geschrien, gelacht, gedroht, gefleht, gebettelt, geweint und uns alle möglichen Bestechungen ausgedacht, die unsere Phantasie ersinnen konnte. Aber dieser Weg scheint am besten zu funktionieren. Svante geht zu dem DIN-A3-Bogen an der Wand und notiert: Mittagessen: 5 Gnocchi. Zeit: 2 Stunden und 10 Minuten.

          Greta ist klug. Sie besitzt ein photographisches Gedächtnis und kann zum Beispiel alle Hauptstädte der Welt aufsagen. Wenn ich frage: „Kerguelen?“, antwortet sie: „Port-aux-Français.“ „Sri Lanka?“ „Sri Jayawardenapura Kotte.“ Und wenn ich „Rückwärts?“ sage, kommt ihre Antwort genauso schnell, nur rückwärts. Svante, der als Kind Flugpläne auswendig gelernt hat, behauptet immer, sie sei eine bessere Ausgabe von ihm. Greta kann in weniger als einer Minute alle Elemente des Periodensystems aufzählen, aber es ärgert sie, dass sie nicht weiß, wie man einige von ihnen ausspricht.

          Die Müllinsel ist schnell wieder vergessen

          Es gibt eine Lehrerin, die Greta in ihrer Freizeit unterrichtet. Zwei Stunden in der Woche, in Pausen und Springstunden, in der Schulbibliothek. Heimlich. Das genügt, damit Greta alle Fächer der fünften Klasse besteht. Ohne diese Lehrerin hätte nichts funktioniert. Rein gar nichts. „Ich habe gesehen, wie viele hochsensible, leistungsorientierte Mädchen kaputtgegangen sind. Damit ist jetzt Schluss“, sagt die Lehrerin. „Meine Grenze ist erreicht.“

          Die Untersuchungsergebnisse des Stockholmer Zentrums für Essstörungen zeigen, dass Gretas Pulswerte sich normalisieren, und auch ihre Gewichtskurve verläuft endlich steil genug nach oben, um neuropsychiatrische Tests durchzuführen. Unsere Tochter hat Asperger, hochfunktionalen Autismus und leidet unter Zwangsstörungen (OCD). „Wir könnten auch noch die Diagnose Selektiver Autismus hinzufügen, aber diese Symptome legen sich häufig mit der Zeit.“

          Wir sind nicht erstaunt. Zu diesen Schlussfolgerungen sind wir im Prinzip schon vor vielen Monaten gekommen. Als wir die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik verlassen, ruft Beata an. Sie isst heute Abend bei einer Freundin, und mein schlechtes Gewissen meldet sich. Das ist seit langer Zeit das erste Mal, dass Beata nicht alleine Abendessen muss. „Bald kümmern wir uns auch um dich, mein Schatz“, verspreche ich ihr um meiner selbst willen, „aber zuerst muss Greta gesund werden.“ Der Sommer steht vor der Tür, und wir gehen zu Fuß nach Hause. Wir müssen fast nicht mehr darauf achten, keine Kalorien zu verbrennen. Das, was unsere Tochter durchgemacht hat, lässt sich nicht allein in medizinische Fachbegriffe fassen oder mit Anderssein erklären. Sie bekam die Dinge ganz einfach nicht zusammen.

          In einer Schulstunde sieht Gretas Klasse einen Film über die Verschmutzung der Weltmeere. Im südlichen Pazifik treibt eine Insel aus Plastikmüll, die größer ist als Mexiko. Greta bricht während des Films in Tränen aus. Auch ihre Klassenkameraden sind betroffen. Am Ende der Stunde erzählt die Lehrerin, dass am Montag eine Vertretungskraft für sie einspringe, weil sie am Wochenende auf eine Hochzeit eingeladen sei – in Connecticut, außerhalb von New York. „Wow, Sie Glückspilz“, sagen die Schüler.

          Draußen auf dem Flur ist die Müllinsel vor der chilenischen Küste schon wieder vergessen. Aus Daunenjacken mit Pelzkragen werden neue iPhones gezogen; und alle, die schon einmal in New York waren, schwärmen davon, wie viele coole Läden es dort gäbe, und in Barcelona könne man ganz toll shoppen, und in Thailand sei alles superbillig, und irgendwer fliegt mit seiner Mutter in den Osterferien nach Vietnam, und Greta bekommt das alles nicht zusammen. In der Schulmensa gibt es an diesem Tag Hamburger, aber Greta kann nicht essen.

          In der Mensa ist es warm und eng. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, und plötzlich ist dieses fettige Stück Fleisch auf dem Teller kein Nahrungsmittel mehr. Es ist der zerquetschte Muskel eines Lebewesens, das Gefühle hat, ein Bewusstsein und eine Seele. Die Müllinsel hat sich auf Gretas Netzhaut eingebrannt. Sie fängt an zu weinen und will nach Hause, aber sie darf nicht nach Hause und soll in der Schulmensa tote Tiere essen und über Markenklamotten, Make-up und Handys reden.

          Sie sieht, was wir anderen nicht sehen wollen

          Greta hat eine Diagnose gestellt bekommen, aber das schließt nicht aus, dass sie recht hat und wir anderen so falschliegen, wie man nur falschliegen kann. Denn sosehr sie sich auch bemüht, die Gleichung, die wir anderen schon gelöst haben, geht für sie nicht auf; die Gleichung, die die Eintrittskarte zu einem funktionierenden Alltag darstellt. Weil sie das sieht, was wir anderen nicht sehen wollen.

          Greta gehört zu den wenigen, die unsere Kohlendioxide mit bloßem Auge erkennen können. Sie sieht, wie die Treibhausgase aus unseren Schornsteinen strömen, mit dem Wind in den Himmel steigen und die Atmosphäre in eine gigantische unsichtbare Müllhalde verwandeln. Sie ist das Kind, wir sind der Kaiser. Und wir sind alle nackt.

          „Du blöde Schlampe!“ Beata steht im Wohnzimmer, reißt DVDs aus dem Regal und wirft sie die Wendeltreppe zur Küche hinunter. Es gab eine Zeit, in der wir ausführliche Gespräche über die Bedeutung solcher Ausdrücke geführt haben, aber diese Zeit ist lange vorbei. „Ihr kümmert euch nur um Greta. Nie um mich. Ich hasse dich, Mama. Du bist die schlechteste Mutter auf der ganzen Welt, du verdammte Bitch!“, schreit sie, als mich Jasper der Pinguin am Kopf trifft. Gefolgt von Rasmus und der Landstreicher, Harry Potter, Angelina Ballerina und hundert weiteren Filmen.

          Das ist meine Botschaft: Greta Thunberg vor einer Woche beim Papst.

          Beata knallt ihre Zimmertür zu und tritt immer wieder mit voller Wucht gegen die Wand, und wir staunen ein weiteres Mal über die unglaubliche Stabilität von doppelten Gipsplatten. Die Wand hält, und die DVDs sind ohnehin schon seit langem lädiert. Wir sind auch ziemlich lädiert, aber leider nicht so robust wie die Wände im Obergeschoss. Zumindest ich nicht.

          Bei der zweiten Explosion ist es bedeutend schwieriger, auf den Beinen zu bleiben. Auch wenn Gretas Zusammenbruch akuter war, weil sie nichts mehr aß, schmerzt diese Entwicklung auf eine ganz andere Weise.

          Bei Greta ging es um Kilos, Minuten, Tage, Tabellen und Struktur. Alles war praktisch überdeutlich, und von diesem konkreten Schema ging eine Art Erleichterung aus. Bei Beata ist alles Chaos, Zwang, Trotz und Panik. Ähnlich ist nur der Zeitpunkt – denn altersmäßig ereignet sich die Explosion um genau dieselbe Zeit: in der vorpubertären Phase, zwischen dem zehnten und elften Lebensjahr.

          Mehrere Krankheitsbilder treffen teilweise auf Beata zu, aber bei keinem erfüllt sie alle Kriterien für eine Diagnose. „Man kann zu neunzig Prozent ADHS, zu sechzig Prozent Autismus, zu fünfzig Prozent Aufsässigkeits-Trotz-Syndrom und zu siebzig Prozent OCD haben, insgesamt also über hundert Prozent zutreffende Kriterien für neuropsychiatrische Störungen erfüllen, aber immer noch keine richtige Diagnose gestellt bekommen“, erklärt die Psychologin.

          Als sie fertig ist, fällt mir auf, dass Svante zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren in der Öffentlichkeit weint. Auch sonst weint er nicht oft, aber jetzt kann er nicht mehr aufhören. „Sie müssen ihr helfen“, schluchzt er. Immer wieder. Am Ende wird bei Beata ADHS diagnostiziert, mit Zügen von Asperger, OCD und eine Störung mit oppositionellem Trotzverhalten.

          Ein Unterschied wie Tag und Nacht

          Wenn Beata keine Diagnose bekommen hätte, hätten wir nicht gemeinsam mit der Schule die Anpassungen vornehmen können, durch die sie sich integrieren und wieder wohl fühlen konnte. Hätte sie keine Diagnose bekommen, hätte ich es nicht den Eltern ihrer Mitschüler, ihren Lehrern und allen anderen Erwachsenen erklären können. Hätte sie keine Diagnose bekommen, hätte ich nicht mehr arbeiten können.

          Hätte Beata keine Diagnose bekommen, hätten wir dieses Buch niemals schreiben können. So krass sieht die Wirklichkeit aus. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Aber jetzt bekommt Beata eine Diagnose, und es wird ein Neuanfang für sie, eine Erklärung, eine Rehabilitierung.

          Ganz gleich, was geschieht, wir dürfen auf Wut nie mit Wut reagieren, das bringt mehr Schaden als Nutzen. Wir passen uns an, und wir planen, mit genau festgelegten Routinen und Ritualen. Stunde für Stunde. Wir versuchen Gewohnheiten zu finden, die funktionieren. Manchmal, wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt, bricht alles zusammen, aber wenn das geschieht, fangen wir direkt wieder von vorne an. Wir teilen uns auf. Nehmen jeder ein Kind. Wohnen getrennt.

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          Jede Familie hat eine Heldin oder einen Helden. Beata ist unsere Heldin. Als es Greta am schlechtesten ging, musste Beata zurückstecken und alleine klarkommen. Hätte sie das nicht getan, hätte rein gar nichts funktioniert. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen.

          „Manchmal brocken wir Menschen es uns selbst ein.“ Der Ministerpräsident spricht in einer Liveübertragung aus dem Reichstagsgebäude über das Klima. „Er lügt“, sagt Greta und steht vom Sofa auf, das vor dem Fernseher steht. „Er lügt!“, „Warum denn?“, frage ich.

          „Er sagt, wir Menschen wären diejenigen, die es uns eingebrockt haben, aber das ist nicht wahr. Ich bin ein Mensch, und ich habe uns nichts eingebrockt. Beata hat uns auch nichts eingebrockt und du oder Papa auch nicht.“, „Nein, du hast recht.“, „Er sagt das nur, damit wir so weitermachen wie immer, denn wenn alle schuld sind, ist niemand schuld. Aber irgendjemand muss schuld sein, also stimmt es nicht, was er sagt. Es gibt doch nur ein paar hundert Firmen, die für den gesamten CO2-Ausstoß stehen. Und es gibt nur sehr wenige extrem reiche Männer, die Tausende Milliarden dadurch verdient haben, den ganzen Planeten zu zerstören, obwohl ihnen die Risiken bekannt waren. Also lügt der Ministerpräsident, genau wie alle anderen.“ Greta seufzt.

          „Nicht alle haben es uns eingebrockt, sondern nur ein paar wenige, und um den Planeten zu retten, müssen wir den Kampf gegen sie und ihre Firmen und ihr Geld aufnehmen und sie zur Verantwortung ziehen.“

          „Neuer Rekord!“ Es ist Samstagmorgen, und Greta kommt in die Küche, fröhlich winkend mit einem DIN-A4-Papier voller Zahlen und Spalten. „Über ein Prozent dreht sich um Umwelt oder Klima. Das meiste sind natürlich kleine Notizen oder alte Texte, die noch herumlagen, aber trotzdem.“ Alles fing mit dem Kommentar eines Bekannten an, dass er es bald nicht mehr ertragen könne, Zeitung zu lesen, weil die ganze Zeit so viele schreckliche Dinge darin stünden: „Immer nur eine Krise nach der anderen. Krieg, Trump, Gewalt, Kriminalität und das Klima.“

          Wie viele Artikel über Klima und Umwelt gibt es?

          Greta fand sich in dieser Art, die Wirklichkeit zu beschreiben, so gar nicht wieder, aber es gab viele, die das Gleiche sagten: dass so viel Schlimmes über das Klima zu lesen sei. Unsere Tochter fand hingegen, dass fast nie irgendetwas über die Umwelt und Nachhaltigkeit geschrieben wurde. Sie entschloss sich deshalb, nachzuprüfen, wie es wirklich um die Berichterstattung stand. Sie fing damit an, regelmäßig durchzuzählen, was die vier größten Tageszeitungen auf ihren Nachrichtenseiten schrieben – und was sie ausließen. Wie viele Artikel über Klima und Umwelt gab es? Und wie viele kreisten um Dinge, die dem Thema genau entgegengesetzt waren, wie etwa Flugreisen, Shopping oder Autos? Das Ergebnis war im Großen und Ganzen jedes Mal gleich: Klima und Umwelt bewegten sich zwischen 0,3 und 1,4 Prozent, während die anderen Themen auf deutlich höhere Zahlen kamen.

          Als eine der größten Zeitungen Schwedens sich zum Ziel setzte, das Klima ins Zentrum ihrer Berichterstattung zu stellen, so dass es die gesamte Redaktion durchdrang, wie es hieß, verfolgte Greta ihre Berichterstattung fünf Wochen am Stück. Das Ergebnis war nicht besonders beeindruckend. Shopping zweiundzwanzig Prozent, Autos sieben Prozent, Flugreisen elf Prozent. Und die Klimafrage 0,7 Prozent. Jedes Mal, wenn sie es nachprüfte, waren die Ergebnisse weitgehend identisch, egal, um welche Zeitung es sich handelte. Greta ist jemand, die nichts aus dem Auge verliert, was sie wichtig findet, also sehen wir jeden Morgen mit ihr zusammen die Titelseiten aller Zeitungen im Internet durch.

          „Wenn das Thema Klima zusammengerechnet die größte Nachricht ist, werde ich das rot im Kalender anstreichen“, sagt sie. Doch dazu ist es bis heute nicht gekommen. Und wir prüfen es jetzt seit zwei Jahren nach.

          Die Auszüge stammen aus:

          Greta & Svante Thunberg, Beata & Malena Ernman, „Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima“;

          aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann, Gesa Kunter und Stefan Pluschkat;

          256 Seiten, 18 Euro; das Buch erscheint am 30. April.

          © 2019 S. Fischer Verlag GmbH

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