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Das Unglück der Kinderstars : Willst du dich retten, dann geh zur Uni

  • -Aktualisiert am

Kein ganz gewöhnlicher Zeitvertreib für einen Zehnjährigen: Aaron Carter 1998 in Los Angeles beim Dreh eines Musikvideos Bild: action press

Der Kindheit beraubt für einen Augenblick im Rampenlicht: Wahrscheinlicher als dauerhafter Ruhm ist für Kinderstars in Amerika der Absturz – aktuell zu sehen bei Aaron Carter.

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          Popprinzessin Britney Spears hätte es nicht besser sagen können, damals, kurz vor der Zwangseinweisung in die Psychiatrie. „Ich will Frieden und Liebe für alle“, twitterte Aaron Carter jetzt, nach einigen Wochen auf Kollisionskurs. Bei einem Auftritt in der Talkshow „The Doctors“ hatte der frühere Kinderstar Anfang September verraten, unter Schizophrenie, Angstattacken, Depressionen und einer multiplen Persönlichkeitsstörung zu leiden. Es folgten Beschimpfungen gegen seinen Bruder, „Backstreet Boy“ Nick Carter, und Missbrauchsvorwürfe gegen seine verstorbene Schwester Leslie Carter.

          Als der „I Want Candy“-Sänger begann, seine vom Vater geerbte Waffensammlung aufzustocken, wurden Nick Carter und Angel Carter, eine weitere Schwester, aktiv. Nach angeblichen Morddrohungen des angeschlagenen Einunddreißigjährigen erwirkten sie vor zwei Wochen eine einstweilige Verfügung. „Vor dem Hintergrund von Aarons zunehmend alarmierendem Verhalten bleibt uns keine andere Wahl. Wir müssen uns und unsere Familien schützen. Wir hoffen, dass er sich behandeln lässt, bevor er sich oder anderen etwas antut“, schrieb Nick Carter den Fans.

          „Man ist ein Kind, das arbeitet“

          Sein jüngerer Bruder, medikamentenabhängig und auf 55 Kilogramm abgemagert, revanchierte sich mit Tiraden in sozialen Medien. Das Gesichtstattoo mit Medusa, das er sich am vergangenen Wochenende stechen ließ, erinnerte viele an Spears’ Glatze von 2007. Nach der Trennung der Eltern, zwei Kurzehen, zwei Kindesgeburten und einer Entziehungskur hatte Hollywoods erschöpftes Tanzmariechen damals in „Esther’s Haircutting Studio“ im kalifornischen Tarzana zum Rasierer gegriffen, um sich vor den Kameras der Paparazzi den Kopf zu scheren.

          Britney Spears sorgte mit ihrer Kopfrasur für Schlagzeilen.

          Dass die Unterhaltungsbranche kein ideales Pflaster für das Erwachsenwerden bietet, ist kein Geheimnis. Spears und Carter, The Jackson 5, Macaulay „Kevin – Allein zu Haus“ Culkin, Amanda Bynes, Lindsay Lohan, Demi Lovato, Justin Bieber und Miley Cyrus – die Liste zeitweilig implodierender Nachwuchsstars wird täglich länger. „Man ist ein Kind, das arbeitet“, fasste die Schauspielerin Tia Mowry das Aufwachsen am Set der Sitcom „Sister, Sister“ in einem Interview zusammen: „Jeder meint, das Leben eines Kinderstars sei glamourös. Dabei ist dir andauernd bewusst, dass eine ganze Show an dir hängt und Leute mit dir Geld verdienen. Zusätzlich geht man zur Schule und muss auf vieles verzichten. Es herrscht unglaublicher Druck.“

          Wie sich der Druck entlädt, scheint eine Frage des Typs. Cyrus, die als Elfjährige für die Kinderserie „Hannah Montana“ entdeckt wurde, setzt auf Drogen und Sex. Auf eine kurze Ehe mit dem Australier Liam Hemsworth, die die Sängerin und Schauspielerin vor zwei Monaten abrupt beendete, folgte eine Romanze mit Brody Jenners Noch-Ehefrau Kaitlynn Carter. Nach der unerwarteten Trennung von der Realitydarstellerin und einem Cannabis-unterfütterten Urlaub in der Wüste bestätigte die Sechsundzwanzigjährige am Freitag eine Liaison mit dem Sänger Cody Simpson von „New Problems“.

          Der sogenannte Disney-Fluch

          Justin Bieber, mit 13 Jahren aus der kanadischen Provinz für die Musikkarriere in die Vereinigten Staaten gezogen, versucht derweil, sich durch Religion und Ehe zu stabilisieren. Vor der kirchlichen Trauung mit dem Model Hailey Baldwin in der vergangenen Woche hatte der Mädchenschwarm jahrelang mit Alkoholfahrten, Drogenexzessen und Handgreiflichkeiten für Schlagzeilen gesorgt. „Ich wurde über Nacht von einem Dreizehnjährigen aus einer Kleinstadt zu jemandem, der von allen Seiten gelobt wurde. Millionen erklärten mir ihre Liebe und sagten, ich sei großartig. Wenn man das als Junge oft genug hört, beginnt man irgendwann, es zu glauben“, bat der 25 Jahre alte Grammy-Preisträger seine Anhänger jetzt um Entschuldigung.

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